Herbst

Aufstehen im Dunklen. Durch die offenen Fenster ist über Nacht der letzte Rest Sommerwärme aus der Wohnung verschwunden.

Am Kanalufer, an dem entlang wir zur Schule und Kita gehen, leuchten Hagebutten. Der wilde Wein trägt in diesem Jahr dekorative blaue Beeren.

Auf dem Wasser führt ein Schwanenpaar seine halbwüchsigen, noch immer grauen Küken aus. Neugierig beschnäbeln die vier Jungvögel eine zusammengeknüllte Papiertüte, die auf dem Wasser treibt, und paddeln dann mit einem ihrer Größe ganz unangemessenen feinen Piepsen ihren Eltern hinterher. Eine Stockente, die ihre Nachkommen schon lange sich selber überlassen hat, kommentiert die Szene mit einem verächtlichen „Quack!“ und schwimmt dann mit großen Kulleraugen auf uns zu, um nach unseren Frühstücksbroten zu fragen.

Neben dem Spielplatz reifen an der Mahonie die blauen und am Pfaffenhütchen die rosafarbenen Früchte, appetitlich aussehend und giftig. Die Feuerkäfer drängen sich in den Ritzen zwischen den Bordsteinen zusammen; nachmittags kommen sie heraus, um sich in den letzten Sonnenstrahlen zu wärmen.

Der Kita-Fotograf rückt an – alle Jahre wieder ist er es, der den Reigen der Herbstveranstaltungen eröffnet  – und drapiert die Kinder neckisch vor Strohballen und einem Hintergrundbild mit abgeerntetem Feld.

Aus einer der Eicheln, die wir zu Beobachtungszwecken in einem Glas auf das Fensterbrett gestellt haben, ist – wie ich dem Vierjährigen versprochen habe – eine dicke weiße Made geschlüpft. (Eicheln niemals einfach sammeln und ins Kinderzimmer legen! Sonst hat man die Viecher plötzlich auf dem Teppich!) Was hat sie vor? Wird sie sich verpuppen und in einen Falter verwandeln?

Die blauen Winden auf dem Balkon öffnen jeden Tag noch eine oder zwei Blüten.
Vor dem Geländer rauscht der Regen.

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5 Gedanken zu „Herbst

  1. Susanne Haun

    Liebe Greta, ich habe dieses Jahr die Pflanzen vom Balkon schon früher herausgenommen. So sind meine Blumenkästen nicht so schwer und können leichter in die neue Wohnung transportiert werden.
    Der Herbst steht vor der Tür. Ich hoffe, es regnet nicht so viel. Das finde ich immer traurig…..
    lg Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, dann wünsche ich Dir sehr eine besonders sonnige Herbstperiode nach Deinem Umzug – damit gleich klar ist, dass es sonnige Zeiten sind, die Du in Deinem neuen Heim erleben wirst! Liebe Grüße Greta

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    1. Greta Autor

      Liebe Sonja, ja, ich komme vom Dörflein… dass man das so hört? Aber ich würde auf dem Land die Stadt vermissen – glaube ich – so wie ich hier in der Stadt sehnsüchtig jedes bisschen Grün anschaue. Vielleicht muss der Kompromiss irgendwann ein anderer sein als jetzt. Liebe Grüße! Greta

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