Gesehen, gelesen, gehört… im Januar

Brandneue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Jahresbeginn! – und gleich mehrere Frauen im Kopf, denen ich mit dieser Postkarte eine kleine Freude machen könnte: „Männer schnarchen, um Frauen nachts vor wilden Tieren zu beschützen.“

Ein selbstausgesuchtes Weihnachtsgeschenk: Mario Giordanos „1000 Gefühle, für die es keinen Namen gibt“. Höchstes Lesevergnügen: Weil in dieser wild zusammengestellten Gefühlsliste nicht nur ganz viele Wiedererkennungseffekte (von „Die Scham über das eigene Desinteresse an Politik“ bis zu „Entzückung über einen vollkommenen Pilz“) stecken, sondern auch allerlei Lacher („Die Sorge, an Anatidaephobie (der ständigen Angst, von Enten beobachtet zu werden) zu leiden“). Man kann garnicht anders: Ich habe sofort angefangen, selber eine kleine Liste zu führen. Erster Punkt auf dieser Liste, noch vor meinem Lieblingsgefühl „Übermut beim Verfassen von sehr, sehr langen eMail-Betreffzeilen“, ist „die Traurigkeit, dass niemand da ist, dem ich jeden Abend im Bett aus diesem Buch vorlesen kann.“

Noch mehr Gefühle, auch hier mindestens 1000: Alice Munroe beschwört sie mit Leichtigkeit herauf, genauso, wie sie mit Leichtigkeit Bilder entstehen lässt: Von den heißen, staubigen Orten, an denen ihre Geschichten spielen, und von den Menschen, die da leben, von denen sie erzählt. Ich habe mit „Tanz der seligen Geister“ angefangen – und finde, dass sie den Nobelpreis sehr, sehr verdient erhalten hat.

Endlich wieder ein Buch, bei dem wir uns jeden Abend aufs Vorlesen freuen – vielleicht auch deshalb, weil ich es so liebe: „Mein Urgroßvater und ich“. James Krüss veraltet irgendwie nicht, die vielen Geschichten und Gedichte rund um das Thema „Sprache“ machen einfach Spaß.

An „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini habe ich mich lange nicht rangetraut. Afghanistan ist so weit weg, und können da andere als zutiefst traurige Geschichten spielen? Und das Buch geht wirklich nahe. Aber die Geschichte ist wunderschön erzählt, ruhig und voller Bilder. Als ich einmal mit dem Lesen begonnen hatte, wollte ich weiterlesen, bis zum Ende, an dem man atemlos ein wenig Hoffnung schöpft. Jetzt habe ich Bilder von Städten im Kopf, die vorher nicht mehr als Orte waren, an denen Radionachrichten spielten. Auch das ist schön.

Zu manchen Büchern sollte man sich den Film nicht anschauen – weil die eigenen Bilder im Kopf viel schöner sind. Jetzt weiß ich, dass es den umgekehrten Fall auch gibt. „Die Brücken am Fluss“ ist ein Film, den ich seit langer, langer Zeit liebe – mein Inbegriff einer ganz großen Liebesgeschichte. Wusste bisher gar nicht, dass das eine Buchverfilmung ist, und die – manchmal ganz schön bemühte – Beschreibungen der Hauptpersonen, ihrer Gefühle und ihrer Geschichte in dem Roman von Robert James Waller bleiben weit, weit hinter den Vorstellungen zurück, die ich mir zu den Bildern des Films gemacht hatte. Ok, wieder was gelernt…

Hörspiele mögen meine Kinder meistens nicht. Die erste Ausnahme ist „Mama Wulle – noch ne Erpelgeschichte“ von Marieluise Ritter, das wir aus irgendeinem Cousinenfundus geerbt haben. Die Geschichte von dem sehr, sehr faulen Enterich, der dann doch ein guter Papa wird, ist nett erzählt – mit einem ironischen Unterton, der sich an erwachsene Zuhörer wendet, meine Kinder aber nicht gestört hat. Gute Kindergeschichten machen eben auch den Großen Spaß.

„Nils Karlsson Däumling“ von Astrid Lindgren lieben meine Kinder auch gerade – das muss ich immer wieder vorlesen. Und dann erzählen wir vor dem Gutenachtsagen noch ein bisschen: Was wäre, wenn der Däumling bei uns wohnen würde? Ob er sich eine Wohnung in der Spielküche einrichten würde? Würde er sich in der richtigen Küche ein Hustensaft-Dosierbecherchen mopsen und unter dem Tisch Krümel für sein Frühstück aufsammeln? Würde er im Playmobil-Müllauto des Fünfjährigen herumfahren?

Abgerundet wird mein in diesem Monat ziemlich vermischtes Leseprogramm von Max Goldt – „Texte aus den in die Vergessenheit entlassenen Büchern ‚Quitten‘ & ‚Kugeln‘“. Auf den etwas absonderlichen Humor dieser Texte musste ich mich erst mal einlassen – aber ob sie nun zum Ende des Buches immer besser werden oder ich mich einfach nur eingelesen hatte: Je länger ich las, desto mehr habe ich gelacht. Auch darüber, dass ich manchmal nicht sicher war – dann, wenn ich eigentlich nicht lachen, sondern zu dem, was ich da las, heftig nicken wollte – ob ich zu den Leuten gehöre, über die sich Max Goldt da so ausgiebig lustig macht.

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2 Gedanken zu „Gesehen, gelesen, gehört… im Januar

  1. pitz

    das klingt spannend, danke! james krüss gibt es bei uns auch, einmal mit dem autofahrenden großpapa und dann die sache mit den heidehasen. krüss wirkt seltsam aus der zeit gefallen, aber seine texte sind gut gemacht.

    pitz, den kommentar abschickend mit der untergründig mulmigen angst wie bei jedem anderen kommentar, eventuell daneben zu hauen, ohne vor dem abschicken bestimmen zu können, was genau daran daneben sein könnte.

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    1. Greta Autor

      Aber garnicht daneben! Ich freue mich, wenn ich mit anderen ins Gespräch komme über Bücher, die ich anregend – oder auch nicht so anregend – finde… Der „Urgroßvater und ich“ kriegt gegen Ende leider Längen. Komisch, das geht uns bei vielen Kinderbüchern so, die wir vorlesen. Frage mich manchmal, ob das an uns oder an den Büchern liegt… Liebe Grüße! Greta

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