Mittwochnachmittag

Alle wieder gesund! Den Heimweg von der Schule unterbrechen wir am Spielplatz, die Bank, auf der ich mich zwischen meiner Tasche – in der tief unten unter meinem Buch und meinem Schal und dem Öl für die Fahrradkette und der neuen Waschmittelpackung und einem Paar schmutziger Socken (was tun die eigentlich da?) und sonstigen wochentagsabhängigen Kleinigkeiten jetzt meistens auch ein paar Schippen und Sandförmchen stecken – und dem Ranzen des Achtjährigen und dem Rucksack des Vierjährigen niederlasse, steht in der Sonne: zwischen blühenden Forsythienzweigen und dem Stamm eines schon beinahe blühenden Ahorns.

Der Spielplatz ist voll. Manche Familie, die wir hier getroffen haben, ist inzwischen ins Vorstadthäuschen abgewandert, neue Mamis und Papis kommen nach. Unter dicken Wintermänteln sind Babybäuche gewachsen, die jetzt plötzlich sichtbar werden; ein neuer Jahrgang Säuglinge wird aus Buggys und Manducas gehoben und im Sand ausgesetzt. Büromüde Väter kommen dazu, das Handy nach dem letzten dienstlichen Telefonat noch in der Hand, und betrachten liebevoll ihre im Sand krabbelnden Sprösslinge. Größere Kinder fahren stolze Kreise auf nagelneuen Fahrrädern. Während die Mamas Tupperdosen mit Möhrenscheibchen vorholen, packen die Papas Fußbälle aus, sitzen zu zwein in der Sonne oder halten die flinken Bewegungen ihrer Kinder mit dem Fotoapparat fest. Die Mütter auf der Bank diskutieren derweil die Vor- und Nachteile einer Ausbildung zur Waldorferzieherin.

Meine Kinder rutschen an der Kletterstange runter, verschwinden lachend in den Büschen. Der Achtjährige klettert auf den Bäumen herum und versteckt einen Schatz in einem Astloch. Während sein kleiner Bruder meine Hilfe beim Schweinebaumeln an der Turnstange braucht, kocht er in seiner geheimen Küche Kräutersuppe; später spielt er mit einem Freund mit dem Fußball, den einer der stolzen Papas eigentlich für seinen Zweijährigen mitgebracht hat.

Wir werden hungrig und plündern die Reste aus den Vestperdosen, wir gehen viel zu spät nach Hause. Die Straßen sind immernoch sonnig und warm, in den Vorgärten blühen die Kirschbäume, der Wind hat weiße Blütenblätter bis auf unseren Weg geweht.

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6 Gedanken zu „Mittwochnachmittag

  1. wildganss

    So schön kann es mit Kindern in der Stadt sein!?
    Was sind Manducas- hört sich an wie eine neue Affenart bei Gibraltar…
    Sich kloppen, Sand werfen, Gekreisch- kommt das nicht vor?
    Liebe Ruckelmuckelfamilchen…

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    1. Greta Autor

      Manducas sind die trendigen Babytragen. Hieß früher Babybjörn und war damals noch nicht so ausgereift… Tja, die Mamis und Papis passen schon auf, dass da nicht zu viel gekloppt und mit Sand geschmissen wird. Weil es bei den anderen Eltern einen schlechten Eindruck hinterlassen würde, wenn man den eigenen Kindern sowas durchgehen lässt… Liebe Grüße und schön, dass Du zurück bist! Greta

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  2. MeinWald

    Zwar schon eine Weile her, dass du’s geschrieben hast, aber diese von dir beschriebene Spielplatzidylle weckt fast Nostalgie in mir. Ich sass auch schon dort, vor -zig Jahren, in Berlin, mein Gott und heute ist die die da im Bauch wuchs fast zwanzig 😀
    Danke…

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