Eine Woche

Erst vor acht Tagen bin ich aus dem Urlaub wiedergekommen. Manchmal passt viel in die Tage hinein, das war so eine Woche.

Mittwoch. War auf einem Tanzabend in meiner Lieblingstanzschule. Es war ein Abend für Wein. Mein Tanzpartner fand es, glaube ich (ich wüsste es noch, wenn ich mich bloß erinnern könnte), ziemlich amüsant, was zwei Gläser Weißweinschorle mit mir anstellen. Dafür haben wir aber den letzten Wienerwalzer so beschwingt miteinander getanzt wie nie zuvor.

Freitag. War auf einem Volkstanzabend. Nicht ganz freiwillig, es war ein bisschen emotionale Erpressung dabei („Ich bin doch auch mit Dir in Deine Lieblingstanzschule gegangen“…). Nicht mein Ding, aber das wusste ich ja schon. Aber wieso? Es ist ja nicht so, dass die Menschen dort nicht sympathisch wären, auf diese besondere Weise, man denkt, dass man sie alle schon mal neulich auf dem Kirchgemeindebasar gesehen hat. Auch wenn man in den letzten Jahren gar keine Kirchgemeindebasare besucht hat. Es ist ja nicht so, dass es nicht auch Spaß machen würde, im Kreis, im Quadrat mit insgesamt vier Paaren oder in eine Polonnaiseschlange zu tanzen. Trotzdem ist das so eine Art entkoffeiniertes Tanzen. Zu viel Gruppendynamik. Zu wenig Erotik.

Samstag. Mit meinem Siebenjährigen auf dem Tempelhofer Flugfeld Quad gefahren, oder Trike oder Go-Kart, blicke da eh nicht so durch. Ein wunderschöner Herbsttag. Habe mich nur über die Preise geärgert: fünf Euro für eine halbe Stunde sind doppelt so viel, wie wir im Sommer an der See bezahlt haben! Und die Dinger sind so anstrengend zu fahren, dass wir eine Stunde brauchten, um einmal die Landebahn entlang und am Rand des Flugfeldes zurückzukommen.

Dienstag. Begleitetes Training in meiner Muckibude gehabt. Ich werde von nun an zusätzlich auch meine schrägen Bauchmuskeln trainieren, nicht nur die geraden. Ich werde in kürzester Zeit den flachen Bauch einer Sechzehnjährigen haben. Dann finde ich meinen Traummann und werde glücklich.

Auch Dienstag. Tanztraining fällt aus. Gehe stattdessen in eine kleine Sauna, deren Charme darin besteht, dass die das Gegenteil eines Wellnesstempels ist. Sie bietet pure Hitze, Aufgüsse aus einem Aufgussautomatenrohr, die ebensosehr neben wie auf die Steine treffen und auf den roten Bodenfliesen hässliche Ablagerungen hinterlassen. Einen großen Raum zum Duschen mit weißen Plastikstühlen und einem Tauchbecken, die gelblichen Fliesen an Schadstellen mit weißen ausgebessert. Einen Ruheraum, der an den Kühlraum einer Fleischerei erinnert, mit einem künstlichen Ficus, der in einem viel zu kleinen Topf dahinvegetiert. Vor nicht allzulanger Zeit war das Bad eine ganze Saison lang wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. In der Sauna hat sich das nur in einem blau gestrichenen Wasserrohr niedergeschlagen, in ein bischen gelber Farbe an einigen, aber nicht allen Wänden. Die Decke des Ruheraumes wurde mit billigen Pseudoholzpanelen vertäfelt, in die Halogenspots eingelassen sind, für die es keinen Schalter gibt, so dass noch immer das grünliche Notausgangsschild die einzige trübe Lichtquelle ist. Die an den Fliesen beim Tauchbecken angebrachte Mahnung „Benutzung des Tauchbeckens nur mit Badekappe“ wurde mit einem Druck von einem palmenumstandenen Wasserfall verdeckt, über dem ein Engel – oder eine Erscheinung der Muttergottes? – oder vielleicht auch nur eine auffällige Wolke? – schwebt.

Sonderbarererweise haben all diese Neuerungen den heimeligen Charakter meiner Sauna nicht zerstören können. Man kann sehr gut abschalten da.

Außerdem: gearbeitet. Mit einer Freundin Essen gegangen. Mit meinem Siebenjährigen zur Physiotherapie gegangen. Lange mit meiner großen Schwester telefoniert. Eingekauft. Ein paar Dinge über das Bloggen gelernt. Das mit dem Ausloggen funktioniert jetzt prima. Und als ich angefangen habe, Tags zu setzen, hatte ich gleich Aufrufe aus Finnland. Bin beschämt, weil ich keine finnischen Blogs lesen könnte. Aber ich werde jetzt nicht noch finnisch lernen, nicht in der nächsten Woche jedenfalls.

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2 Gedanken zu „Eine Woche

  1. Karen

    Es gibt Leute, die deinen Blog aus Finnland aufrufen, deren Blogs du lesen könntest, auch ohne Finnisch lernen zu müssen. 😉

    (Ich werd‘ mir ja wohl angucken, wer mich da abonniert hat…! Und wiederkommen, wenn mir das, was ich da lese, so gut gefällt…!)

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    1. gretainberlin Autor

      Ja – der Gedanke lag schon nahe, dass Du da aus Finnland geschaut hattest; ich hatte Deinen Blog da ja grade entdeckt. Aber die Pointe mit dem Finnisch-Lernen passte einfach zu gut ans Ende von meinem Text… Mag und lese Deinen Blog weiterhin – obwohl ich jetzt sogar rausbekommen habe, wie ich auch jemandem „entfolgen“ kann. Und freue mich natürlich sehr über mehr Aufrufe aus Finnland!

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