Orchideenplage

Brauche dringend noch ein Geschenk für meinen Vater, am besten ein Buch, noch besser eins, das ich ihm nicht schon zum letzten Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt habe. Aber eigentlich mag ich gerade garnicht so gerne in eine Buchhandlung gehen, jedenfalls nicht in eine von den großen. Die allgegenwärtigen Tische mit kinnhoch gestapelten Büchern, alle mit diesen unvermeidlichen zweideutigen Orchideen auf dem Cover, verleiden es mir ein bisschen.

Eine Freundin sagt: schau mal genau hin! Das ist alles schon garnicht mehr Shades of Grey, das sind alles schon Nachahmer. Und erzählt mir, dass bei Random House alle Mitarbeiter in diesem Jahr eine hohe Prämie bekommen, weil die Serie sich so gut verkauft hat. Und dass die Erotikwelle nun bald auch die Bücher für Jugendliche erreichen wird. Hmmm. Nicht jugendfreie Themen überschwemmen das Jugendbuch? Ich bin ziemlich froh, dass meine Jungs für Jugendbücher noch zu klein sind.

Ach, was waren das für schöne Zeiten, als ich vor vielen Jahren in einer kleinen Buchhandlung ausgeholfen habe, die heute (an meinem Gehalt hats nicht gelegen) längst nicht mehr existiert… Große Themenwellen gab es damals und dort eigentlich nur in der Ratgeberecke: in einem Jahr schwappten die Apfelessigbücher durch den Laden, im nächsten war es Eigenurin, irgendwann kamen dann mal die Schüsslersalze. Die einzige Welle im Belletristikbereich nannte sich Fräuleinwunder und fand im Grunde nur im Feuilleton statt und war auf einem einzigen Tisch im Eingangsbereich locker unterzubringen. Harry Potter fing gerade erst an und gehörte noch zu den Kinderbüchern, der Begriff „All-Age-Literatur“ war noch nicht erfunden; Vampirbücher und Erotikschnulzen standen, wenn überhaupt, irgendwo in einem abseitigen Regal neben den Liebesromanen mit den Halsbeißercovern. Schöne heile Buchladenwelt.

Aber was schenke ich jetzt meinem Vater? Irgendwas von Hirschhausen, dessen Buchstapel letztes Jahr überall lagen (der war wenigstens noch lustig)? Oder Axel Hacke? Der wird in unserer Familie sowieso immer wieder gerne verschenkt, alleine von meinem Vater habe ich den „Kleinen Erziehungsratgeber“ gefühlt dreieinhalbmal bekommen. Oder irgendein skandinavischer Krimi?

Eigentlich fast egal. Hauptsache, es sind keine Blumen drauf.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s