Siesta

Wochenende! Lümmel-Frühstück mit Cornflakes und der allerletzten Mich. Die Kinder und ich sehen den Schneeflocken zu, die vor unserem Küchenfenster gelassen nach unten sinken, und wir versuchen, auf dem Balkon welche einzufangen und unter der Lupe zu betrachten. Aber sie schmelzen viel zu schnell. Nachdem ich meine Söhne mit viel Mühe aus dem Haus getrieben habe, um mit ihnen frische Milch und irgendwas zum Mittagessen einzukaufen, schwöre ich den beiden, dass ich heute keinen Fuß mehr vor die Tür setzen werde, wenn sie sich nicht selbständig (das geht an den Dreijährigen) und ohne Meckern (das geht an den Siebenjährigen) die Schneehosen und Winterjacken und Mützen und Schals und Schuhe und Handschuhe anziehen. Ich schäme mich sofort für meinen finsteren Schwur, aber meine Jungs halten ihn für eine richtig gute Idee. Sie bauen sich aus allen Decken und Kissen, die sie finden können, ein riesiges Kuschelnest und spielen darin friedlich mit ihren Baufahrzeugen, während ich Fisch und Möhren und Reis koche.

Nach dem Mittagessen kommt mein Wochenendluxus: meine Siesta. Ich stelle den Kurzzeitwecker auf eine Dreiviertelstunde und schärfe den Kindern – wie jedesmal – ein, dass sie mich unter keinen, aber auch garkeinen Umständen stören dürfen, bevor er klingelt.

Ich lasse mich unter meine Decke fallen und mache die Augen zu. Seeligkeit.

Ungefähr fünf Minuten später wache ich davon auf, dass der Siebenjährige die Tür seines Zimmers zuzuwerfen versucht, mehrmals. Ich beschließe, mir den Vortrag mit der Überschrift „Warum wir in der Mittagspause nicht laut sind“ für später aufzuheben und das Getöse zu ignorieren. Wenn der Kleine ihn stört, darf der Große seine Tür zumachen, das weiß er. Aber nach dem nächsten „Rrrrums“ bricht der Dreijährige in ohrenbetäubendes Geheul aus, weil sein Fuß in der Tür steckte, die der Siebenjährige gerade zugeschlagen hat. Ich rufe den Dreijährigen zu mir, stemme mit Mühe ein Auge auf und betrachte den Fuß. Nichts gebrochen. Ich tröste ihn ein bisschen. Ich erkläre ihm freundlich, dass er mich jetzt schlafen lassen soll und schicke ihn aus dem  Zimmer. Das Auge ist schon wieder zu. Wie himmlisch weich meine Decke sich anfühlt…

Ungefähr fünf Minuten später steht der Dreijährige vor meinem Bett. Weißt Du was, Mama? Ich schicke ihn – relativ – freundlich in sein Zimmer und mache die Tür zu meinem Schlafzimmer fest zu. Rolle mich zusammen und schließe die Augen.

Ungefähr fünf Minuten später klingelt eine sms in mein Handy. Ich stelle es auf lautlos – wieso mache ich das nie vorher? – drehe mich auf die andere Seite und drücke meinen Kopf in mein weiches Kissen. Schlafe wieder ein.

Ungefähr fünf Minuten später höre ich den Dreijährigen aus der Ferne: ich muss mal pullern! Das immer laut und deutlich anzusagen, bringen sie den Kindern in der Kita bei. Stört mich eigentlich auch nicht, außer Samstagmittags. Jaja, geh pullern, murmele ich und lasse den Kopf wieder ins Kissen sinken. Hatte ich erwähnt, dass es ein besonders schönes, weiches Kissen ist?

Ungefähr fünf Minuten später tönt es durchdringend aus dem Badezimmer: Mama, fertig gekackert! – was bedeutet, dass ich hingehen und aufpassen muss, dass der Dreijährige sich den Po ordentlich abwischt, das üben wir nämlich gerade. Ich wanke zurück in mein Bett. Schlafe sofort ein.

Ungefähr fünf Minuten später klingelt der Wecker; die beiden Jungs kommen angeflitzt, ich hatte verspochen, ihnen nach meiner Mittagspause vorzulesen. Als ich mir später einen Kaffee mache, bin ich irgendwie nicht munterer als am Vormittag… aber ich kann mir ganz genau vorstellen, wie schön es sich anfühlen würde, jetzt Siesta zu halten.

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2 Gedanken zu „Siesta

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