Ein Tag nach dem andern

Wochenende ohne Kinder. Zwei halbe Tage brauche ich, um die allgegenwärtigen Tannen- und Fichten- und Kiefernnadeln einigermaßen wegzukriegen, die vertrockneten Adventssträuße wegzutun, die vielen Sterne einzupacken, die wir in der Küche über dem Tisch aufgehängt hatten. Abends im Dunklen schleiche ich mich nach draußen, vors Haus und fege die Nadeln weg, die unser Tannenbaum beim Sturz aus dem Fenster verloren hat – alle, die er noch hatte, ein ziemlicher Haufen.

Jetzt sieht man es auch in der Wohnung: Die Festzeit ist vorbei. Alltag.

Im Büro bekomme ich die Konsequenz meiner vorsichtigen Frage nach Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven präsentiert: Eine Mutterschaftsvertretung für eine Kollegin ist zu übernehmen. Dummerweise ist es diejenige, die sich gerade als Vertretung in meine Aufgaben einarbeiten sollte. Ich versuche, das auf mich zukommen zu lassen, erst einmal ist sie noch da und wir haben sowieso alle mehr als genug zu tun.

Auch die private To-Do-Liste wird nach dem Jahreswechsel wieder länger; der Sommerurlaub muss organisiert werden und der für den Herbst am besten gleich mit. Der neue Kalender füllt sich mit Terminen und Verabredungen. Die Geschenkebesorgerei hört sowieso nie auf, jeder Monat hat seine Anlässe. Auch der Schulbetrieb kommt wieder in Fahrt, der Achtjährige zieht die Mappe mit der Elternpost aus dem Ranzen, irgendwas ist immer drin.

Ergeben setze ich mich am Abend hin und fülle den Vertrag mit dem neuen Essensanbieter aus, unterschreibe Klassenarbeiten, beantrage ein Schließfach, stecke Geld für den runden Geburtstag der Kita-Leiterin in einen Umschlag.

Ergeben stelle ich den Wecker auf dreiviertel Sechs, schmiere Brote für die Kinder, gebe Abschiedsküsse, fahre ins Büro, stelle mich dem, was ansteht, die Einkaufsliste steckt schon in der Handtasche.

Noch fühle ich mich erstaunlich erholt vom Weihnachtsurlaub – und die Vitaminkur wirkt wohl auch noch. Noch kann ich abschalten, lasse mir am Abend ein heißes Bad ein, gehe durch den sonnigen Tiergarten spazieren, schmiede Pläne, lasse mir Karten für ein Konzert zurücklegen, auch wenn ich noch nicht weiß, mit wem ich es besuchen soll.

Ein Tag nach dem anderen. Jeder hat sein Tun, und jeder hat sein Schönes. Hoffentlich hält das an.

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2 Gedanken zu „Ein Tag nach dem andern

  1. tikerscherk

    Das hält bestimmt noch ein bisschen an. Die Tage werden wieder länger, und ich sah gestern die erste Nelke blühen. Kirschbäume blühen schon seit dem Jahreswechsel.
    Und das bisschen Glatteis heute ist doch auch lustig.
    Aber im Ernst: ich bewundere es, wie du das alles unter einen Hut bekommst!

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    1. Greta Autor

      Bei den blühenden Bäumen – der ganze Hasel! Samstag im Tiergarten gesehen… und heute wahrscheinlich erfroren – wird mir so anders… das soll doch nicht so!
      Tja, unter den Hut kommt dieses Jahr leider sehr viel Büroarbeit. Schade um alles, was ich sonst noch so gern machen würde! Danke für die Ermutigung und liebe Grüße! Greta

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