Die große Adventifizierung

Nach dem Wochenende herrscht in unserem Biomülleimer schon entschieden weihnachtliche Stimmung: die Zweige, die vom Gesteck übrigwaren, ragen aus einer Schicht ranzig gewordener gemahlener Haselnüsse; obendrauf liegt ein ganzes Blech verkokelter Plätzchen, die wir beim Mittagessen im Ofen vergessen haben. Es duftete um diese Zeit schon so sehr nach Gebackenem, dass wir den Geruch der aktuellen Ladung erst bemerkten, als er sich deutlich bemerkbar machte.

Aber das macht nichts. Trotzdem sind es sechs halbe-halbe geteilte Sorten geworden, die meine Nachbarin und ich in schöner Seelenruhe (unterbrochen von einem gelegentlichen „Muss Naseputzen!“ oder „Fertig gekackert!“) gebacken haben, während die vier kleinen Jungs erstaunlich friedlich zusammen spielten. Unsere Rufe „Wer will Plätzchen ausstechen?“ verhallten irgendwo auf dem Weg zum Kinderzimmer zwischen Schlägen mit dem Spielzeughammer und den wilden Geräuschen kleiner Stiere.

Die nächste Hürde auf dem Weg zu einer entspannten Vorweihnachtszeit liegt dann Mitte der Woche vor mir – solche Termine treffen natürlich grundsätzlich die Wochenhälfte, in der ich mit den Kindern unterwegs bin: Adventsbasteln. An einem Nachmittag in der Kita. Am nächsten Nachmittag in der Schule. Letztes Jahr hatten sie ein Einsehen und haben beides auf den gleichen Tag gelegt. Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen adventliches Basteln – aber ein kleines bisschen deprimiert es mich manchmal doch, wenn andere in ganzen strahlenden Mami-Papi-Opi-Omi-Kind-Herden an mir vorbeirauschen, während ich alle Mühe damit habe, ein kleines müdes Kind bei Laune zu halten, während ein etwas größeres müdes Kind sich das T-Shirt mit besonders schlecht auswaschbarem Kleber bekleckert.

Neulich berichtete der Dreijährige – der ein paar Tage krank bei seinem Papa zu Hause war – dem Siebenjährigen von den Schokoadventskalendern, die er seinem Papa offenbar in der Kaufhalle abgeschwatzt hatte. Der Siebenjährige bekam daraufhin einen schrecklichen Anfall von Weinen und Toben – offenbar untröstlich bei dem Gedanken, dass die sonst bei uns üblichen Beutelchen-Adventskalender in diesem Jahr nicht gefüllt werden könnten. Was er nicht wusste (und der Dreijährige auch nicht) war, dass ich auch zwei Schokoadventskalender gekauft hatte, mit dem schönen Gedanken, es mir dieses Jahr mal einfach zu machen. Jetzt liegen die schönen Schokokalender traurig in ihrem Versteck… und zweimal 13 Beutelchen warten im Regal darauf, mit Kleinigkeiten befüllt zu werden, die ich mir bis nächste Woche noch irgendwie aus der Rippe schneiden muss. Die anderen zweimal 11 wandern morgen zum Papa meiner Kinder. Die Schokotäfelchen aus den gekauften Kalendern in die Beutelchen umzufüllen, wird wohl nicht ausreichen. Advent, Advent…

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