Projekt Schaukelbalken

Für meinen Tanzpartner werde ich bei Gelegenheit ein goldenes Denkmal im Park aufstellen. Nicht nur, dass er gut tanzt und sowieso nett ist – nein, er kocht auch noch gerne und gut und – wie gut, dass mir das eingefallen ist! – ist handwerklich begabt. (Keine Chance, ich werde seine Telefonnummer nicht rausgeben!)

Projekt Schaukelbalken – auf Frauenart gelöst: erwähne es jemandem gegenüber, der sich gern kümmert – war plötzlich ganz leicht.

Während ich noch dabei war, die Problematik zu erläutern, rüttelte mein Tanzpartner schon an den Wänden im Zimmer meines Siebenjährigen und erklärte den Plan, einen Balken quer durchs Zimmer zu spannen, für machbar – obwohl eine der Wände unter seinen testweisen Schlägen bedenklich wackelte und ganz offensichtlich dünner war, als eine Sicherheit ausstrahlende Schraube lang ist.

Während das Haus vor meinem inneren Auge bei dem Versuch, Löcher in diese schwankende Wand zu bohren, wie bei einer Sprengung implodierte, lud mein Tanzpartner mich schon in sein Auto; ich fand mich im Handumdrehen im nächsten Holzfachmarkt wieder, zwischen endlosen Reihen von Dielen, Balken, Leisten und Brettern; zwischen Regalen mit Schrauben, Dübeln, Unterlegscheiben, Haken und derlei Dingen mehr, die die Augen von Männern zum Leuchten bringen.

Ohne Zwischenfälle – nur beim Anfahren rutschte der immerhin drei Meter zwanzig lange Balken immer ein wenig nach hinten durch die offene Heckklappe – brachten wir alles zu mir nach Hause; ich entwickelte etlichen Stolz auf mein räumliches Vorstellungsvermögen, als der Balken tatsächlich durch das Treppenhaus passte – und noch am selben Abend lag er bereit, die ersten Löcher schon gebohrt, eingeölt mit einem guten biologischen Holzöl.

Und heute haben wir ihn montiert. Wie das bei handwerklichen Arbeiten so ist, verwandelte meine Wohnung sich in wenigen Minuten in ein wüstes Chaos; meine Kinder entführten alle für einen Moment nicht benötigten Werkzeuge in ihr Lager hinter dem Kissen auf dem Sessel beim Dreijährigen und waren kaum zu bewegen, auch nur die Wasserwaage wieder herauszurücken; meine Hilfe wurde nur ein oder zweimal zum Halten des Balkens benötigt – der tatsächlich über den Balkon und durchs Küchenfenster leicht ins Zimmer des Siebenjährigen zu bringen war – und plötzlich fand ich mich in sowas wie einer wochenendlichen Familienszene wieder: pellte eine Grapefruit für einen Salat, während mein Tanzpartner im Zimmer des Siebenjährigen Haken in den Balken drehte und die Kinder begeistert auspackten, was ich ihnen an Schaukelgerät besorgt hatte: einen Stab mit Ringen, eine dreifache Strickleiter, eine einfache Schaukel mit Brett, mit der auch der Dreijährige schon etwas anfangen kann.

Am Ende brachte mein Tanzpartner noch einen „Sky Chair“ an, den er aus seinem Keller hervorgekramt hat. Wenn meine Kinder bei ihrem Vater sind, werde ich vom Schaukelbalken alles abnehmen, was auch nur entfernt nach Sport aussieht, diesen hängemattenartigen Faulenzerstuhl anhängen, einen Becher Kaffee in die Kaffebecherhalterung stecken (oh ja, es gibt eine Kaffeebecherhalterung – mein Tanzpartner ist ein echter Perfektionist) und für den Rest des Tages für banale Alltagssorgen nicht mehr erreichbar sein.

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