Platz für Neues

Heute, auf einmal, hängt über Berlin ein blasser Vorfrühlingshimmel. Ich sitze in der S-Bahn, schließe die Augen, halte mein Gesicht in die Sonne und denke darüber nach, meine Erschöpfung von „Winterhänger“ in „Frühlingsmüdigkeit“ umzubenennen.

An den Straßen liegen noch vereinzelte Weihnachtsbäume, ich war nicht die einzige, die ihren zu spät rausgeworfen hat. Vor dem Blumenladen gibt es ganz unten im Regalwagen noch Grabgestecke mit Plastikblumen in quietschbunten Farben, darüber, in den gleichen Farben, Primeln, die sind echt. Und vor dem Café sitzen die ersten mutigen Raucherinnen und trinken, in dicke rote Decken eingewickelt, ihren Cappuccino, obwohl die Sonnenstrahlen schon nicht mehr bis zu ihnen kommen und die Luft schon wieder ganz kalt ist.

In meine Wohnung scheint die Sonne noch, und sofort kommt mir alles eng und verkramt und schmutzig vor. Ich möchte dringend einen Müllsack nehmen und in allen Schränken auf einmal ausmisten; ich zwinge – ähh – bringe meine Kinder dazu, einen Teil ihres Spielzeugs durchzusehen und wenigstens ein paar kaputte Sachen wegzuwerfen; ich sortiere sogar die Socken des Achtjährigen, was ich anscheinend länger nicht gemacht habe, die Hälfte wandert sofort in die Kommode des Vierjährigen, au weia.

Seltsamerweise helfen solche Anfälle von Ordnungschaffen ja manchmal; auch wenn das Allesvielzuviel eigentlich ein inneres ist; auch wenn das Chaos im Kopf oder in der Seele sitzt, wo es sich nicht so leicht ausmisten lässt.

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