Ein unverplanter Tag

Bin ja voller guter Vorsätze – jede Woche, egal ob meine Kinder gerade bei mir sind oder nicht, soll es einen unverplanten Tag im Kalender geben. Es ist möglich, dass diese Regel verhindert, dass ich jemals wieder so etwas wie eine neue Beziehung anfange – aber erschöpft, wie ich bin, muss ich Prioritäten setzen.

Heute war so ein unverplanter Tag. Mit Kindern.

Als ich in die Kita komme, ziehen schwarze Wolken am Himmel auf. Ich treibe den Fünfjährigen zur Eile an, wir müssen in die Schule, möglichst noch vor dem Regen. Der fängt an, als wir gerade zur Schulturnhalle gehen wollen, um die Mütze des Neunjährigen zu suchen. Also warten wir im Schulgebäude. Schneeregen, Hagel, auf dem Schulhof entstehen die üblichen Seengebiete. Nach einer Viertelstunde können wir endlich los.

In der Turnhalle gibt es eine sehr große Pappkiste für verschlumperte Sachen. Da ist die Mütze! Und gleich daneben der Fleecepulli, mir war noch garnicht aufgefallen, dass der Neunjährige den auch nicht anhat. Und da – da kommen doch die angeblich unauffindbaren und neulich – todschick in Grün! – nachgekauften Turnschuhe des Neunjährigen zum Vorschein! Ach nee. Die Kiste ist bis oben hin voll, das ist ein kleiner Trost. Mein Sohn ist nicht der einzige, der Sachen verschlumpert, man könnte hier mehrere Sportvereine oder ein kleines Drittweltland einkleiden. Sogar Jeans gibt es. Ohne Hose ist mein Sohn ja zum Glück noch nie nach Hause gekommen.

Dann müssen wir einkaufen. Weil wir am Frühstückstisch mal wieder vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sind (vom Vorschlag des Fünfjährigen, doch statt Brot ein bisschen Geld zu essen, über diesen Indianer, der schon vor langer Zeit wusste, dass man Geld nicht essen kann, mit ein paar kleineren Abschweifungen zum vom BUND empfohlenen Plastefasten), wollen wir heute mal gucken, ob wir einkaufen können, ohne Plastik mit nach Hause zu nehmen. Lose Tomaten gibt es, ok. Und der Honig ist im Glas (obwohl der Deckel… naja). Bananensaft gibt es nicht in der Glasflasche, also mal Birne (nee, jammert der Fünfjährige, das trinke ich aber nicht!) – und dann braucht der Neunjährige noch eine Trinkflasche für die Klassenfahrt. Und da gibt es nun mal diese nette Plasteflasche in der richtigen Größe mit der leckeren Limo drin… ok.

Jetzt müssen wir noch unsere Frühlingsfotos ausdrucken, damit der Fünfjährige sie mit in die Kita nehmen kann. Dem Fotoautomaten zuzuschauen, aus dem immer schon der Rand des Fotos vorguckt, das gerade gedruckt wird – erst ganz gelb, dann orangerot, dann plötzlich mit den richtigen Farben – macht Spaß.

Aber zu Hause sind wir wieder mal erst um Fünf. Die Kinder veranstalten Wettkämpfe mit Quartettkarten, ich räume auf und nutze den Frieden, um schnell ein paar Fotos ins Album zu kleben, dann schnell Abendessen machen, schon wieder viel zu spät. Und hinterher Schulsachen. Mama, freut sich der Neunjährige, mein neuer Füller ist heute garnicht verlorengegangen! Dafür fehlt das Hausaufgabenheft, so dass er praktischerweise nicht nachsehen kann, ob er noch irgendetwas machen muss. Ich schimpfe ein bisschen – irgendwas fehlt in der letzten Zeit jeden Tag, das kann so nicht weitergehen. Die neue Jacke und die neuen Gummistiefel meines Sohnes (werden eigentlich allen Kindern alle Sachen immer gerade in der Woche vor der Klassenfahrt zu klein?) würde ich zu gerne mit Peilsendern ausstatten.

Vorm Schafengehen versöhnen wir uns wieder. Der Neunjährige erklärt mir, wie schnell die Kinder heute zur Turnhalle und zurück hetzen mussten, und ich verstehe, wie Mütze und Pulli dabei verlorengehen konnten. Nebenbei erfahre ich noch von der guten Note, die mein Sohn sich im Seilspringen erkämpft hat. Klasse.

Mein großer Sohn murmelt mir ein müdes Gutenacht zu, der kleine kräht noch vergnügt im Bett und will unbedingt alle Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ hören, alle, die mir einfallen. Ich würde am liebsten gleich vor seinem Bett liegenbleiben.

Das war der unverplante Tag. Eigentlich wollte ich die Malfarben vorholen und mit den Kindern pinseln. War mal wieder nix. Morgen Freunde zu Besuch. Übermorgen Zahnarzt.

Irgendwas ist immer.

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3 Gedanken zu „Ein unverplanter Tag

  1. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    ein unverplanter Tag ist fast wie ein sechser im Lotto…. ich weiß nicht, wann ich den nächsten unverplanten Tag haben werde. Ich melde mich per mail gleich bei dir.
    Einen schönen Tagesbeginn von Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, ich glaube, Deine Mail ist veschütt gegangen – ich hatte Probleme mit der Umstellung auf eine „sichere Mailverbindung“ – was auch immer das heißt 😉 – magst Du mir nochmal schreiben? LIebe Grüße! Greta

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