Vielleicht beide (blind dates)

Es gibt Dates, bei denen du auf den ersten Blick weißt: das hier wird nichts. Nur deshalb „Hallo“ sagst, um nicht erklären zu müssen, warum du nicht dort warst. Einer erzählt dir als erstes, er arbeite in der Entwicklung von Landminen. Seine Vorstellung von einem guten Scherz. Oder vielleicht findet er dich auch nur so furchtbar, dass er es kurz machen will.

Was er wirklich macht, nimmst du nicht mehr wahr. Du trinkst deinen heißen Tee und ziehst dein Portemonnaie schneller als ein Neuköllner Gangsta sein Klappmesser, du willst nichts schuldig sein, auch kein Pappbechergetränk. Am Ende sagt er plötzlich, dass er sowieso grade zu seiner Ex zurückgeht. Du schaffst es, mit unschuldiger Stimme und skeptischen Augenbrauen zu fragen: „Und sie will dich zurück?“

Du gehst, erleichtert und erheitert.

Es gibt andere Dates. Ihr sitzt euch gegenüber, ihr mögt die Augen des anderen, redet über Arbeit und Kinder, die Stadt und den Herbst, lauft an irgendeinem Kanal entlang durch die raschelnden Blätter. Umarmt euch linkisch an einer S-Bahn-Station, sagt „vielleicht einmal wieder“ und geht in zwei Richtungen fort.

Vielleicht weil es in seinem Leben jemanden gab, der wichtig war. Vielleicht, weil es in deinem Leben jemanden gab, der wichtig war. Vielleicht, weil ihr beide in den Augen und Gesten des anderen immernoch diesen Menschen wiederzufinden hofft.

Der Weg zum anderen ist da. Er ist weit. Und ihr seid – vielleicht beide – unendlich müde.

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