Kleine Fußabdrücke und große Abenteuer

Auch wenn es nicht oder nicht mehr wirklich von uns hier im alten Europa abhängt: einen gar zu großen energetischen Fußabruck (was für ein hübsches Bild das doch eigentlich ist – ) mag ich nicht hinterlassen. Das zu versuchen, gibt mir das Gefühl, wenigstens irgendwas zu tun (da ich meine Ader für politischen Aktionismus bisher vergeblich gesucht habe)… macht das Leben aber nicht immer einfacher.

Ich kenne zum Beispiel die Tiefkühlfächer meiner Nachbarinnen (und ihre jeweiligen Feiertagsreisepläne) ziemlich gut, weil mein ökostrombetriebener Kühler kein Eisfach hat. Meistens (wenn nicht gerade an Weihnachten, Ostern oder Silvester Besuch kommt) ist das auch kein Problem. Große Vorräte kann ich eh nicht einkaufen, weil ich ja auch kein Auto habe. Und das wiederum bedeutet, dass meine Söhne und ich eine Menge Erfahrung im Bahnreisen besitzen.

Ich bin mit einem Anderthalbjährigen und einem Fünfeinhabjährigen gereist. Noch dazu in dem Sommer, in dem immer und überall die Klimaanlagen in den Zügen ausgefallen sind. Noch dazu bis Dänemark. Immerhin schon nur noch mit einem Buggy, der wenigstens durch die Gänge im Zug passte, wenn wir in Eile in den falschen Wagen eingestiegen waren und uns zu unseren Plätzen durchkämpfen mussten. Und den man mit alldem beladen konnte, was wir griffbereit brauchten.

Ich bin mit einem Zweijährigen und einem Sechsjährigen gereist, Richtung Ostsee und Richtung Süden. Obwohl ich weiß, dass es funktioniert hat, kann ich mich nicht mehr erinnern, wie es ging. Habe ich drei Tage vorher mit Essen und einen Tag vorher mit der Aufnahme von Flüssigkeiten aufgehört? Habe ich in überfüllten Großraumabteilen auf dem Sitz (oder gar der Tischplatte?) gewickelt? Habe ich den gesamten Drei-Wochen-Bedarf eines Kleinkindes zusätzlich zu meinen eigenen Sachen auf dem Rücken getragen, das Kleinkind auf dem einen Arm, den Buggy über den anderen gehängt, an der Hand den Großen, der wiederum (das muss er schon sehr, sehr lange) seine eigenen Sachen hinter sich herzog? Offensichtlich gehört das alles zu den Dingen, die ich im Nachhinein verdrängt oder wegen übergroßer Müdigkeit sofort wieder vergessen habe.

Inzwischen reisen wir recht entspannt. Der Siebenjährige geht alleine zur Zugtoilette, und er kann auf den Dreijährigen aufpassen, wenn ich da mal hinwill. Beide ziehen stolz ihre Rollköfferchen, in die alles reinpasst, was wir brauchen… weil wir einfach nicht mehr mitnehmen. Bei längeren Urlauben, bei denen diese Regel nicht gilt, bringen wir drei locker bis zu sieben Gepäckstücke auf den Weg. Aber bis heute sollten wir eigentlich auf unsere Fahrkarten Rabatt bekommen, weil wir das Unterhaltungsprogramm für alle Mitreisenden im Großraumabteil liefern, wenn das Kleinkindabteil mal wieder ausgebucht war.

„Eine Hegionalbahn!“ kreischt der Dreijährige entzückt, und zwar bei jeder einzelnen Regionalbahn, die wir sehen. „Ein ICE! Ein Bagger!“ Er wird keine Ruhe geben, solange ich seine Entdeckung nicht gewürdigt habe (Oh ja: eine Regionalbahn! Ja: ein ICE! Ein gelber Bagger!), er ist hartnäckig. Und laut. Der Siebenjährige möchte ein neues Spiel mit sechs Würfeln ausprobieren. Obwohl wir vereinbaren, innerhalb des Spielkartons zu würfeln, fallen in äußerst regelmäßigen Abständen Würfel herunter und verteilen sich nach interessanten physikalischen Gesetzen im Großraum. Gespräche verstummen um uns herum, wenn ich eines der Jungens-Pixies vorzulesen beginne, in dem es um Fachfragen beim Hausbau oder die Unterscheidung von Obendrehern und Unterndrehern geht. Und spätestens wenn nette Mitreisende beginnen, sich mit meinen kommunikativen Kindern zu unterhalten, gerate ich ins Schwitzen. „Wo ist denn der Papa?“ ist eine beliebte Standardfrage, die den Dreijährigen zu komplexen Ausführungen über unsere Familienkonstellation veranlasst.

Aber ganz egal ob sich einer der Jungs drei Minuten vor dem Umsteigebahnhof übergibt und wir dann nach einem neuen Rekord im Kleiderwechseln vor Schreck in den falschen Zug umsteigen; ganz egal ob wir den Anschluss verpassen und in einem mittelkleinen langweiligen Bahnhof stranden oder ob wir in einem überfüllten Zug im Gang die auf dem Boden sitzen müssen… meine Kinder fahren gerne mit der Bahn. Und ich auch. Manchmal.

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