Friendship Drain

Der Kiez, in dem ich lebe, ist eine Durchgangsstation für junge Familien auf dem Weg ins Eigenheim. Schon die erste Freundin, die ich hier gefunden habe, die mit mir gemeinsam lange Kinderwagenspaziergänge machte – ich schob meinen ersten Sohn, sie ihre erste Tochter – verließ die Stadt kurze Zeit später Richtung Vorortsiedlung. Far, far away.

So ist es seither weitergegangen.

Vor ein paar Tagen habe ich wieder von zwei Familien erfahren, die wegziehen werden, beide aus dem Haus, in dem wir wohnen. Diesmal ist der beste Freund des Vierjährigen dabei. Er bleibt in der Kita und im Schuleinzugsgebiet, aber trotzdem: kein spontanes Klingeln mehr an der Tür, kein gemeinsames Spielen ohne großes vorheriges Verabreden. Keine gemeinsamen Abendessen, die sich einfach ergeben. Und die Patentante des Vierjährigen, die bisher nur ein paar Häuser von uns entfernt wohnt, wird Berlin ganz verlassen.

Die Freunde, die wir hier hatten; die Kinder, mit denen meine im Hinterhof spielen konnten – das waren die Gründe, aus denen ich gern hier lebt habe. Jetzt – während ich wegen denen traurig bin, die in diesem Jahr fortgehen werden – fühle ich mich so, als ob mich nur noch das Wechselmodell hier festhält. Zwischen denen, die es nicht hinkriegen mit dem eigenen Haus, denen ohne Arbeit, den Alleinerziehenden; den wenigen Alteingesessenen, die hier in Ruhe altern; den immer neuen jungen Familien mit ihren großen Plänen.

Ja, ich bin traurig. Und das wird kein bisschen besser, wenn die Mutter des besten Freundes meines Vierjährigen mir anvertraut, dass ich eigentlich gar keine Lust hat, wegzuziehen. Erzähl mir lieber, dass du dich auf dein Häuschen freust, möchte ich ihr sagen. Vielleicht freue ich mich dann sogar mit, für dich. Oder bleib halt einfach hier.

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4 Gedanken zu „Friendship Drain

  1. meineschreibblockadeundich

    Oh wie schade! Ich kann so gut nachvollziehen, dass du traurig bist! (Wobei eine Landpflanze wie ich auch den Traum von Eigenheim und Grün nachvollziehen kann …)

    Liebe Grüße und Kopf hoch!
    Marie

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    1. Greta Autor

      Danke… Nicht dass ich nicht auch irgendwie gern ein Häuschen und einen Garten hätte – aber mein Gefühl, irgendwohinzugehören, hängt doch am meisten an den Menschen um mich rum… Hab Dich grad mit auf meine überarbeitete Blogroll gesetzt! Liebe Grüße Greta

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  2. meineschreibblockadeundich

    VIelen Dank für die Aufnahme in deine Blogroll! Das mit dem Zugehörigkeitsgefühl geht mir wie dir – das hängt von Menschen ab, längst nicht so stark von Orten.

    Herzlichst
    Marie

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  3. Susanne Haun

    Als Berlinerin kann ich mir deine Situation sehr gut vorstellen. Mein Sohn wird dieses Jahr 19 und vor 17 Jahren, im Kinderladen, war es genauso. Die Eltern sind mit ihren Kindern in alle Richtungen Berlins ausgeschwärmt. Ich und mein Sohn haben eine Wohnung in Reinickendorf, Heiligensee, dort, wo die Familien hinziehen. Die Wohnung ist sehr klein, weil in den Randbezirken sind die Mieten auch höher, aber wir leben gerne hier. Nun ist es schon soweit, dass mein Sohn im Sommer zum Studieren ausziehen wird.
    Geniesse die Zeit mit deinen Jungs, sie ist schnell vorbei. Aber ich freue mich auch wieder auf meine Freiheit!
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

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