Uffff…

An meine eigenen Kindergeburtstagsfeiern habe ich keinerlei Erinnerungen. Einziger Beweis dafür, dass überhaupt gefeiert wurde, ist ein Foto, auf dem eine große Runde Kinder – nicht die, die ich gern eingeladen hätte, sondern die, die eingeladen werden mussten, weil sie mich zu ihren Feiern auch eingeladen hatten, so war das bei uns auf dem Dorf – im Hof steht, mittendrin mit finsterer Miene meine große Schwester, die wegen ihrer gerade angefangenen Ausbildung zur Kindergärtnerin mit mir und meinen Gästen Spiele machen musste.

Erinnerungen an Kindergeburtstagsfeiern, die ich besucht habe, sind auch spärlich. Erst mal garnicht hinwollen, nur an Mamas Hand. Später das kribbelige Gefühl beim „Der Fuchs geht rum“-Spielen. Liegt das Taschentuch schon hinter mir? Fleischklöpschen zum Abendessen, von denen mir schlecht wird.

Ungefähr so eine klassische Kinderparty – mit Schokoladenmuffins, Waffeln und Spielen – hat der von-heute-an-Fünfjährige sich gewünscht.

Ausrichten muss sie in diesem Jahr sein Papa – eine schöne Seite unseres Wechselmodells: wir reißen uns beide nicht darum, wir würden beide nicht die goldene Girlande für den besten Kindergeburtstag des Jahres gewinnen, wir wechseln uns daher fair ab. Aber ich bin eingeladen. Und das heißt natürlich, dass ich mithelfe – schon weil ich mich seiner Hilfe für die Party des Achtjährigen versichern möchte. Erst mal das Eis brechen. Ich schnappe mir die beiden jüngsten Gäste – den Jungen, der außer dem Geburtstagskind keinen kennt, und das einzige Mädchen, und spiele erst mal was mit den beiden. Und nach dem Kaffeetrinken mache ich freiwillig den Abwasch.

Unterdessen muss der Vater meiner Kinder feststellen, dass die meisten Geburtstagsgäste Topfschlagen genauso öde finden wie Erbsen-mit-einem-Strohhalm-ansaugen-und-von-einem-Schälchen-ins-andere-befördern und überhaupt alle Partyspiele. Stattdessen wird getobt. Kissenschlacht vom Hochbett runter! Dann entdecken die Kinder, dass sie von der Kommode prima auf die Kuschelmatratze springen können, das ist nicht öde, weil sie das zu Hause wahrscheinlich nicht dürfen. Am wildesten tobt der Achtjährige – heute sollte man ihn besser keiner ADHS-Diagnostik unterziehen, dass sein Bruder den ganzen Tag Geschenke kriegt und im Mittelpunkt steht, ist ziemlich hart für ihn. Dabei interessieren die Geschenke seiner Gäste den Fünfjährigen gerade jetzt eigentlich garnicht – ich muss ihn bei der Hand nehmen und mit ihm auspacken. Und mir dabei schon mal genau merken, wofür ich mich später bei wem bedanken muss und welche Bücher und Spiele ich nachher einpacken und mit zu mir rüber nehmen möchte und was ich lieber hier in der Wohnung beim Vater meiner Kinder lasse.

Der Lärmpegel steigt, ich möchte mich am liebsten in der Wäschetonne verkriechen und den Deckel über mir zuziehen. Stattdessen hole ich schnell ein paar Spiele aus meiner Wohnung und schaffe es, dass wenigstens einige der Kinder sich ein bisschen beruhigen und zehn Minuten lang mit mir Jenga spielen.

Dann pustet der Vater meiner Kinder Luftballons für alle auf. Mit denen kann man auch prima toben. Ich richte in der Küche ein Lazarett für Durstige, Trostbedürftige und Verletzte ein. Draußen wird es langsam dunkel. Alle Kinder bekommen Leuchtstäbe, die größeren Jungs schalten das Licht aus und fangen an, Diebe und Polizisten zu spielen und sich durch alle Zimmer zu jagen; der kleine Junge, der keinen weiter kennt, erzählt mir traurig, dass sein Papa ihn eigentlich abholen wollte, wenn es dunkel wird. Das einzige Mädchen möchte lieber nicht Diebe und Polizisten spielen und verwickelt mich in ein Mama-und-Papa-Spiel. Ehe ich mich versehe, bin ich die Mama, werde (Papa am Lenkrad aus Leuchtstäben) ins Krankenhaus gefahren und bringe ein Baby zur Welt, das ich den Rest des Nachmittags immer wieder stillen und wickeln muss. „Papa“ macht derweil Frühstück. Und passt schon mal auf das Baby auf, als ich mit den anderen Geburtstagsgästen doch noch eine Runde Wattepusten am großen Tisch spiele.

Und dann ist die Party zu Ende. In der der viel zu kleinen Diele werden Handschuhe, Mützen, Schneehosen und mitgebrachte Hausschuhe gesucht und Geschenkbeutelchen verteilt. Ich bedanke mich tatsächlich in fast allen Fällen für die richtigen Geschenke und hoffe insgeheim, dass alle wissen, dass ich hier nicht wohne und dass es bei einer Party, die ich organisiert hätte, noch Abendessen gegeben hätte, wenn sie erst um halb sieben endet.

Jetzt müsste man noch zwei Stunden Zeit haben. Um wieder runterzukommen, mit dem neuen Playmobil-Hubschrauber zu spielen oder Fang-den-Hut aus der neuen Spielesammlung. Aber unsere Söhne sind vollkommen fertig, beide. Und morgen ist ja Schule.

Ob meine Kinder sich später an ihre Geburtstage erinnern werden? Fotos gibt es jedenfalls. Der stolze Fünfjährige mit allen seinen Gästen – außer dem einen, der Fotografieren öde fand. Tobende Kinder auf und unter dem Hochbett, Kissen, die durch die Luft fliegen. Surreale Lichteffekte von wirbelnden Leuchtstäben im Dunkeln.

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15 Gedanken zu „Uffff…

  1. frausiebensachen

    puh, ja.
    danach bin ich auch immer geschafft und froh, daß es wieder eine weile vorbei ist.
    aber die strahlenden kinderaugen beim ins bett bringen sind auch schön!

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    1. Greta Autor

      Also bei meinem kleinen Sohn strahlte nix mehr, der war so derartig fertig… Und der Große auch, der ist mir beim Ins-Bett-bringen im Arm eingeschlafen (auch mal schön, macht er ja sonst nicht mehr…). Aber es war insgesamt ein sehr schöner Geburtstag.

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  2. guinness44

    Es gibt ja das subjektive Zeitgefühl. Ich merke das stark beim Anschauen von Fußball. Liegt meine Mannschaft hinten, dann rennt sie weg. Liegt meine Mannschaft knapp vorne, dann schleicht die Zeit sehr langsam. Das ist aber nichts verglichen mit der Langsamkeit eines Kindergeburtstages (wenn man selbst ausrichtet). Wo hingegen die Zeit für ausgedachte Spiele zu schnell rum geht. Immer wieder das gleiche Spektakel. Wir hatten dieses Jahr bei meiner Tochter Übernachtungsparty. Gegen 1.00 musste ich wirklich harte Drohungen aussprechen, damit endlich Ruhe einkehrt. Aber sie hatten alle Spaß.

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    1. Greta Autor

      Wie alt ist Deine Tochter denn geworden? Und Dein Sohn ist schon größer? „Die Langsamkeit eines Kindergeburtstags“ – sehr schön ausgedrückt, Genau das Gefühl, das ich gestern zeitweise hatte…

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      1. guinness44

        Das war damals der 10. Demnächst kommt der 8. von meinem Sohn. Wie Du aus eigener Erfahrung weißt gibt es keine anderen Themen obwohl es noch mehr als einen Monat dauert. Wir haben aber zum Glück einen Platz im Schwimmbad (Halle) ergattert. Kann man nur an einem bestimmten Tag im Quartal vorher buchen. Das Schwimmbad macht um 7.00 auf und ab 6.30 bildet sich die Schlange von fast nur Vätern. Ein sehr lustiges „Event“, wenn man schon in der Schlange abklärt, wann jemand buchen will, damit man nicht umsonst ansteht. Man hätte auch anrufen können, allerdings geht keiner ans Telefon bis die Schlange abgearbeitet ist. Und danach waren alle Plätze weg.

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  3. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    ich erinnere mich auch nicht mehr an meine Kindergeburtstage, es wurden auch nur die Verwandten eingeladen, keine anderen Kinder. Das sehe ich auf den Fotos. Ich war sehr schüchtern und war nicht in der „Szene“ der Klasse – auch später auf der Oberschule nicht…. aber dafür habe ich zu meiner einen Schulfreundin immer noch Kontakt, über all die Jahre ist sie konstant wie eine Schwester für mich ……
    Da stimmt es — es macht die Qualität und nicht die Masse…..
    Aber heute, da ist das alles anders….auch wir ( Ex und ich) haben die Partys mit unserem Sohn gefeiert: Schatzsuche, Klettergeburtstag, Bowlen, Kino, Themengeburtstage mit verkleiden und entspechenden Spielen……
    Liebe Grüße von Susanne

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    1. Greta Autor

      Ja, das wird heute viel mehr gefeiert als früher. Ich war auch schon als Kind nicht so der „Gruppenmensch“ – meine Kinder vielleicht auch nicht so, aber dazugehören (und an ihren Geburtstagen groß einladen) wollen sie gerne… Werde Dich bei Gelegenheit nach den besten Tipps – fürs nächste Jahr – fragen…

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  4. cloudette

    Ich erinnere mich schon noch ganz gut an den einen oder anderen Geburtstag (vor allem an den einen, an dem ich – auch mein Geburtstagskindprivileg pochend – die ganze Packung Eiskonfekt aufgegessen habe und mir dann doch übel schlecht war.

    Am Schlimmsten bei den Kind1-Geburtstagen fand ich ehrlich gesagt so kleine Nervbolzen, die ständig „und was spielen wir jetzt … und was kriegen wir jetzt … was, bloß Süßis? … das ist langweilig …“ plärrten und mega Ansprüche hatten. Die wurden irgendwann nicht mehr eingeladen. Und dann gings eigentlich.

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    1. Greta Autor

      Die Kinder gestern waren zum Glück ganz lieb – einzeln hätte man mit denen sicher auch toll spielen können, aber in Gruppe wollten die echt nur toben. Ob das daran liegt, dass das fastr alles Jungs waren?

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