Familienlogistik

Die nasse Kälte kriecht mir in die Knochen. Die Dunkelheit macht es auch nicht besser. Ich möchte meine beiden Übergrößendecken über mich ziehen und den Kopf erst Anfang April wieder drunter hervorstrecken. Stattdessen klingelt mein Wecker schon um fünf statt halb sechs, weil der Dreijährige ihn verstellt hat. Gut, dass er nicht den Knopf für die Uhrzeit erwischt hat, nach der Zeitumstellung bin ich so durcheinander, dass ich das bestimmt nicht bemerkt hätte und auch halb vier schon in die Küche getaumelt wäre, um Vesperdosen vorzubereiten.

Der Dreijährige hat auch am Radio gedreht, wir verpassen den Wetterbericht, ich muss stattdessen auf dem Balkon nach dem Wetter sehen. Es regnet. Im Radio wäre das Wetter sicher besser gewesen. Bei Regen ist morgens alles ein bisschen schwieriger: in Windeseile müssen die Schuhe nochmal imprägniert werden, das Anziehen dauert mit Regenhosen und Regencapes noch ein bisschen länger, und eigentlich müsste der Siebenjährige fünf Minuten eher in der Schule sein, um all die Regensachen irgendwo abzulegen, wo er sie dann auch wiederfindet.

Aber das Wiederfinden von Mütze, Schal, Regenhose, Regencape und Handschuhen ist heute nicht mein Problem, er wird von seinem Papa angeholt und schläft auch dort. Morgen auch, wir haben Tage getauscht, weil ich am Abend etwas vorhabe. Aber weil morgen der große Therapie- und Sporttag ist, sieht mein in Absprache mit dem Vater meiner Kinder verabschiedeter endgültiger Zeitplan dann so aus: Sieben Uhr morgens hole ich den Siebenjährigen bei seinem Papa ab (der mit dem Dreijährigen zur Logopädie geht) und fahre mit ihm zur Physiotherapie, die ist um acht. In der Stunde zwischen sieben und acht sind zehn Minuten Puffer eingeplant, weil der Siebenjährige wahrscheinlich noch nicht angezogen ist, wenn ich ihn abholen komme, und zwanzig Minuten für den verspäteten Bus.

Um acht Uhr dreißig muss das Taxi vor der Tür der Physiotherapie-Praxis stehen, damit der Siebenjährige pünktlich zur zweiten Stunde in der Schule ist. Am Nachmittag hole ich ihn dann nochmal bei seinem Papa ab und bringe ihn zum Sportverein, der ungefähr dort ist, wo wir am Morgen schonmal hingefahren sind. Dort sammelt ihn sein Papa (der den Dreijährigen dafür am Nachmittag betreuen wird, damit er sich nicht auf der Bank im Sportverein langweilen muss) dann um sieben Uhr ein.

Nicht vergessen: 1. Die Physiotherapeutin danach fragen, wo man ein weiches Trampolin herbekommt; 2. das Sportzeug für den Sportverein; 3. den Zettel mit den Telefonnummern für die Anleiterin im Sportverein, falls mit dem Abholen was nicht klappt.

Zwischendrin arbeite ich ein bisschen. Und dann hatte ich doch noch was vor. Habe bloß grade vergessen, was es war. Den Mann meines Lebens treffen? In ein Konzert gehen? Ein Vorstellungsgespräch bei einem Logistikunternehmen führen? Muss nochmal auf meiner To-Do-Liste nachsehen.

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