Ruhe bitte!

Die Kollegin vor langer Zeit, die in der Kaffeeküche von der Beschwerdeliste erzählte, die sie in ihrer neuen Wohnung über die Nachbarn mit Kindern führte, über Tappelfüße am Sonntagmorgen und Geschrei in der Nacht, mag nicht die Regel sein. Zum Glück!

Eine andere hält beschämt in ihrer Nörgelei über den Kinderlärm vom Fußballplatz hinter ihrem Haus inne, als ich dazukomme.

Die Geschichte von der Bauherrengemeinschaft, in der die vielen Familien, die gerne eine Kita im Hinterhofgebäude hätten, von den wenigen Kinderlosen überstimmt werden, ist traurig, aber wahr.

Heute wurde der Schwimmkurs des Vierjährigen – der erst zweimal stattgefunden hat – auf eine spätere, ungünstigere Uhrzeit verschoben, weil die Senioren aus der Wassergymnastikgruppe keine Kinderstimmen aus dem Nichtschwimmerbecken hören und in der Umkleide auch nicht von ein paar Knirpsen nackig gesehen werden wollen. Resigniert zuckt die Erzieherin mit den Schultern: Da war nichts zu machen.

Und dann noch dieser Trend zu kinderfreien Hotels!

Gegen den Wunsch nach Ruhe kann man ja beinahe nichts haben.

Trotzdem krieg ich einen wirklich schlechten Geschmack im Mund, wann immer ich das Gefühl bekomme, dass man mit seinen Kindern leise und unauffällig irgendwohin verschwinden soll, wo sie bloß niemanden stören.

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7 Gedanken zu „Ruhe bitte!

  1. Britta

    Oh… ich muss schon wieder kommentieren, dabei wollte ich mir das gar nicht zur Gewohnheit werden lassen 🙂

    Guten Morgen,

    wie fast immer und überall gibt es natürlich nicht nur schwarz und weiß. Die bösen Kinderhasser hier und die Kinder-an-die-Macht-Verfechter dort.

    Ich hatte auch nie etwas gegen Kindergeschrei und -getobe einzuwenden, habe aber im Gegenzug dafür gesorgt, dass das nach Möglichkeit nicht im Hause stattfindet. Darüberhinaus habe ich die armen Kleinen mehrmals täglich an die frische Luft gezwungen und ihnen auch noch sportliche Erziehung angedeihen lassen.
    Nun, einige Jahre später, finde ich Kindergeschrei, wie es z.B. hier Us dem benachbarten Kindergarten schallt, nicht mehr so erbaulich, wahrscheinlich, weil mein Leben ruhiger geworden ist. Auch nehme ich wahr, dass meine zahlreichen Nachbarskinder nicht ausschließlich leise Halma spielen.
    Dennoch käme ich nie im Leben darauf, dagegen zu meckern oder mich ernsthaft belästigt zu fühlen. Ich nehme es lediglich als laut war.

    Nun habe ich moch meine direkte Nachbarsfamilie… und stelle fest, dass diese noch beim Nachhausekommen anfangen sich gegenseitig anzubrüllen. Fernerhin gibt es keine Traippeltrappelgeräusche von Einjährigen, die gerade laufen lernen, sondern sie rennen und stampfen und schlagen gerne mal minutenlang ans metallene Treppengeländer. Kurzum sie produzieren eine Geräuschkulisse, die ich selber sofort unterbinden würde, ganz abgesehen davon, dass wir uns nicht dauerhaft anschreien.
    Diese Kinder sind nicht so oft draußen (angeblich laufen sie weg), dürfen auch ihren Schulweg nicht alleine bewältigen (werden mit dem Mini C. gefahren), dürfen wöchentlich aber neue exklusive Sportarten, bei denen sie dann aber irre gut sind, ausprobieren (nein, kein Sozialneid meinerseits – mein Gatte golft, meine Tochter reitet) ausprobieren, sehen immer gut angezogen aus, haben jede Menge Spielzeug, auf das sie sich leider nicht so gut konzentrieren können und natürlich Ergo-, Hippo- und Logopädie.
    Was sie weniger bekommen, ist Anerkennung und die Möglichkeit sich mal auszuprobieren, fernab der über allem kreiselnden , meckernden, schreienden Mutter und des schlaffen Vaters und so….dröhnen sie durch das Haus und ja, das stört mich ganz gewaltig. Ich finde es ätzend. Vor allem Sonntags morgens und an den langen Winternachmittagen. Besonders ätzend finde ich, dass ich nicht in der Lage bin, die Situation befriedigend zu lösen, denn meine Nachbarn sind fehlerfrei.

    Nun fragst du dich zu Recht, woher ich meine Informationen habe….zum Einen dringen sie durch die Wand. Zum anderen bin ich trotz meiner giftigen Schreibe hier ein kommunikativer Mensch, dem viel erzählt wird. Aus erster Hand in diesem Fall.

    In jedem Fall stehe ich dazu, dass grenzenlose Kinder die Hölle sind und eröffne gerne eine kontroverse Diskussion 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Britta

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    1. Greta Autor

      Liebe Britta, was Du über Deine Nachbarn schreibst, klingt ja nach einem ziemlichen Albtraum… und danach, dass Du Dich mit Kinderlärm und dem Wunsch, dass er doch mal aufhören möge, ziemlich viel auseinandersetzen musst.
      Aber ich bin gar keine Verfechterin von „Kinder an die Macht“ oder von Erziehung ohne Grenzsetzung! – Andererseits: Meine Kinder und ich brauchen z.B. am Nachmittag, nach Ganztagsschule und Arbeit, auch Zeit zu Hause. Die wir nicht nur mit Halmaspielen verbringen, da muss auch mal gehopst und getobt werden, und Streit gibt es unter meinen Söhnen sowieso oft. Klar sollte „Zuhause“ ein Ort sein, an dem es ruhig und entspannt ist – aber möglichst deshalb, weil wir es so mögen, und nicht, weil wir ständig Angst haben müssen, jemanden zu stören. Wir sind wohl insgesamt eher eine laute Familie und für die großzügige Geduld unserer Nachbarn (und für jeden Lärm, den wir mal im Gegenzug lächelnd tolerieren können) dankbar.

      Ich finde es auch nicht schlimm, wenn Leute mal wegen Kinderlärm genervt sind, bin ich auch! Aber – und das ist es, was ich mit meinem Artikel ausdrücken wollte – manchmal habe ich das Gefühl, dass es – zunehmend? Weil es immer weniger selbstverständlich ist, Kinder zu haben, sondern nur noch eine Option unter vielen? – Leute gibt, bei denen es über Genervtsein hinausgeht. Die davon ausgehen, dass sie ein grundsätzliches Recht darauf haben, keinem Kinderlärm ausgesetzt zu werden. Und das finde ich nicht ok. Es muss normal bleiben, dass Kinder da sind und dass sie nicht immer leise sind. Es muss normal bleiben, dass Familien in Mietshäusern leben und dass Kitas gebaut werden und dass Schwimmkurse für Kinder stattfinden, und zwar mitten im Leben, da, wo auch die Leute sind, die keine kleinen Kinder haben. Und genau da kann man dann auch lernen, gegenseitig – aber eben: gegenseitig – Rücksicht zu nehmen.

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    2. Karen

      Es geht ja nicht darum, dass Kinder ab und zu nerven, manche mehr, manche weniger. Es geht darum, dass eine ganze Gesellschaft zunehmend ablehnend auf Kinder reagiert, dass Kinder nicht mehr selbstverständlich dazugehören.

      (Ich durfte mir mal in einem Deutschlandurlaub in einer Kneipe mit dem damals anderthalbjährigen und etwas quengeligen grossen Herrn Maus von einer Rentnergruppe anhören: „Das hätte es bei uns nicht gegeben. Dem gehören mal ein paar hinter die Löffel.“ Die gleiche Rentnergruppe trafen wir eine halbe Stunde später in einer Kirche wieder – drängelnd, schubsend und lärmend. Also die Rentner. Nicht unsere Kinder. )

      Es ist zum Kotzen.

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  2. Britta

    …und sorry für die vielen Tippfehler – ich musste meine eigene ( natürlich perfekte *Ironie*) Tochter selber gerade chauffieren und war in Eile.
    Nochmals Grüße,

    Britta

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