Häusliche Krankenpflege

Die Grippewelle ist eigentlich schon vorbeigeschwappt, ihre letzten Spritzer haben wir leider noch abbekommen. Jedenfalls mein Achtjähriger – und sein Vater, nachdem er ihn fünf Tage lang gepflegt hat. Dann habe ich übernommen, Wechselmodell eben.

Ich bin ziemlich froh darüber, dass der Achtjährige inzwischen groß genug ist, um auch mal allein bleiben zu können, wenn ich den Vierjährigen in die Kita bringe oder einkaufen gehe. Ich bin auch ziemlich froh darüber, dass meine Nachbarin noch nicht in ihr Häuschen gezogen ist und den Vierjährigen zusammen mit ihrem kleinen Sohn aus der Kita abholt. Und noch ein Stündchen bei sich spielen lässt. Und am nächsten Morgen wieder mit zur Kita nimmt. Ich bin froh über die – das haben wir noch nie erlebt – leere Kinderarztpraxis und darüber, dass es Antibiotika gibt (wäre einer von uns sonst hier?), wenn die Grippe am Ende doch noch ein bisschen mehr als eine Grippe ist und darüber, dass die Apotheke die Medikamente sogar zu uns nach Hause liefert.

Ich kann mich um meinen Sohn kümmern – inhalieren und Fieber messen und Tee kochen und vorlesen und seine halb aufgegessenen Zwiebäcke wegwerfen und seine vollgeschnieften Taschentücher einsammeln, wenn er zu matt für Zielübungen auf den Papierkorb ist. Und wenn das Fiebermittel wirkt und es ihm besser geht oder wenn er ein wenig schläft, dann schleiche ich mich davon und arbeite ein bisschen. Abends nochmal, wenn die Kinder eingeschlafen sind. Ob ich dann nur schnell das Allernötigste erledige oder weitermache, bis ich vom Stuhl falle (falls das nicht dasselbe ist), muss ich selbst entscheiden.

Das ist garnicht so einfach. Dann und wann von zu Hause aus arbeiten zu können, ist im Rahmen meines nicht selbständigen Arbeitsverhältnisses eine Möglichkeit, die ich gerne nutze, um die Unabsehbarkeiten meines Familienlebens mit meiner Arbeit zu vereinbaren; die mich aber gleichzeitig unter Druck setzt: allein dadurch, dass es sie gibt und es deswegen zu meiner eigenen Entscheidung wird, wo ich die Grenze zwischen meiner Arbeit und meinem Privatleben ziehe. (Da ist es wieder: mein gelegentliches Unbehagen angesichts der Flexibilisierung von Arbeit, das ich in meinem letzten Artikel an dem Radiobeitrag über die 24-Stunden-Kita festgemacht habe – das aber, wie Karens Kommentar ganz richtig klarstellt, aus einer ganz anderen Situation stammt als derjenigen, in der Eltern sind, für die genau diese Kita vielleicht den entscheidenden Unterschied zwischen „eine Stelle annehmen/behalten und das Familienleben darum herum organisieren können“ und „eine Stelle nicht annehmen/behalten können“ macht.)

Am Nachmittag habe ich jedenfalls entschieden, dass ich jetzt Wochenende habe, richtiges, arbeitsfreies. Da die Freunde, die uns besuchen und aufheitern wollten, uns krankheitsbedingt abgesagt haben, werden wir es in Quarantäne verbringen. Die Vorräte – Taschentücher, Fiebersaft, Hustensaft, Inhalierlösung, Salzstangen, Zwieback und Kartoffeln – sind aufgestockt; der Apothekenbote, der das Antibiotikum bringt, ist der letzte, dem wir die Tür öffnen. Bis auf weiteres.

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11 Gedanken zu „Häusliche Krankenpflege

  1. Susanne Haun

    Guten Morgen, Greta, ich wünsche euch auch gute Besserung.
    Meine Freundin will gerade wieder von der Heimarbeit loskommen, sie schleppt, wie du auch schreibst, die Arbeit gedanklich durch den ganzen Tag und wenn ihr beiden Söhne schlafen, dann geht sie an ihren Schreibtisch und arbeitet….
    Sie denkt, es ist leichter, wenn sie räumlich die Arbeit im Büro erledigt. Trotz weiter Anfahrt.
    Einen schönen Sonntag dir und den deinen wünscht Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, danke für die Genesungswünsche, es wird wieder… Kann ich gut verstehen, dass Deine Freundin lieber einen weiten Weg ins Büro fährt, als zu Hause eine unklare Trennung zwischen Arbeit und Privatem zu haben. (Wie ist das bei Dir? Stelle mir vor – aber vielleicht stimmt das auch garnicht – dass es bei einer künstlerischen Arbeit vielleicht anders ist… Weil sie nicht fremdbestimmt ist, sondern mehr ein Teil von Dir?)
      Liebe Grüße von Greta

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      1. Susanne Haun

        Liebe Greta,
        die Trennung ist fliessender, das stimmt. Aber da mein zuhause und mein Atelier getrennt sind, gibt es schon so etwas wie einen Arbeitsbereich. Ich zeichne jedoch zuhause genause und da ich im Atelier keine Internet habe, erledige ich auch den Bürokram für meine Kunst zuhause.
        Und natürlich ist die Kunst ein Teil von mir. Aber es gehört ja mehr dazu als nur die Kunst machen, es ist ja auch eine selbständige Tätigkeit bei der man alles was eben Selbständige tun auch machen muss, von der Buchhaltung, über Vermarktung über Steuer…..
        Liebe Grüße von Susanne

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      2. Greta Autor

        Liebe Susanne, auch wenn die Antwort spät kommt: danke für Deine Antwort auf meine Frage! Ach ja, die eher unangenehmen Seiten der Selbständigkeit – die man von außen gerne vergisst, wenn man sich ein „Künstlerleben“ vorstellt… Ich habe mit viel Interesse gelesen, dass Du in Deinem Atelier ausstellen wirst – und werde sehr gerne da mal hinkommen! Liebe Grüße von Greta

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      3. Susanne Haun

        Liebe Greta, ich freue mich, wenn du zur Ausstellung am 18. Mai kommst. Es wird bestimmt eine schöne Veranstaltung. Nach Anmeldung (ich bin ja viel unterwegs) kannst du auch so zum Schauen kommen….
        Bei einer Ausstellungseröffnung ist es ganz sicher aufgeräumter 🙂 🙂 🙂
        Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

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      4. Greta Autor

        Meine Pläne an Pfingsten stehen noch nicht fest, aber der 18. steht jedenfalls im Kalender… Obwohl es bestimmt auch spannend wäre, den nicht so aufgeräumten Zustand zu sehen 😉

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  2. Karen

    Ich versteh‘ das mit dem Druck sehr, sehr gut… konnte ich doch selbst die Babyzeit zu Hause erst mit dem dritten Kind so richtig geniessen, weil mch da zum ersten Mal kein schlechtes Gewissen wegen „Wenn das Kind schläft, müsstest du schnell nochmal das Paper umformulieren / die Daten neu auswerten / einen Antrag schreiben…“ plagte.

    Ich hoffe, ihr seid alle wieder gesund!!!

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    1. Greta Autor

      Danke – es wird wieder! Gestern war mein großer Sohn schon wieder fieberfrei und übermütig. Und um seine restliche Genesung kümmert sich – darüber freut sich mein Chef mehr als ich – jetzt wieder sein Papa. Ja, dem gehts auch besser…

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