Echte Freundschaft

Von einer Kur heimkommen ist unter den besten Bedingungen schon nichts Schönes. Glaube ich.

Die Bedingungen in meiner Wohnung waren nur die zweitbesten. Die Freundin, die einige Tage vor unserer Rückkehr anreiste, musste feststellen, dass die Küche von einer Bande Lebensmittelmotten übernommen worden war. Oh weh. Oh Schande! In-Grund-und-Boden-Schäm!

Schuld war eine Tüte gehackter Mandeln.

Und meine Hoffnung, dass es ausreichen würde, alle Lebensmittel entweder zu entsorgen oder in den Kühlschrank umzulagern.

Nein, es hat nicht ausgereicht. Und drei Wochen ohne Störungen waren lang genug für die Motten, um es sich so richtig gemütlich zu machen. Zum Beispiel in den Topfuntersetzern aus Kork, die hinter Glas im Schrank stehen. Meine Freundin putzt den Schrank, ich schmeiße die Untersetzer weg, wir spülen das Geschirr. Problem erledigt, oder?

Nur noch mal schnell die Besteckschublade ausräumen, nur auf Verdacht. Grrrrr.

Und dann sicherheitshalber den Schrank unter der Besteckschublade. Bäh.

Und dann gibt es da ja noch diese Ritze zwischen Kühlschrank und Küchenschrank. Ja genau: Die, in der so gerne Brotkrümel und Reiskörner und verschüttetes Kaffeepulver und andere essbare Kleinigkeiten verlorengehen. Wenn es hier Motten gibt, dann sollte man wohl…

Wir schieben den Kühlschrank von der Wand ab (Bräääähx), wir schrauben den aus undurchsichtigen Gründen sicher an der Wand verankerten Küchenschrank los (Buuuugriiiiiiiieh), wir rücken den Backofen beiseite (Schluckxebääääh). Während mein Arm bis zur Schulter im klebrigen Spalt zwischen Backofen und Wand steckt und ich irgendetwas Weiches wegzuputzen versuche, von dem ich mir lieber nicht vorstellen mag, was es sein könnte, weiß ich, dass ich nach diesem Tag für immer tief in der Schuld meiner Freundin stehen werde, die mit frischem heißen Wasser und ermutigenden Bemerkungen hinter mir steht und mir das Spülmittel zureicht. Das größte Stück Kuchen, das mit der Kirsche? Geschenkt. Ein falsches Alibi? Eine Leiche entsorgen? Hier bin ich. Hinter ihrem Kühlschrank putzen? Sogar das. Jederzeit.

Schließlich hat sie gesehen, wie es hinter meinem aussah. Und bleibt anscheinend trotzdem meine Freundin.

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4 Gedanken zu „Echte Freundschaft

  1. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    puh, das hört sich wirklich eckelig an! Da habt ihr beiden ja ganz schön was geschafft. Ich erinnere mich, ich hatte auch mal Motten. Bei mir waren es auch Mandeln. Die scheinen sie sehr zu mögen.
    Seit dieser mittleren Katastrophe beware ich alles in verschlossenen Gläsern oder Plastikdosen auf. Und jedes mal, wenn ich so ein Glas öffne, sehe ich die Katastrophe vor mir und freue mich, dass die Motten nun in den Gläsern bleiben… meistens bringt man die Motten ja schon beim Einkaufen in den Lebensmitteln mit.
    Ich habe dir gestern noch eine Mail mit den Links, von denen wir sprachen, gesendet….
    Einen schönen Montag wünscht dir Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, ja, das Putzen ist schrecklich gewesen. Hoffentlich ist es überstanden… sonst muss ich am Ende umziehen. Danke für die Links! Ich fange auch schon an, von Postkarten zu träumen… Ganz liebe Grüße von Greta

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  2. Bärbel Klässner

    Hallo aus dem Wetsen, bei mir war es eine Tüte getrocknete Aprikosen… Ist schon Jahre her und es war auch so, wir waren weggefahren und als wir zurückkamen, hatten die Motten die Wohnung übernommen. Liebes Greta, da hast du aber so dolle lobgehudelt, wie ich das nie hinkriege, NEID, NEID… Und falls ich ein Alibi brauche oder eine Leiche entsorgen muss, darf das dann weitergeleitet werden, so tauschkreisartig? Kühlschrank putzen mach ich selber, aber bei den Alibis … viele Grüße vom B. aus E.

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