Vor Weihnachten

Zum letzten Mal in diesem Jahr Weckerklingeln um dreiviertel sechs. Zum letzten Mal halb blind vor Müdigkeit in der Morgendämmerung den unbeleuchteten Pfad am Kanal in Richtung Kita wanken, während der Autopilot gelegentliche „hm-hm“ und „jaja“ in den munteren Redestrom meiner Kinder fallen lässt.

Letzter Arbeitstag. Nach allen Seiten „frohe Feiertage“ wünschen. Beim Nachhausekommen am Nachmittag ist es schon wieder dunkel.

Der Ranzen wird weggepackt, endlich Ferien! Beim Abendessen stelle ich ein paar Regeln auf: Die Kinder dürfen länger aufbleiben, müssen aber auch mehr helfen.

Am Bett des Vierjährigen singen wir noch ein bisschen. „ABC, die Katze lief im Schnee…“ – und weil wir gerade gerne Lieder umdichten, laufen auch der Vierjährige, der Achtjährige, der Kuschelhasi, die Lehrerin, die Nachbarn und allerlei Gegenstände im Schnee herum, der Vierjährige lässt sogar den Weihnachtsstern mit weißen Zacken nach Hause kommen. Am Bett des Achtjährigen bin ich wie immer schon selber hundemüde, die versprochene Runde Gabelstaplerquartet (wahlweise hätte ich auch Dinosaurier, große Baufahrzeuge, Rennautos, bedrohte Tierarten oder Feuerwehrfahrzeuge aussuchen dürfen) gibt mir den Rest. Um eine zweite Runde komme ich mit Müh und Not herum.

Auf dem Küchentisch wartet der Große Plan – denn wir werden Gäste haben, verschiedene und zeitweise viele Gäste, von morgen bis ins neue Jahr: Wer reist wann an und wann ab, wie viele Mahlzeiten für jeweils wie viele Personen bedeutet das, wo bringe ich nächteweise bis zu neun Leute unter, was lässt sich ohne viel Aufwand kochen, was können wir tagsüber zwischen den Jahren unternehmen? Mit dem Vater meiner Kinder müsste ich eigentlich noch einen komplizierten Deal aushandeln, ihm die Kinder ein paar Stunden mehr abnehmen – damit er zu einer Weihnachtsfeier ins Umland fahren kann – gegen eine Autofuhre mit Vorräten vom Supermarkt nach Hause.

Die Geschenke, die sich über den Tag bei uns angesammelt haben – von einer Kollegin, einer Freundin aus Süddeutschland und der Patentante des Achtjährigen – müssen noch in den Wäschekorb (für Heiligabend) oder die große Tüte (für die Nach-Bescherung am Morgen danach) sortiert werden.

Mein gähnendes Spiegelbild in der Balkontür lehnt sich an unseren Weihnachtsbaum – Robert, die Rotfichte – der von draußen erwartungsvoll ins Zimmer schaut.

Heute schlaf ich nur noch. Morgen kauf ich ein. Und übermorgen beginnt schon fast Weihnachten. Wie schön.

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