Blaues Band und so

Der Fünfjährige hat eine Kita-Hausaufgabe: die Kinder sollen fotografieren, was jetzt im Frühling alles zu beobachten ist. Also ziehen wir los, jeder mit einem Fotoapparat ausgerüstet, und gehen auf Entdeckungstour. Gleich vor dem Haus blühen Veilchen. Und Forsythien. Nebenan eine umgeknickte, dafür aber schön rote Tulpe. Blaue Szilla. Ein blühender Baum und eine Trauerweide, die schon ganz grün schimmert. Die Kinder knipsen drauflos.

Weiter in den Park. Aus dem dicken knorrigen Stamm einer – äh – möglicherweise Ulme sprießen dicke grüne Knospen. Da drüben stehen noch ein paar halbverwelkte Krokusse. Und weiter den Hang hinunter eine ganze Böschung voller Lungenkraut, rosa und rot und weiß. Wir staunen.

Am Sportplatz nebenan gibt es Kastanienbäume. Ob die liegengebliebenen Kastanien vom letzten Jahr zu keimen anfangen? Wir schauen uns um, und siehe da: leuchtendrosa oder orange winden sich aus den alten Kastanien kräftige Keime wie dicke Würmer in die Erde. Ohhh! Ein paar Schritte weiter unter der Eiche noch mehr faszinierendes Leben: einige von den alten Eicheln haben schon Wurzeln tief in die Erde gestreckt und sind oben in zwei rot verfärbte Hälften aufgeplatzt, zwischen denen ein kleiner Spross hervorkommt.

Mama, fragt der Neunjährige, wenn jedes Jahr so viele neue Eichen und Kastanien wachsen, ist dann im Wald zwischen den Bäumen nicht irgendwann gar kein Platz mehr? Aber wir müssen ganz schön suchen, um zwischen den großen Bäumen und den Sträuchern kleine Bäumchen zu finden, die es über das erste Jahr geschafft haben.

Natürlich haben wir einige keimende Kastanien und sogar eine Eichel dabei, als wir wieder nach Hause kommen. In irgendeinem Topf auf dem Balkon werden sie schon einen Platz finden. Wir haben jetzt sowieso Lust, auch endlich zu säen und zu pflanzen. Beide Kinder haben zu ihren Geburtstagen Blumen geschenkt bekommen – jetzt stelle ich dem Fünfjährigen einen Blumenkasten für seine Glückskleezwiebeln hin und dem Neunjährigen einen für seine Anemonenknollen. Und dann holen wir die Erdbeerpflanzen aus ihrer Winterkiste. Alle haben überlebt.

Weil es ein Weilchen dauern wird, bis in den Blumenkästen etwas wächst, kommt aufs Küchenfensterbrett eine Schale Kresse. Und daneben zwei Töpfe, in denen ich ein paar Sonnenblumenkerne versenkt habe. Sonnenblumen aus Samen zu ziehen, ist mir noch nie gelungen – ein letzter Versuch also. Weil wir uns bei der Sendung mit der Maus gerade über Treibhäuser weitergebildet haben, stülpe ich durchsichtige Tüten über die Töpfchen. Jetzt muss es ja wohl klappen.

Und weil wir garnicht genug kriegen können, finden wir auch noch ein Plätzchen für einen Topf mit Basilikumsamen. Und siehe da – der ist am nächsten Morgen schon nicht mehr klein und schwarz, sondern grau und glitschig und sichtlich aufgequollen. Jetzt werden wir jeden Tag in alle Töpfe schauen und beobachten, was sich da tut. Frühling ist schön.

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Ein Gedanke zu „Blaues Band und so

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