Bettenwechsel

Hinter uns liegen die Weihnachtstage. Schöne Erinnerungen:

Meine Söhne beim Weihnachtsbaumschmücken, eifrig und strahlend. Von Jahr zu Jahr erinnert der Baum weniger an das, was ich mir vorgestellt habe, als ich irgendwann mal silberne und rote Kugeln gekauft habe. Jedes Jahr geht eine davon kaputt – manchmal auch zwei – und wird durch das ersetzt, was wir geschenkt bekommen oder was in der Kita als Weihnachtsgeschenk für die Eltern gebastelt wird, ein beglitterter Gardinenring aus Holz, glitzernde Sterne aus in Streifen geschnittenen Klopapierrollen. Den Salzteigengel habe ich selbst aufgehängt: Wer den Raum betritt, dem lächelt er zu.

Christvesper in der örtlichen Kirche. Der Organist kann die Einmal-im-Jahr-Kirchenbesucher nicht leiden und stimmt alle Lieder so hoch an, dass auch diejenigen, die die Melodie vielleicht vom letzten Jahr wiedererkennen, keine Chance haben, einzustimmen. Auch der Pfarrer hat wichtigeres zu tun, aber die neue Jugendbeauftragte gestaltet den Gottesdienst schön, einfache Aussage, roter Faden, das Licht weitergeben, alles klar, alles weihnachtlich. Auch wenn ich meinen Kindern vielleicht nicht empfehlen werde, selber auszuprobieren, was sie da im Krippenspiel gesehen haben, wo die armen Leute alle miteinander furchtbar nett waren und sich willig und dankbar haben helfen lassen.

Meine Kinder sind so verzaubert, dass sie sich in der Kirche geradezu mustergültig benehmen. Huiiii, das kenne ich anders! Aber diese Mal ist es das Kind in der Reihe hinter uns, das laut „Och nee, nicht noch ein Lied!“ ruft; und das Kind in der Reihe vor uns, das so sehr in das Spiel mit seinem Auto vertieft ist, dass es mitten im Gebet plötzlich von der Bank fällt. Ich lächele sanft und streiche meinen Kindern über den Kopf.

Dieses Jahr klappt überhaupt alles. Das Sauerkraut brennt nicht an, niemand übergibt sich, und meine Söhne jauchzen geradezu über ihre Geschenke. Wir machen nette Fotos von mir und den beiden und vom Vater der Kinder und den beiden und sogar eins von mir und dem Vater der Kinder und den beiden, auf dem wir wie eine Familie aussehen, auch wenn da dieser Abstand zwischen uns ist, den unsere Kinder überbrücken, zwischen uns stehen sie, der Vierjährige vor dem Achtjährigen, keiner will näher bei mir oder seinem Vater sein, sie wollen uns beide. Und so soll es sein. Playmobil- und Legokleinteile dominieren den Rest des Abends.

Die Feiertage: Faule Vormittage, die Kinder spielen herrlich. Spaziergänge im Sonnenschein. Gemeinsame Spiele, Kuschelabendessen mit Märchenfilmen. Und abends, wenn die beiden endlich in ihren Betten liegen, sitzen meine Freundin und ich vor dem Sofa – weil auf dem Sofa noch all unsere Geschenke liegen, die wir nicht wegräumen wollen, weil es dann nicht mehr Weihnachten wäre – und führen Vor-dem-Sofa-Gespräche und denken darüber nach, ob die anders sind als die Auf-dem-Sofa-Gespräche, die wir vielleicht sonst führen würden.

Jetzt ist die Weihnachtswoche vorüber. Wir winken der Bahn hinterher, in der meine Freundin sitzt, am Nachmittag beginnt die Familienbesuchszeit. Schnell Betten abziehen, einmal durchfegen. Kinder in die Badewanne, ab heute Abend wird die Badezimmerzeit rationiert. Geschenke wegpacken, das Sofa wird jetzt zum Schlafen gebraucht. Auf dem Herd köchelt ein Hähnchen, unterm Weihnachtsbaum stehen wieder Geschenke.

Jetzt darf das Jahr zu Ende gehen. Wunderkerzen liegen bereit.

Advertisements

2 Gedanken zu „Bettenwechsel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s