Eine Zahnbürste wegwerfen

Ist nicht so dass ich es nicht hätte kommen sehen, lang schon.

Ist nicht so, dass ich mit dem Wissen nicht hätte leben können.

Und doch: Nach dem schönen Wochenende im Oderbruch hätte es noch etwas länger dauern können – dachte ich – bis der Inselmann sich auf sein knallrotes Motorrad schwingt und in den Sonnenuntergang davonbraust. Dorthin, wo Himmel und Erde zusammenstoßen oder noch ein Stück weiter; irgendwohin, wo nicht die Gefahr besteht, dass die Grenze zwischen Nicht-Einlassen und Einlassen sich durch puren Zeitablauf an einem vorbeischiebt.

Eine Zahnbürste wegzuwerfen ist leicht; eine schöne, trotzige Geste. Alles andere behalte ich lieber. Musik und Fotos. Buchentdeckungen. Ein kleines Spielzeug aus lauter bunten Holzklötzchen.

Dann gehe ich zur professionellen Zahnreinigung. Ich liege im Stuhl, die professionelle Zahnreinigerin poliert meine Zähne mit etwas Scheußlichem (schmeckt nach Apfel, sagt sie, aber ich finde, dass es schmeckt wie etwas, das besser im Sandkasten geblieben wäre) und im Radio dudelt Juli. „Ja ich weiß, es war ne geile Zeit…“ Na toll.

Und was mache ich jetzt?

Eine Weile schlechte Laune haben und dann eine neue Affaire anfangen? (Schon wieder?)

Aufgeben, das Wort „Mann“ bis zur Volljährigkeit meiner Kinder aus meinem Wortschatz streichen und alle mit Lobeshymnen auf das Alleinsein nerven? Mich von schönen Erinnerungen und zwangsplatonischen Gefühlen ernähren?

Meine ganz große Schwester schwärmt mir am Telefon von einer christlichen Partnervermittlung im Internet vor – beim letzten Mal wollte sie mich noch gegen meinen Willen bei Parship anmelden – die gerade zu einer Heirat in ihrem Bekanntenkreis geführt hat.

Und wer weiß, vielleicht gibt es dort ja wirklich Männer, die bei dem Wort „Kinder“ keinen Schreck kriegen und vielleicht sogar schon mal eins aus der Nähe gesehen haben. Aber können diese Männer mit meiner anderen Seite etwas anfangen, der Seite, die den Alltag vergessen und – ab und zu – etwas anderes als eine alleinerziehende Mutter sein möchte? Der Seite, der der Inselmann gutgetan hat?

Erst mal muss ich jedenfalls meine Zahnbürste trösten gehen; die heult, so alleine in ihrem Becher.

 

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13 Gedanken zu „Eine Zahnbürste wegwerfen

      1. Karen

        Die Technik ist nicht oberschlau, sondern oberdoof. Mir bietet Google seit Wochen gläubige finnische Polizisten als Mann fürs Leben an. Dabei hab‘ ich den ja schon. (Also hoffe ich…)

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  1. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    bestimmt kommt irgendwann eine richtig tolle, rote polierte Zahnbürste neben deiner in den Becher. Und die bleibt dann bestimmt auch länger….
    Einen schönen Montag Abend sendet dir Susanne

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    1. Greta Autor

      Danke für den lieben Wunsch! 😉
      gmx arbeitet schon dran und schickt mir gleich mal eine Werbung für drei Tage kostenlos bei irgendsoeiner Internetbörse. Ich kann das nicht leiden, wenn irgendwelche oberschlauen Programme versuchen, sich einzumischen und einem möglichst passende Werbung unterzujubeln…
      Ganz liebe Grüße! Greta

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      1. Susanne Haun

        Liebe Greta,
        eine Mail habe ich eben, am 10.6. um 21:00 zu dir gesendet.
        Ich bin gespannt, ob sie dich jetzt erreicht.
        Es ist unglaublich, wie schnell die Technik sich da einmischt. Ich bin verblüfft.
        Einen schönen Abend dir von Susanne

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  2. MeinWald

    Was du da so locker und fast lustig schreibst ist bestimmt im Alltag manchmal schwer zu leben. Selbst wenn das Alleinesein auch viele schöne Seiten hat( besonders, wenn man in einer Beziehung lebt und manchmal gern alleine wäre^^)
    Ich wünsche Dir, dass die schmerzende Zeit des Abschiednehmens vorbeigeht und Du wieder offen sein kannst für neue Begegnungen. Und dass da irgendwo jemand ist, für Dich, der beiden Seiten Raum gibt: der Mutter und der Frau!
    Liebe Grüsse.

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