Campingabenteuer

Die letzten Schultage! Die Zeugnisausgabe steht bevor – das Fußballturnier – und natürlich die Schulübernachtung. Das wichtigste Thema in der Klasse des Achtjährigen ist in diesen Tagen, wen der Junge, mit dem alle befreundet sein wollen, auserwählen wird; welcher von den anderen Jungs mit ihm in seiner Strandmuschel schlafen darf. Denn aus irgendeinem seltsamen Grund gehören Strandmuscheln und komplizierte wer-mit-wem-Verhandlungen zur alljährlichen Schulübernachtung dazu. Seufz.

Damit auch der Achtjährige ein anderes Kind in seine Strandmuschel einladen kann, besorge ich schnell noch eine. Nicht so ein altmodisches Modell mit Stangen und Schlaufen, sondern eine state-of-the-art Wurf-Strandmuschel… was bedeutet, dass sie sich selbst aufbaut. Und natürlich müssen wir die gleich ausprobieren. Der Achtjährige geht mit der kreisrunden Tasche schon mal in den Hinterhof, und als ich wenige Minuten später mit dem Vierjährigen nachkomme, hat sich das schöne blaue halbe Zelt wie erwartet bereits entfaltet, direkt oben auf der kleinen Ligusterhecke hinter der Tür. Dort, wo der Achtjährige die Tasche geöffnet hat. So weit, so gut.

Nachdem wir die Strandmuschel eine Weile bewundert und eine Weile als Fußballtor benutzt haben, beschließe ich, dass jetzt der schwierigere Teil ausprobiert werden muss. Für den gibt es sogar eine kleine Gebrauchsanweisung. Stellen Sie die Strandmuschel auf den Kopf (auf meinen?), die Öffnung muss dabei nach vorne zeigen (wo ist jetzt bitte vorne?). Greifen sie mit der linken Hand das Gestänge auf beiden Seiten und stellen sie die Strandmuschel parallel vor sich auf (parallel wozu?). Greifen Sie mit der rechten Hand das Gestänge vorne und drücken Sie mit aller Kraft nach unten innen (was meinen die mit innen?). Es bilden sich drei Kreise. (Bei mir sind es nur zwei. Höchstens!)

Und dann steht das Ding plötzlich wieder völlig aufgeklappt da.

Eine Nachbarin grinst vom Balkon runter. Zum Glück ist ein polytechnisch begabter Vater im Hof. Vier Hände reichen aus, um das Rätsel der drei Kreise zu lösen und das neue Möbel wieder in seiner Tasche unterzubringen. Puuuuh.

Aber das ist noch nicht das Ende unserer Campingabenteuer. Denn in der Wohnung oben habe ich ja schon den Schlafsack und die Luftmatratze des Achtjährigen bereitgelegt. Wo ist denn mein Schlafsack? will der Vierjährige sofort wissen. Ich will den rausholen! Darf ich heute da drin schlafen? Ok. Soll er. Ich will ja sowieso irgendwann mal mit den Kindern zelten. Daraufhin rollt auch der Achtjährige seinen Schlafsack aus und pustet als nächstes – wenn schon, denn schon – seine Luftmatratze auf; eine von kleinen, leichten, handlichen, die ich mir und meinen Kindern schon mal zu Weihnachten geschenkt habe. Wegen meiner Campingpläne. Natürlich muss jetzt auch der Vierjährige auf einer Luftmatratze schlafen. Beim Aufblasen stellen wir fest, dass die Ventile an seiner Matte ein seltsames Eigenleben führen und sich immer wieder von selber öffnen.

Im Grunde war es dann wohl eine gute Idee, das alles schon mal zu Hause auszuprobieren.

Und nachdem wir beim Händewaschen entdeckt haben, dass der Wasserhahn am Waschbecken im Bad plötzlich lose ist – Können Wasserhähne abbrechen? Sind die denn nur auf das Waschbecken aufgeklebt? Wer war das??? Und wie soll ich das jemals wieder reparieren? – schockiert mich heute sowieso nichts mehr. Noch nicht mal die durchgerostete Schraube, die wir dann am Abend irgendwo im Bad finden.

Naja. Auch unzureichende sanitäre Anlagen gehören zum Camping irgendwie dazu. Passt also ganz gut heute.

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10 Gedanken zu „Campingabenteuer

  1. meineschreibblockadeundich

    „Greifen sie mit der linken Hand das Gestänge auf beiden Seiten …“
    Ich habe jetzt gerade eine Strandmuschel vor Augen und versuche mir vorzustellen, was für Hände es braucht, um mit EINER … Also wirklich! Liest sich auf jeden Fall, als sei das ein interessanter Abend gewesen.
    Und dass bei euch Mitte Juni schon die Sommerferien vor der Tür stehen, verwundert mich alle Jahre wieder.

    Herzlichst
    Marie

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    1. Greta Autor

      Es soll Leute geben, die aus Berlin extra in andere Bundesländer umziehen, um einmal 12 Wochen Ferien am Stück zu haben…
      Morgen früh muss ich mein Geschick im Strandmuschelzusammenklappen dann in einem mit ca. 8 Zelten und ca. 97 Kindern gefüllten Raum in der Schule beweisen… Liebe Grüße Greta

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  2. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    derartige Anleitungen treiben mich auch immer wieder in den Wahnsinn…..
    Es macht euch bestimmt Spaß, zu campen. Es gibt dann so viel zu entdecken.
    Aber wehe es beginnt zu regnen 🙂 Ich wünsche euch viel gutes Wetter 🙂
    LG Susanne

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    1. Greta Autor

      Ja mal sehen, ob es diesen Sommer was wird mit dem Zelten. Es gibt ja hoffentlich noch viele Wochen lang schönes Wetter, wenn wir von der Kur zurückkommen. Liebe Grüße! Greta

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    1. Greta Autor

      Morgen muss es schon gelingen, in der Schule, wo dann alle gleichzeitig ihre Zelte und sonstigen Siebensachen zusammenfalten… (Aber sind ja auch wieder jede Menge geschickte Väter in der Nähe…) Ein liebes Grüßle zurück! Greta

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  3. cloudette

    hihihi, wir haben auch so eine „schwuppdiwupp“-Sandmuschel. Beim ersten Mal Zusammenfalten hingen 3 Leute über der Anleitung – während ich das bösartig gefilmt habe, die hatten sich schließlich mit einem energischen „na, das kann ja nicht so schwer sein“ vorgedrängelt. Wars aber 😉

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    1. Greta Autor

      uiii – der Film ist bestimmt nett. Ich war ganz schön erleichtert, als ich in die Schule kam und irgendein barmherziges Elternteil unsere Strandmuschel schon zusammengefaltet hatte…

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