Weihnachtsbäumchen wechsel dich

Diese letzte Woche vor Weihnachten ist unerwartet schon entspannt und schön. Im Tanzverein eine kleine jeder-bringt-etwas-mit-Weihnachtsfeier; im Büro reden alle von ihren Plänen für die Festtage. Freunde haben Zeit, hübsch verpackte Geschenke werden schon mal ausgetauscht. Wie auf einer beinahe leeren Garnrolle spulen sich die letzten Arbeitstage ab und immer mehr Vorfreude kommt zum Vorschein. Endlich sind auch meine Kinder wieder da. Wir kleben noch ein Pfefferkuchenhäuschen zusammen; am Abend helfe ich dem Siebenjährigen, die vielen, vielen Geschenke zu verpacken, die er in den letzten Wochen mit Feuereifer gebastelt hat. Der Dreijährige, der nach dem Ins-Bett-Bringen wie immer noch lange „hellwatt“ ist (die letzte „Lokomettie“ heute morgen war nur für dieses Jahr die letzte), schnappt sich nebenbei die Bastelschere und schneidet ein Loch in mein Bettlaken. Bis zum Morgen des Heiligen Abends sind wir drei jetzt zusammen.

Festtage im Wechselmodell zu organisieren ist nicht ganz leicht. Kann man es als Mutter überhaupt aushalten, Weihnachten oder den Jahreswechsel ohne seine Kinder zu verbringen? – Vor drei Jahren wäre meine Antwort ein klares Nein gewesen.

Im letzten Jahr waren meine Söhne dann über den Jahreswechsel mehrere Tage bei ihrem Papa. Nach ein paar gemeinsamen Tagen bei meiner Familie sollten die Kinder Silvester mit ihrem Vater in Berlin verbringen. Dazwischen gab es eine furchtbare „Übergabestunde“ im Leipziger Hauptbahnhof, die so gedacht war, dass wir alle gemeinsam – die Kinder und ich und ihr Vater – in einem Café sitzen und erzählen würden, was wir erlebt hatten… um den Übergang ein bisschen sanfter zu gestalten. Für mich war er trotzdem schrecklich. Von dem Moment an, in dem ich den Zug mit den dreien aus dem Bahnhof winkte, war ich nur noch halb. Das neue Jahr ohne die beiden zu beginnen, fühlte sich falsch an, ganz und gar.

Dieses Jahr kann ich die Kinder über Silvester zu meiner ganz großen Schwester mitnehmen – dafür werden sie an den Weihnachtsfeiertagen bei ihrem Vater sein.

Am allerheikelsten ist aber der Heilige Abend.

Zum ersten Mal wird der beim Vater meiner Kinder gefeiert werden. Und wie in den letzten beiden Jahren wollen er und ich ihn gemeinsam mit unseren Kindern verbringen. In den letzten Jahren war das schräg. Und anstrengend. Erforderte beste Absichten von allen Beteiligten (vorhanden), häufiges tiefes Durchatmen, gelassenes spontanes Abstimmen der Abläufe (manchmal schwierig), und viiiiiel Geduld mit den nicht nur vom Weihnachtsfieber und den erwarteten Geschenken, sondern auch von der ungewohnten Papa-Mama-Situation überdrehten Kindern.

Wir werden es auch in diesem Jahr wieder versuchen. Ein bisschen angestrengt jauchzen und frohlocken. Uns Mühe geben und nicht den Abend verderben. Den Kindern an diesem einen Abend im Jahr ganz konkret zeigen, dass wir beide für sie da sind und sie lieben.

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