Vorabend, wieder

Was war im Mai eigentlich immer los? Ich weiß auch nicht mehr so genau.

Jedenfalls haben wir heute nochmal unsere Geburtstagsküchlein gebacken, 48 Stück, sie sollen nämlich nicht nur für das Geburtstagsfrühstück, sondern auch für die Kitagruppe des Vierjährigen reichen, der darf morgen wieder hin. Ich habe noch eine letzte saubere Tischdecke für den Frühstückstisch gefunden und die Acht auf das dafür vorgesehene Teil der Geburtstagsschlange gesteckt und sie mit neuen Kerzen bestückt, die vom Weihnachtsbaum übrig sind. Und noch einen Geburtstagstisch vorbereitet.

Vor acht Jahren ist er auf die Welt gekommen, an einem strahlenden Morgen mit einem blanken blauen Winterhimmel über Berlin: mein großer Sohn.

Mein großer Sohn, von dem der Heilpraktiker nicht schlüssig sagen konnte: Kiss-Syndrom oder nicht. Bei dem die Kinderärztin unsicher ist: ADHS-Verdacht oder nicht. Der Physiotherapiestunden brauchte, um im gerade noch richtigen Alter zu lernen, sich zu drehen und zu stehen und zu laufen. Der seinen kleinen toten Bruder gesehen hat, der die Trennung seiner Eltern verkraften musste. In dem der Kitapsychologe sich selber wiedererkannte, das Kind einer traurigen Mutter (Und wie professionell war das eigentlich, mir das so zu erzählen?).

Mein großer Sohn mit den schönsten Augen und den längsten Wimpern von allen. Mein großer Sohn, der sich allein hinter seinen Fußballkarten verkriecht und nicht mit anderen Kindern kicken mag. Der mir begeistert beim Kuchenbacken hilft und mir kräftezehrende Machtkämpfe liefert. Mein großer Sohn, der im Kopf bis Tausend rechnet und sich nicht erinnern kann, was es in der Schule zum Mittagessen gab. Der glockenhell lachen und voller verzweifelter Wut weinen kann. Der seinen Bruder anschreit und ihm ein Geburtstagsgeschenk von seinem Taschengeld kauft.

Mein großer Sohn, in dem ein bisschen von dem steckt, was ich an mir selber gern anders hätte. Zu dem ich vielleicht in den falschen Momenten streng und in den falschen Momenten nachgiebig bin, ratlos manchmal. Der vielleicht schon zu oft „groß“ sein musste. Mein großer Sohn, den ich liebe.

Aus dem Siebenjährigen wird hiermit der Achtjährige. Happy Birthday!

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