Winterferien

Winterferien. Ich lasse – wenigstens für einen Tag – alle mehr als ganz besonders dringenden Arbeitsprojekte liegen, nehme mir frei und verbringe ein verlängertes Wochenende mit meinen Kindern und meinem Vater. Er hat den Kindern durchsichtige Flummis mitgebracht, in denen es bunt zu blinken anfängt, wenn man sie auf den Boden aufschlagen lässt. Ein großer Spaß… jedenfalls solange, bis meine Nachbarin anruft, ja, genau die, die direkt unter uns wohnt. Zum Glück ist sie – das wusste ich nicht – im Urlaub und will nur wissen, wie ich süße Polenta koche. Da helfe ich doch gerne.

Wir bummeln an der Spree entlang, pusten Seifenblasen übers Wasser, den hungrigen Enten ist das nicht geheuer, sie schwimmen hastig davon; ein Stück weiter holen wir das mitgebrachte alte Brot hervor und füttern sie. Die Wintersonne kommt für ein paar Minuten heraus, wunderschönes Licht über dem Wasser, Wolken und Schnee vergoldet.

Zu Hause mache ich mich auf die Suche nach meinem alten Siedler-von-Catan-Spiel, weil der Achtjährige das an Weihnachten bei meiner Schwester kennengelernt hat und gerade ganz wild darauf ist. Ich stoße auf eine ganze Kiste mit alten Spielen. Kurze Zeit danach sitzen wir am Küchentisch und fummeln mit den bunten Steckerchen des Master Mind herum. Ich fühle mich in die achtziger Jahre zurückversetzt, in die Zeit, als der gelegentliche „Westbesuch“ mir und meinen Schwestern mit solchen Mitbringseln eine Freude machte. Weiter unten in der Kiste taucht ein uraltes Solo-Halma im schönsten DDR-Design auf. Während der Achtjährige daran herumknobelt, spiele ich mit dem Vierjährigen noch einmal das erste Memory, das ich meinen Kindern gekauft habe, das mit den Holzsteinen an Stelle von Kärtchen. Er schlägt mich, ich muss noch nicht mal absichtlich danebengreifen. Und dann entdecken wir „Spitz pass auf“, auch dieses Spiel seit vielen, vielen Jahren vergessen, bei dem man seine Holzmaus an ihrer Schnur möglichst schnell vom „Käse“ wegziehen muss, wenn die vorher vereinbarte Farbe oder Zahl gewürfelt wird und der Würfelbecher zuschlägt, um möglichst viele von den Mäusen zu fangen. Der Vierjährige zieht sein Mäuschen sicherheitshalber bei jeder Farbe weg. Der Achtjährige konsequent bei den Farben, die wir in der vorigen Runde vereinbart hatten. Kichern müssen wir alle.  

Später ist der Vierjährige mit seinem Kindergarten-Rätselblock befasst, auch der ein Geschenk vom Opa. Auf einer Seite müssen aus einer Reihe von Nahrungsmitteln diejenigen herausgesucht werden, die süß schmecken. Mein kleiner Sohn, der noch nie im Leben eine Erdbeere gekostet hat (auch keinen Blumenkohl und keinen Schinken, das hier wird also echt schwer), muss deduktiv vorgehen. Da sind doch Vitamine drin, sagt er und zeigt auf die Erdbeere, das schmeckt also nicht süß.

Ein schönes Wochenende. Auch nicht dadurch zu verderben, dass der Achtjährige mich beim Abendessen – Opa ist abgereist – aus heiterem Himmel fragt (nein, nicht aus ganz heiterem Himmel, wahrscheinlich verziehe ich mein Gesicht, weil ich darüber nachdenke, wie ich ihm erklären kann, woran man im Buchladen Frauenbücher und Männerbücher unterscheiden kann, das ist gar nicht so einfach): Mama, warum hast Du eigentlich so tiefe Linien zwischen Mund und Nase? Hab ich die auch? Besorgt betastet er seine Wangen. Noch mehr Erklärungsbedarf.

Noch ein paar Ferientage wie diese, wie schön wäre das. Sie hatten gerade angefangen, uns richtig gut zu tun. Möglicherweise sogar den Linien in meinem Gesicht.

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