Vorabend

Becherküchlein gebacken. Mit dem hustenden Dreijährigen inhaliert. Murmelbahn gebaut. Film geschaut. Abendessen gemacht. Der Dreijährige mag nichts essen. Stirn gefühlt, heiß. Zum Trinken überredet. Dreijähriger zieht freiwillig seinen Schlafanzug an. Wird wieder fit dabei. Dreijähriger und Siebenjähriger springen auf der großen Matratze Trampolin, bis der Dreijährige heult, weil sein Bruder ihn umgeschubst hat. Tisch abgeräumt. Dem Dreijährigen Fieber gemessen. 38. Ins Bett gebracht. Mit dem Siebenjährigen Becherküchlein glasiert. Der hellwache, aber fröstelnde Dreijährige sitzt dabei, in meine große Strickjacke eingepackt. Wieder ins Bett geschickt. Den Siebenjährigen zum Zähneputzen geschickt. Geburtstagsgäste angerufen. Die Geburtstagsparty zu einem Kaffeetrinken mit dem besten Freund des Dreijährigen verkleinert. Dem Siebenjährigen vorgelesen. Licht ausgemacht. Geburtstagstisch vorbereitet. (Was für ein Haufen Geschenke!) Feierliche Tischdecke auf den Frühstückstisch gelegt. Ein Becherküchlein genascht, von meiner Lieblingssorte mit rosa Zuckerguss und Haselnusskrokant. (Das hier ist ja kein Foodblog im engeren Sinne… Aber die „Kleinen Kuchen im Waffelbecher“ – findet man bei Chefkoch.de unter „Kindergeburtstag“ – sind so große Klasse, dass ich sie einfach weiterempfehlen muss. Kommen in der Kita gut an, und zu Hause haben wir immer zu wenige, egal wie viele wir backen…)

Schlafend, endlich – halb aufgedeckt – wie immer – liegt er in seinem Bett, mein kleiner Sohn. Hustet. Verzieht das Gesicht, wenn ich ihm übers Jahr streichele, schiebt gelassen die Decke wieder beiseite, die ich um ihn herumstopfe.

Vor vier Jahren…  wie leicht hatte er mir die Schwangerschaft gemacht, monatelang zuverlässig gestrampelt, wenn mich Ängste zu überfallen drohten.

Vor vier Jahren… irgendwann am frühen Morgen legte die Hebamme mir den Neugeborenen auf den Bauch, der die Augen aufschlug und sofort in dieser Welt angekommen war: Mit einem großartigen Lächeln, mit zwei Grübchen und mit Sonnenstrahlen in der Seele. Mit einem unendlichen Interesse an der Funktionsweise von Flaschenverschlüssen, Schrauben, Autos. Mit großer Begeisterung für jede Art von Werkzeug. Mit einem starken Willen, den man bei der morgendlichen Zeitplanung und beim Kochen besser berücksichtigt. Mit der erstaunlichen Fähigkeit, plötzliche Kompromisse einzugehen (solange es sich nicht um das Kosten von Speisen handelt, die er ablehnt…) und dabei sein Gesicht zu wahren.

Mein kleiner Sohn, den ich liebe. Er ist eigensinnig, er ist bockig. Er bringt seinen Bruder auf die Palme, so geschickt, dass ich meistens dem Siebenjährigen die Schuld am Streit gebe. Er kuschelt sich ganz eng an mich und möchte wie jedes jüngere Geschwisterkind am liebsten gleichzeitig noch zu klein sein, um selbständig sein zu müssen und schon groß genug, um alles das zu dürfen, was sein großer Bruder darf. Er strahlt die Welt an und wickelt alle um den Finger… Schon vier Jahre lang. Mein Dreijähriger wird hiermit zum Vierjährigen. Happy Birthday.

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4 Gedanken zu „Vorabend

  1. Karen

    „Becherküchlein“ ist ganz, ganz wunderbar! (Und ich dachte schon, es gäbe nur dieses eine unsägliche, englische Wort dafür…)

    Nachträglich alles Gute zum Geburtstag dem Vierjährigen und dem Achtjährigen! (Und deren Mama auch!)

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    1. Greta Autor

      Liebe Karen, danke für die Glückwünsche! Das unsägliche englische Wort kenne ich garnicht, meinst Du Muffins? Becherküchlein sind was anderes, Rührteig in diesen kleinen Waffelbecherchen, die wohl eigentlich für Eierlikör gedachgt sind. Und dann nach Lust und Laune glasiert. Ich kaufe immer die ganzen Eierlikörbechervorräte unseres Supermarktes auf, wenn die Geburtstage heranrücken… Liebe Grüße Greta

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      Antwort
      1. Karen

        Oh, ich dachte an „Cupcakes“. (Wobei die ja eigentlich auch nichts anderes sind als Muffins, oder? Oder?! Ich bin essenstechnisch völlig ungebildet.).

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      2. Greta Autor

        Also der einzige Cupcake, den ich jemals gesehen habe, war auf einem Werbeplakat (für ein Deo, lustigerweise). Und wenn nicht „Cupcake“ dabeigestanden hätte, hätte ich ihn tatsächlich für einen rosarot glasierten Muffin gehalten…

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