Gesehen, gelesen, gehört… im Juli

„Flüge weltweit ab € 29,-“ steht auf meiner neuesten Sommer-Reiselust-Postkarte. Über einem Foto von zwei Reisigbesen. – Ja: Nehmt mich mit!

Beim Aufräumen im Bücherregal bin ich auf ein Buch gestoßen, das ich dort irgendwann mal „für später“ abgelegt hatte. „Hexen, Hobbits und Piraten“ von Susanne Gaschke ist eine Sammlung von Vorlese- und Leseempfehlungen für Kinder und bis ins Jugendalter. Und weil mein Vierjähriger jetzt doch allmählich „Astrid-Lindgren-fähig“ ist und ich die ewigen Baustellenbücher ziemlich satt habe, bin ich gern auf Entdeckungsreise gegangen. Die Autorin verzichtet ganz explizit auf jeden Vollständigkeitsanspruch und stellt ins Zentrum ihrer Empfehlungen ihre eigenen Kindheitsleseerfahrungen aus den 70er Jahren – so dass ihre Leselisten eher nicht eins zu eins abzuarbeiten sind. Unser Versuch mit Mary Poppins ist auch gleich mal kläglich gescheitert, das fanden meine Söhne ziemlich langweilig. Trotzdem habe ich die eine oder andere Anregung mitgenommen. Und mir fest vorgenommmen, mehr vorzulesen. Richtige Bücher. Ohne Baufahrzeuge.

Wieder was gelernt: Es gibt Online-Druckereien, bei denen man Postkarten in Auftrag geben kann. Wow! Susannes Postkarten sind wunderschön. Ganz besonders die Amsel und die Himbeerblüte – die bekommen einen Ehrenplatz hier auf meinem Schreibtisch.

Die Bücher, die ich an der See gelesen habe, bilden zusammen einen ganz ordentlichen Stapel.

Anthony McCarten ist zu Recht vor allem für sein Buch „Superhero“ berühmt, dieser zutiefst nahegehenden Geschichte eines krebskranken Jungen, der die Liebe noch entdeckt und ganz nebenbei – während sein eigenes Sterben voranschreitet – einen anderen Menschen (seinen Therapeuten? Ist ein Weilchen her, seit ich das Buch gelesen habe…) ins Leben zurückholt. Ansonsten hat der Autor ein Händchen für skurile Settings. Eine Mehrfachehe in London. Ein Wettbewerb, bei dem derjenige das Auto gewinnt, der am längsten ununterbrochen seine Hand daraufhält. Das Buch, das mir noch fehlte, ist „Liebe am Ende der Welt“. Dort gibt es drei Mädchen, die zeitgleich behaupten, von Außerirdischen schwanger zu sein. Aus dieser Situation – wie aus allen anderen – strickt der Autor spannende Geschichten und füllt seine Bücher mit fehlbaren Menschen, die man mag, weil er sie mit Wärme und Augenzwinkern beschreibt. Schön.

Besonders gefreut habe ich mich, dass von meiner liebste Lieblingskrimiautorin Fred Vargas in diesem Sommer wieder ein neues Taschenbuch in den Läden liegt. „Die Nacht des Zorns“ nimmt eine alte Legende auf, die jemand nutzt, um einige Morde zu begehen. Aber gelesen habe ich das Buch natürlich vor allem wegen Jean-Baptiste Adamsberg, ihrem großartigen Kommissar.

Als eines der weniger guten Bücher von Hakan Nesser wurde mir „Die Einsamen“ beschrieben. Aber da ich genügend Zeit hatte, mich auf die ausführlichen Erzählungen aus dem Leben der Menschen einzulassen, aus deren Freundeskreis einer an genau der Stelle zu Tode stürzt, an der 35 Jahre früher schon seine Lebensgefährtin zu Tode kam, hat mir auch dieses Buch gefallen. Und auch wenn die  Ermittlungshandlung sich zwischen den vielen Rückblenden tatsächlich ein wenig im Kreis dreht: Meine Sympathie für Gunnar Barbarotti und Eva Backman wächst mit jedem Buch, in dem die beiden mir begegnen.

Jojo Moyes´ Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ wird blogauf, blogab gepriesen. Und dann landete es in der Kurmitte als Geschenk auf meinem Bücherstapel, gerade als ich ein Wohlfühlbuch dringend brauchte, um die ersten Gedanken daran zu vertreiben, dass ich mich nicht endlos an der See vor meinem Alltag verstecken kann. Ja, ich kann mich dem Lob nur anschließen: Ein schweres Thema – darf man als nach einem Unfall gelähmter Mensch entscheiden, sein Leben zu beenden? Sogar angesichts eines Menschen, den man zu lieben beginnt? – Und trotzdem ein Lesevergnügen, das aufbaut und nicht deprimiert.

Und dann hatte die perfekte Mutter mitbekommen, dass ich mich für Krimis interessiere, und stand plötzlich mit „Rauhnacht“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr vor meiner Tür. Das schenke ich Dir! War eh nur ein Mängelexemplar! Eigentlich hätte ich sie gerne darauf hingewiesen, dass auch ich mit der Bahn abreisen musste und kein zusätzliches Gepäck gebrauchen konnte. Aber so schlagfertig bin ich meistens nicht. Und dann habe ich doch mal reingelesen. Ob das, was ich als leicht hausbacken und bedaubig wahrgenommen habe, nun die spezielle Allgäu-Atmosphäre war, die die Kluftinger-Krimis zu Bestsellern macht? Warum ich das Buch ausgelesen habe, war auch hier wieder der Kommissar. Der schon mal am Frühstücksbuffet ein Brötchen aushöhlt und mit Marmelade füllt, weil er nicht weiß, wie er die sonst transportieren soll. Und der das, was er da herausgehöhlt hat, mal eben im nächsten Warmhaltebehälter entsorgt. Und sich auch sonst nicht immer so recht zu benehmen weiß. Das menschelt richtig schön.

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4 Gedanken zu „Gesehen, gelesen, gehört… im Juli

  1. Susanne Haun

    Liebe Greta, ich freue mich, dass meine Postkarten einen Ehrenplatz bei dir erhalten haben.
    Deine Bücherliste ist beeindruckend und einige der Bücher und Autoren habe ich auch schon gelesen.
    Anthony McCarten lese ich auch ausgesprochen gerne. Von Fred Vargas habe ich einige Hörbücher …..
    Nun muss ich noch ein wenig Arbeiten. Hast du am Freitag Abend schon wieder die Kinder oder willst du mit mir zu der nächsten Ausstellungseröffnung der Galerie Wedding besuchen?
    LG Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, ich freu mich immer sehr, wenn jemand Fred Vargas auch so gern mag! Freu mich auch schon auf die nächste gemeinsame Unternehmung – werde auch mal die Augen offenhalten, was es in nächster Zeit für Ausstellungen gibt… Liebe Grüße von Greta

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