Geografie und Metaphysik… für Achtjährige

Heute müsste man Berlin in Weiß und Rostrot und vielen, vielen Grautönen malen. Den nach einer (!) glorreichen morgendlichen Sonnenstunde mal wieder gritzegrauen Himmel, schneegefleckte Böschungen. Ziegelmauern. Dächer. Autos. Kahle Bäume. Matschige Rasenflächen. Fahrkartenautomaten. Asphalt. Werbeschilder. Einen Zug mit rostigen Loren auf ebenso rostigen Schienen.

In der Kantine ist der-Januar-mit-den-wenigsten-Sonnenstunden-seit (seit der Erfindung der Sonne, nehme ich an) Gesprächsthema Nummer eins. Gemeinschaftliches Augenrollen und Seufzen, bevor wir die halbleeren Teller mit dem asiatischen Gemüse (gut, dass keine asiatischen Kollegen anwesend sind und ihre Meinung dazu äußern können) zurückgeben und wieder zu unseren Schreibtischen schlurfen.

Wie das mit der Sonne und der Erde eigentlich funktioniert, habe ich neulich abends mit dem Achtjährigen diskutiert. Dass auf der einen Hälfte der Erde Winter ist und auf der anderen Hälfte Sommer, hatte er schon verstanden. Babykram. Dass es aber auch überall unterschiedlich spät ist… wieso denn das? Als ich versuchte, ihm die Zeitzonen und die Datumsgrenze zu erklären, stießen wir auf ein metaphysisches oder jedenfalls geografisches Rätsel. Wenn die Zeitzonen – so ähnlich wie die Spalten einer Mandarine – am Nordpol zusammenlaufen… wie spät ist es dann eigentlich dort? Immer gleich spät? Haben wir einen Punkt entdeckt, an dem die Zeit nicht vergeht? Wieso ist vor uns keiner drauf gekommen?

Ein Blick in meinen „Weltatlas Ausgabe Thüringen“ (der die meisten interessanten Fragen unbeantwortet lässt und den ich deswegen für meine geografische Unbildung verantwortlich mache – aber sieh da: eine Zeitzonenkarte gibt es, und sie ist auch nicht auf Thüringen beschränkt) zeigt uns das ganze historisch-politische Zeitzonenkuddelmuddel. (Von wegen Mandarinenspalten!) Und dass Uhrzeit eigentlich nur etwas Ausgedachtes ist, Zeit aber nicht. Auch am Nordpol. Schade.

Aber einen zeitlosen Ort möchte ich mir auch lieber nicht wie den Nordpol (oder Berlin im Februar) vorstellen. Sondern mit hübscher Vegetation. Farben. Und viiiiielen Sonnenstunden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s