Schwarmintelligenz

Eigentlich glaube ich nicht an sowas wie „Schwarmintelligenz“, jedenfalls nicht bei Menschen. Bienen, meinetwegen. Ameisen.

Trotzdem scheint es auch bei uns Menschen Phänomene zu geben, die sich nicht rationaler als mit „es lag in der Luft“ erklären lassen. Namensmoden!

Als ich den Namen „Greta“ für meinen Blog ausgewählt habe, kam ich mir im Grunde ziemlich individuell und avantgardistisch vor. Aber weit, weit gefehlt! Ich hätte schon misstrauisch werden müssen, als vor einiger Zeit in einem Fernsehkrimi ein Mann von seiner Geliebten namens Greta ermordet wurde. Aber ich staunte nur ein bisschen.

Nur wenige Wochen später fiel mir dann auf, dass im Sportverein, in dem mein Siebenjähriger trainiert, auch eine Gruppe von Zwei- bis Vierjährigen turnt, in der man eigentlich jedes Mädchen mit Greta ansprechen kann. Sie hören gefühlt alle auf diesen Namen.

Im Sportverein konnte ich die kleinen Gretas noch als Phänomen Kreuzberger Kreativität oder Prenzelberger Überspanntheit abtun, obwohl mir der Gedanke schon ein bisschen unheimlich war, eine Vorliebe für den gleichen Namen zu hegen, den in den letzten 3 Jahren mehrere hundert Berliner Mamis – jede ganz allein für sich – über ihren Latte Macchiatos entdeckt und für cool befunden haben.

Aber heute purzelte mir auf dem Adventstag in der Kita meines Dreijährigen – zwischen dem Bewegungsraum, in dem Gestecke zusammengetackert und dem Gruppenraum, in dem Glitzerpulver aus überdimensionierten Salzstreuern auf so ziemlich alles gestreut wurde, was sich mit Kleber einstreichen lässt – eine Zweijährige mit dickem Windelpo vor die Füße… die auch Greta gerufen wurde.

Die Greta-Welle ist also bei uns angekommen: mitten im bodenständigen Alltag am weniger hippen Rand von Berlin; in der Mitte der Gesellschaft, sozusagen. Unausweichlich wird es in jeder beliebigen Kindergruppe unter Schuleintrittsalter demnächst mindestens eine geben.

Ich könnte meinen Blog natürlich jetzt umbenennen, aber wer sagt mir, dass ich nicht wieder einen Namen erwische, der auf der Top-Ten-Namensliste in den Berliner Geburtshäusern gerade auf dem Weg ganz nach oben ist? Dass man etwas für seine eigene Idee hält, schließt ja offensichtlich nicht aus, dass man einem Trend aufsitzt. Ich sehe schon ganze Kitagruppen voller kleiner niedlicher Elsas und lockiger Ernas vor mir… Eine winzige Hulda mit rotem Erdbeermützchen ist mir sogar schon über den Weg geschoben worden, mitten in Wilmersdorf. Ein Trend, ich wette drauf!

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