Gesehen, gelesen, gehört… im November

„Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Zeit ist die Wunde.“ Dieses Zitat von Elke Heidenreich ist meine Lieblingspostkarte im November.

Haruki Murakami habe ich irgendwann mal in die Schublade mit den mir zu anstrengenden, zu intellektuellen Schriftstellern gepackt. Jetzt wurde er mir nochmal empfohlen, und siehe da: „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ ist kein Stück anstrengend, sondern poetisch und rätselhaft, mit einem Hauptdarsteller, der einem noch im unglaublichsten Abenteuer mit seinen Gedanken an die einfachen und banalen Dinge nahe bleibt. Ein Buch, das im Regal bleiben wird, zum Wiederlesen, irgendwann.

Wer wissen möchte, was Schnalamisitten sind oder welche Tänze Herr Gurke bevorzugt, findet im  Arche-Kinderliteraturkalender Antworten. Mein Siebenjähriger hat eine kulturell bewanderte Patentante, die ihm diesen großartigen Kalender zum letzten Weihnachten geschenkt hat. Jede Woche ein Kindergedicht von irgendwo aus der Welt, illustriert von einem Künstler aus dem Land, aus dem das Gedicht stammt. Alle paar Wochen fällt unser Blick auf den Kalender, und dann machen wir einen Gedichteabend. Kürzere Texte liest der Siebenjährige mir inzwischen vor. Dann muss ich ihm das Gedicht in der Originalsprache vortragen. Wir lachen Tränen, wenn ich mich in der schieren Menge kroatischer Konsonanten verheddere.

Wer argentinischen Tango mag und von der „klassischen“ Tangomusik irgendwann genervt ist, kommt am Gotan Project nicht vorbei. Die CD mit meinem Lieblingsstück „Erase una vez“ läuft das ganze Wochenende. Novembermusik. Für melancholische Momente, zum Erinnern und Traurigsein, ohne dabei zu vergessen, dass man irgendwann auch wieder „da draußen“ sein wird, an einem lauen Frühlingsabend, in einem Tanzsaal, bei vielleicht genau dieser Musik.

Und die passende Novemberlektüre: Ein Spiegel Wissen-Heft „Vom Umgang mit dem Sterben“ – fiel mir in der Wartezeit auf irgendeine S-Bahn in die Hände. Darin ein Artikel über „The top five regrets of the dying“ (von Bronnie Ware – auch das ein Buch, das aus einem Blog entstanden ist!).  Klingt so einleuchtend, wie man leben sollte, um nicht allzuviel zu bereuen: Zeit mit Freunden verbringen statt die Erwerbsarbeit über alles zu stellen. Sich selber treu bleiben und seine Gefühle zeigen. Sich das Glücklichsein erlauben, immer wieder.

Unser neuer Familienplaner: nachdem wir das laufende Jahr mit Ali Mitgutsch verbracht haben und die davor mit Petterson und Findus, bin ich diesmal beim Kalernderstöbern auf ein sehr sympathisches Monster gestoßen: mit großen, ausdrucksvollen Augen, Zähnen in bedenklichem Zustand, tollpatschigem Schritt und einer absolut unwiderstehlichen Mischung aus Abenteuerlust und Schuldbewusstsein in seinem Blick. Was hat es ausgefressen, das Grüffelo? Beginne, mich auf 2013 zu freuen, auch wenn unser Grüffelo vielleicht mal den einen oder anderen Termin durcheinanderbringen wird.

Der Verleser des Tages: Als ich nach einem Trostluftballon für meinen Dreijährigen suchte, fiel mir einer mit dem bemerkenswerten Spruch „Illusion beginnt im Kopf“ in die Hand. Aufgepustet erschien auf der anderen Seite das Logo von „Aktion Mensch“ – woraufhin ich mir den Spruch dann doch noch mal genauer angesehen habe. Inklusion, heißt es eigentlich. Illusion gefällt mir aber auch sehr gut. Möchte eine Postkarte haben, auf der das steht…

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