Öffentliche Grünanlagen (II)

Heute musste dringend die Wikkingerschachsaison eröffnet werden. In einem Park mitten in Berlin, wo die Stadt im Mai so schön ist, dass ich jedes Jahr aufs Neue auf einmal wieder weiß, warum ich gerne hier lebe.  

Auf dem Rücken unter einem Baum mit frischen hellgrünen Blättern liegen und in den blauen Himmel schauen, das ist schön. Auf der riesigen Wiese liegen überall Leute, einzelne, Paare. Die Familien lagern am Rand des Spielplatzes. Die Kinder hier heißen Zora und Frieda, sie sind mit dem Fahrrad gekommen, spielen mit ihren Papas auf der Wiese Ball. Auf dem Klettergerüst und im Buddelkasten sind auch hier viele Sprachen zu hören, aber über die Erziehungsgrundsätze scheinen alle Eltern sich abgesprochen zu haben. Es ist friedlich.

Als wir picknicken wollen, muss ich den Vierjährigen erst mal säubern, fünf Meter auf nackten Füßen über die Wiese haben gereicht, um in einen Hundehaufen zu treten. Ein glücklicher Zufall, dass eine alte Packung Feuchttücher in meinem Rucksack steckt. Als wir beim Essen sind, steht plötzlich ein Hund mitten auf der Picknickdecke; mit verkniffenem Gesicht schnüffelt er an der Auberginencreme herum, zum Glück nur an der, die schmeckt uns sowieso nicht.

Zwei Frauen patrouillieren in schicken blauen Ordnungsamtsuniformen vorbei, lassen aber nicht erkennen, ob sie es auf Hunde ohne Leine, unerlaubtes Grillen oder irgendwelche anderen Parksünden abgesehen haben. Vielleicht gehen sie auch nur spazieren, sie sehen nicht aus, als ob sie Lust hätten, sich mit irgendwem anzulegen.

Die Wikkingerschachfiguren fallen mit diesem befriedigenden Klacken von Holz gegen Holz um, wegen dem ich ein kleines bisschen süchtig nach diesem Spiel bin. Mein Achtjähriger und ich strahlen uns an, wir spielen gegen seinen Freund und seine Mutter, am Ende steht es eins zu eins, die großen Jungs trollen sich mit dem Fußball, der Vierjährige baut aus den Holzklötzchen einen Getränkeautomaten.

Das Wetter hält – kein Wunder, ich habe ja auch die obligatorische überflüssige Fleecejacke für jeden von uns dabei. Am Parkausgang finden wir sogar ein Toilettenhäuschen, ohne Klopapier, dafür aber mit klassischer Musik. Später am Nachmittag wird der Park voll. Bierkästen werden herbeigetragen, Grillkohlen angefacht, Sonnensegel gespannt. Die Ordnungsamtsfrauen haben schon lange Feierabend.

In der Ferne beginnen Leute zu trommeln, ein paar andere tanzen dazu. Pfingsten ist in Berlin der Karneval der Kulturen, vielleicht werden die, die da heute tanzen, dann auf einem der bunten Wagen stehen. Wir Mütter lümmeln auf der Decke und schauen zu. Der Milchkaffe aus der Packung schmeckt  genau so labberig und süß, wie Milchkaffe aus der Packung in einem Park im Mai schmecken muss, um den Tag perfekt zu machen.

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2 Gedanken zu „Öffentliche Grünanlagen (II)

    1. Greta Autor

      Zwei Reihen Bauklötzchen, dazwischen mehrere Meter Abstand. In der Mitte dieses Feldes ein „König“ = größeres Klötzchen. Und dann versuchen zwei Mannschaften, die Klötzchen der jeweils anderen Mannschaft über das Spielfeld hinweg mit Holzstäben umzuschießen. Können zwei bis zwölf Leute spielen, und es macht einfach nur Spaß. Auch wenn man Rotwein getrunken hat und es schon dämmert. Dann geht es eigentlich sogar am besten… Liebe Grüße! Greta

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