Der Beutsch- ääääh… Deutsch-Test

Der Vater meiner Kinder hat mich diesmal vorgewarnt, dass der Achtjährige am Donnerstag – also einen Tag, nachdem er zu mir gewechselt kommt – einen Deutsch-Test schreibt. Er erspart mir damit den üblichen Um-Himmels-Willen-wie-sollen-wir-DAS-denn-jetzt-noch-hinkriegen-Schock am Mittwochnachmittag. Aber geübt haben sie nicht – obwohl Rechtschreibung nicht zu den Dingen gehört, die unserem Sohn einleuchten.

(Nicht dass mir alles einleuchtet, was im Deutschunterricht des Achtjährigen passiert. Warum er ein Heft führen muss, das zu nichts anderem dient, als jede Woche zwei kopierte Blätter einzukleben und einen Schreib-Hefter, in den immer wieder Schreibpapier vom Block nachgeheftet wird, entzieht sich meinem logischen Verständnis ungefähr im gleichen Maße wie meinem Sohn die Feinheiten der Groß- und Kleinschreibung.)

Im Ranzen des Achtjährigen – ganz unten – finde ich eine kleine, laminierte, verknickte Karte mit Rechtschreibetricks in unleserlich winziger Schrift. Beim Abendessen frage ich mal vorsichtig nach, ob die Klasse eigentlich mit dieser Karte arbeitet. Ach die, sagt der Achtjährige, nee, eigentlich nicht. Und was machst Du, wenn Du nicht weißt, ob „Wald“ am Ende mit „d“ oder „t“ geschrieben wird? Das weiß ich, ruft er, ich höre, wie das in „Wälder“ klingt. – Das klappt ja besser als erwartet.

Da mischt sich der Vierjährige ein. Schreibt man „Alex“ mit einem „A“ oder einem „B“? Das hat er in der Kita von den Vorschulkindern aufgeschnappt. Was meinst du denn?, frage ich zurück. Logo, das weiß er schon. Es heißt ja schließlich nicht „Balex“! platzt der Achtjährige triumphierend heraus, der es diesmal geradeso geschafft hat, den Vierjährigen als ersten antworten zu lassen. Und dann stellen wir dem Vierjährigen Aufgaben. Weißt du noch ein Wort mit „B“? Es ist gelb und steht auf dem Tisch und du streichst es aufs Brot? Du hast es in der Hand und trinkst daraus? Und plötzlich sind wir im B-Land und essen Burstbrote und Bäsebrote und Bomaten und Burkenscheiben. Die Kinder ziehen ihre Blafanzüge an und wir haben Zeit zum Borlesen.

Dann klettere ich zum Achtjährigen ins Hochbett. Es mag allen pädagogischen Ratschlägen widersprechen, im Bett vor dem Schlafengehen für die Schule zu üben, aber das ist mir egal, denn dort ist es wenigstens gemütlich. Mein Sohn schreibt ein paar „Profiwörter“ und ein paar Wetter-Wörter; und bis auf die durchweg großgeschriebenen Artikel macht er es gar nicht schlecht. Als er darauf besteht, dass reg-ner-risch doch eindeutig mit zwei „r“ geschrieben werden muss (das hört man doch!), fällt mir das Grundschulwörterbuch ein, das ich neulich mal aus der Buchhandlung mitgebracht habe. Jetzt darf der Achtjährige nachschlagen. Wir entdecken, dass „regnerisch“ wirklich nur mit einem „r“ zu schreiben ist und dass „neblig“ auch „nebelig“ geschrieben werden darf, obwohl die Lehrerin das nicht möchte, und dass „Stürmer“ mit „Sturm“ verwandt ist, genauso wie „stürmisch“. Es gibt sogar eine ganze Seite mit Wetterwörtern, auf der man auch „Klimaveränderung“ und „Windböe“ und „Wettervorhersage“ findet.

Der Achtjährige ist kaum noch vom Nachschlagen abzubringen.

Was bin ich erleichtert! Soll er meinetwegen erstmal die Artikel großschreiben, die I-Punkte weglassen und dem Dehnungs-H den Krieg erklären. Aber den Spaß an Wörtern darf ihm die Schule nicht verderben. Das erlaube ich nicht.

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