Weihnachtswechselei

Wechselmodell zu Weihnachten – das wird in diesem Jahr wieder bedeuten, dass wir den Heiligen Abend gemeinsam verbringen: Der Vater meiner Kinder und ich und unsere Söhne, die sich das beide genau so gewünscht haben. In diesem Jahr richte ich die Bescherung aus, eine gute Freundin ist zu Gast – für uns alle angenehm und erleichternd. Immerhin verbringen der Vater meiner Kinder und ich sonst keine Zeit miteinander, außer wenn wir uns gelegentlich zusammensetzen und die Kalender durchgehen und notwendige Absprachen treffen.

Über die Weihnachtsferien ist unser Wechselmodell ein bisschen aus dem Takt – die Kinder werden von Heiligabend bis zum Silvestermittag eine ganze Woche bei mir verbringen und die nächste – über das Ferienende  – dann bei ihrem Vater. Da ich mir schon länger vorstellen kann, dass die beiden nicht mehr halbe, sondern ganze Wochen am Stück bei mir und ihrem Vater leben, ist das so was wie ein erster kleiner Test dafür, wie unser Modell sich vielleicht weiterentwickeln wird.

Wie der Heiligabend verlaufen soll, haben wir in groben Zügen abgesprochen. Vor allem wird der Geschenkeberg geteilt – es soll nur so viel ausgepackt werden, wie die Kinder auch würdigen können; es soll genug Zeit bleiben, das Lego-Museum auch aufzubauen, die Räuber es ausrauben und die Polizisten die Räuber einfangen zu lassen; und genug Zeit, um gemeinsam das neue Labyrinth-Spiel auszuprobieren.

Aber bevor es soweit ist, sind der Vierjährige und der Achtjährige erstmal zwei Tage bei ihrem Vater. Wie immer ist es schwer, die beiden ziehen zu lassen, sie, diesmal am Sonntagmorgen – als sie gerade am allerschönsten spielen – zum Anziehen und Losgehen beinahe zwingen zu müssen. Verabschieden, Küssen, Winken – ist ja nur für zwei Tage. Jetzt könnte ich so richtig loslegen: Putzen, backen, Gänsekeulen in den Ofen schieben, Geschenke verpacken, Weihnachtsgrüße auf den Weg bringen… Aber nach einer Weile merke ich, dass die beiden nicht nur ein Dutzend ihrer Spielautos und die warmen Schals und die Handschuhe und den Kuschelhasi, sondern auch die ganze Weihnachtsstimmung mitgenommen haben. Keiner mehr da, der Rolf Zuckowskis „Musikalischen Adventskalender“ so lange immer wieder anstellt, bis ich mir die Ohren zuhalte. Die halben Beutelchen-Adventskalender der beiden sind schon leer und sehen so traurig aus, als wäre Weihnachten schon vorüber. Und die letzten Plätzchen, die wir gemeinsam gebacken haben, ohne meine Kinder zu glasieren, macht auch nur halb so viel Spaß.

Dafür kann ich am Abend mit ein paar Nachbarinnen – die ihre Männer zum Kinderhüten verpflichtet und sich mühsam aus dem häuslichen Chaos freigekämpft haben – zu einem kleinen Chorkonzert fahren, das ist schön. Wir trinken vorher schnell ein paar Schlucke vom mitgebrachten Glühwein, wir sehen uns an und lachen über die wilden Improvisationen des Organisten über „Tochter Zion“, wir gehen spontan noch eine Kleinigkeit essen und tauschen Festvorbereitungsgeschichten aus, auf der Stresspunkteskala liege ich mit meinen kinderfreien Tagen erwartungsgemäß weit zurück.

Am nächsten Tag ist dann auch die Migräne meiner Besuchsfreundin besser. Heute endlich könnten wir über meinen Lieblingsweihnachtsmarkt schlendern… wenn der nicht schon geschlossen hätte. Stattdessen kaufen wir ein paar allerletzte Geschenke ein – vor allem noch ein festliches Hemd für den Achtjährigen, das er zur Bescherung gleich anziehen kann – und sitzen dann in einem ruhigen, beinahe leeren Café mit Ausblick auf die von der S-Bahn zum Einkaufscenter und zurück hastenden Berliner; schauen auf das vergangene Jahr zurück, schauen auf das vor uns liegende neue.

Seltsame, stille, vorweihnachtliche Tage.

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3 Gedanken zu „Weihnachtswechselei

  1. cloudette

    Ich wünsche dir schöne, erholsame Feiertage mit deinen Lieben!!
    (Hier ists übrigens auch nicht sehr weihnachtlich, vielleicht gerade, weil es nicht still ist. Aber mal sehen, vielleicht wird das heute noch). Liebe Grüße

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