Weihnachtsvorbereitungen

Zweieinhalb schöne entspannte Tage mit meinen Kindern. Wir backen noch einmal, aber nur die eine Sorte Plätzchen, die immer als erstes von den Tellern verschwindet. Wir sitzen mit Freunden zusammen und spielen. Die Kinder helfen beim Aufräumen in ihren Zimmern mit und sogar beim Saubermachen im Weihnachtszimmer, so sehr, dass es ganz schön anstrengend wird, es wirklich sauber zu bekommen. Wir bekommen einen Weihnachtsbaum geschenkt.

Am vierten Advent will ich mit den Kindern gern noch auf den Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei gehen, denn einen Weihnachtsmarkt zu besuchen, haben wir vorher nicht hingekriegt. Der Patenonkel des Siebenjährigen ist zu Besuch, das ist gut, weil ich alleine mich gegen meine meuternden Söhne (nein, ich WILL aber nicht rausgehen!) kaum durchsetzen könnte. Als wir loskommen, hat der Schneefall vom Morgen sich gerade in Eisregen verwandelt. Nein, denke ich, wir ziehen das jetzt durch, ich WILL aber auf den Weihnachtsmarkt! Aber eine Betriebsstörung bei der U-Bahn macht unseren Plänen dann doch ein Ende, ich habe einen Moment schwarzer Verzweiflung, als der Patenonkel uns stattdessen zum MacDonalds einlädt und wir vor unseren unter einer Schicht Schokolade schlecht getarnten Kalorienbergen sitzen; die Blicke der Kinder an den Bildschirm gebannt, auf dem Musikvideos laufen.

Ich hätte so gerne meine Kinder mit glänzenden Augen in dem klitzekleinen Riesenrad fahren sehen, das im letzten Jahr auf diesem Markt stand. Ich hätte ihnen so gerne Esskastanien gekauft. Ich hätte so gerne gewusst, ob der Glöggi mit Moltebeeren noch immer so gut schmeckt; ob sie wieder Lochstickereisterne da verkaufen und Hüte; ob wieder eine Mantelheizung installiert ist. Hätte einer Schicht leuchtender Erinnerungen aus dem letzten Jahr gern eine neue hinzugefügt.

Denn das ist etwas ganz besonderes an Weihnachten: die vielen Schichten von Erinnerungen, die diesen feierlichen Tagen Tiefe geben. Die vielen Geschichten, die um uns sind, wenn wir die gleichen Wege gehen und die gleichen Dinge tun wie in den Jahren zuvor.

Beim Schmücken des geschenkten Weihnachtsbaumes heute morgen ist das nicht anders. Mit dem Weihnachtsschmuck ziehen wir – denn bei uns dürfen die Kinder den Baum schmücken helfen, seit der Große einen Stern halten kann – die Geschichten aus den Kisten, die ich vom Hängeboden hole. Eine Silberglocke, die noch aus meiner Kindheit stammt. Eigentlich waren es zwei, die zu meiner großen Betrübnis meinen Schwestern gehören sollten. Dann habe ich sie beide bekommen, und eine ist im letzten Jahr zerschellt. Der Dreijährige wirft heute als erstes eine von den Kugeln runter, die wir immer am Baum haben, rote und silberne. Die stammen von irgendeinem weihnachtlichen Marktstand im Bahnhof Südstern. Und genau wie die Strohsterne aus dem Billigladen und die klitzekleinen Kugeln von Ikea haben sie nicht von sich aus einen Wert, sie bekommen ihn erst, er wächst mit jedem Jahr, in dem wir Weihnachten feiern, während sie an unserem Baum hängen. Dazugekommen sind in den letzten Jahren vor allem kleine Geschenke: Anhänger aus Holz, Tannenbäumchen und Engel und eine Krippe; eine rot-grüne gläserne Lok. Selbstgebastelte Strohsterne, von denen der größte immer mit einem banalen Tütenverschluss an der Spitze vom Baum befestigt wird. Eine Bastelarbeit des Dreijährigen aus der Kita, ein roter Glitzerring mit einer ganz kleinen weißen Kugel in der Mitte. Nein, unser Baum hat nicht besonders viel Eleganz, die Dinge, mit denen er geschmückt ist, passen nicht alle zusammen; die kleinen Kugeln, die der Dreijährige so mag, hängen beinahe ausschließlich auf seiner Augenhöhe; die Kerzen alle in der oberen Hälfte, weil unser Baum ab der Mitte nicht mehr breiter wird. Trotzdem ist er wunderschön geworden (nachdem die Kinder die Lust verloren hatten und spielen gegangen waren und ihre perfektionistische Mutter noch eine Weile hier eine Kugel und da einen Stern umgehängt hatte…). An einem prominenten Platz hat sich in diesem Jahr vor allem anderen ein orange angemalter Salzteigengel niedergelassen und lächelt uns verschmitzt zu. Unter seinen ausgebreiteten Flügeln wird es ein gutes Weihnachtsfest werden, das ist sicher.

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