Samstagmorgengespräche

Wochenende. Sonnabend, morgens um 5 Uhr 30.

Mein Siebenjähriger ist schon wach, er hat strenge Order, mich nicht vor halb sieben zu wecken. Außer – und das setzt die erste Regel faktisch außer Kraft – wenn der Dreijährige, der die Uhr noch nicht kennt, mich schon wachgemacht hat.

Die beiden kuscheln sich zu mir ins Bett, einer rechts, einer links, ich bin geradeso halb wach und kurz davor, wieder einzunicken. Mama, fragt der Dreijährige, um welche Uhrzeit kann man eigentlich sterben? Mama, fragt der Siebenjährige, können Mamas, die nicht mehr mit den Papas zusammenleben, eigentlich noch mehr Kinder bekommen?

Und dann versuche ich – nicht wachend und nicht schlafend, sondern irgendwo dazwischen – mit den beiden darüber zu reden, dass die meisten Menschen sehr alt sind, wenn sie sterben. Aber nicht alle. Und dass eigentlich nur eine Frau und ein Mann miteinander Kinder bekommen, die sich sehr liebhaben und dass deshalb Mamas, die alleine leben, meistens keine Babies mehr kriegen.

An einem anderen Samstag ist der Dreijährige zuerst bei mir, weil sein Bruder noch schläft. Mama, sagt er, bleib immer schön in deinem Bett, geh nicht raus, damit der Wolf dich nicht frisst. Da haben wir ihn: den Wolf, diese alte Verkörperung der großen Ängste Dreijähriger. Er wohnt natürlich im Wald, also hinter der großen Schnellstraße. Da wird er sich nicht rübertrauen, erkläre ich, zu viele Autos. Und wenn er es doch schafft: unsere Haustür ist abgeschlossen. Und selbst wenn sie mal offen wäre: er kann doch keine Treppen steigen. Wir sind sicher, möchte ich ihm so gerne zu verstehen geben, du musst keine Angst haben, auch nicht um mich, vor allem nicht um mich, noch nicht mal, wenn du bei deinem Papa bist.

Ein paar Minuten später bin ich dann mit dem Siebenjährigen in eine Erörterung der verschiedenen Fußball-Zeitrhythmen verstrickt: Wie oft ist EM und WM und wie oft von den Frauen und wie oft von den Männern und warum spielen die Bundesliga der Frauen und der Männer gleichzeitig, aber nie Frauenmannschaften gegen Männermannschaften?

Und was unterscheidet eine Stadt eigentlich von einem Dorf?

Unser Leben wäre ein bisschen weniger schön ohne unsere Samstagmorgengespräche. Jeden zweiten Samstag. Pünktlich um 5 Uhr 30.

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