Quantensprünge am Wochenende

Als der Achtjährige – das ist schon ein paar Monate her – zum ersten Mal alleine zum Bäcker ging. Wir hatten den Weg geübt, den sicheren. Er war schnell wieder da, er hatte die richtigen Brötchen gekauft, er war unendlich stolz.

Ein Morgen, an dem meine Kinder mich zwar weckten, aber nach ein paar Minuten Kuscheln in meinem Bett  gemeinsam zum Spielen loszogen. Der Achtjährige konnte schon die Heizung einschalten, es war also nicht so schlimm, dass der Vierjährige sich trotz meiner Ermahnungen weder einen Pullover noch Socken anzog. Ich jedenfalls schlief wieder ein, während ich lauschte, wie die beiden aushandelten, was und wie sie spielen wollten, friedlich. Was für ein köstliches Gefühl.

Als ich es wagte, die Kinder allein zu Hause zu lassen, während ich den Wochenendeinkauf erledigte  –  beim ersten Mal mit Horrorphantasien von Schraubenziehern in Steckdosen, Kletterpartien am offenen Fenster, Bastelarbeiten mit der großen scharfen Schere. Beim zweiten Mal mit Vertrauen, wie der Achtjährige mein Handy anrufen kann, hatten wir nochmal geübt; besprochen, zu welchen Nachbarn er im Notfall geht.

Dass der Vierjährige sich – plötzlich – zu einem ernstzunehmenden Gegner beim Memory mausert. Im Kopf nebenher an was anderes denken, mit Absicht danebengreifen? Besser nicht mehr, er gewinnt dann haushoch.

Das erste Wochenendfrühstück, das mein großer Sohn alleine vorbereitete, für mich nichts mehr zu tun als mir einen Kaffee zu machen. Seitdem darf ich mich fast jedes Wochenende einmal an einen gedeckten Frühstückstisch setzen, das ist wunderbar.

Ich sehe meine Kinder an, staunend, glücklich, wie sie größer werden. Vielleicht lernen sie sogar noch, sich abzuwechseln, wenn sie mir etwas erzählen. Und dann, irgendwann, setzt wahrscheinlich die Wehmut ein. In kleinen Portionen lege ich sie den Kisten schon bei, in denen ich die Sachen, aus denen auch der Vierjährige rausgewachsen ist, für irgendwelche potentiellen Babies – aber es werden nicht meine sein – einlagere.

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2 Gedanken zu „Quantensprünge am Wochenende

  1. Karen

    Punkt 2 erinnert mich an den Morgen, als sich die Kinder leise aus dem Schlafzimmer schlichen, und ich ihnen hinterherrief: „Zieht euch Hausschuhe an!“ Zwei Stunden später, als wir faulen Eltern auch aufstanden, trafen wir auf einen nackigen kleinen Herrn Maus. „Er wollte, dass ich ihm den Schlafanzug ausziehe und die Windel abmache“, erklärte das Fräulein Maus, „und eine neue Windel habe ich nicht an ihn rangekriegt.“ Hausschuhe hatte er allerdings an. 🙂

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