Das Balkongartentagebuch: Vogelschutzmaßnahmen

Der Mai ist da, die Bäume sind so grün, als ob es Juni wäre, überall wird Spargel verkauft, das rote Erdbeerhäuschen an der Ecke steht schon bereit – und auch auf meinem Balkon wächst und gedeiht alles. Die Kartoffeln treiben kräftig, die Kohlrabistängel – schön lila – beginnen, sich zu verdicken, die Bohnen strecken kecke Ranken in die Luft, die Winden winden sich – alles ganz wunderbar.

Wenn, ja wenn da nicht…

Schon im letzten Jahr hatten wir einen sonderbaren Vogel im Hinterhof: einen Gourmetstar. Der den festen Vorsatz hatte, sein Nest mit nichts anderem als Salbeiblättern und anderen duftenden Kräutern – von meinem Balkon, ausgerechnet! – auszupolstern.

Und er ist wieder da.

Täglich haben wir Schäden an den Kräutertöpfen zu beklagen: Abgerissene Blätter! Abgeknickte Triebe! Abgerupfte – und einfach liegengelassene – Pflänzchen! Und die rausgezupften Radieschen und die Erbsen, die so schön gekeimt waren, aber einfach nicht weitergewachsen sind… das schiebe ich unserem geflügelten Feind auch gleich noch mit in die Schuhe.

Wenn ich allein oder mit den Kindern abends nach Hause komme, führt der erste Weg auf den Balkon: Ist noch alles ok? Hat der Vogel wieder gewütet?

Er hat.

Als er uns am Wochenende dann sogar noch frech einen Schiss auf dem Fensterbrett hinterlässt, ist das Maß voll. Jetzt reicht‘s aber!

Als erste-Hilfe-Maßnahme wird erst einmal eine aufgeschnittene Tüte außen ans Fenster geklebt, das auf den Balkon rausgeht und auf dessen Fensterbrett draußen die Kräutertöpfe und der Blumenkasten mit den selbstgezogenen Basilikumpflänzchen stehen. Die transparente Folie bedeckt schützend den Kasten, knistert hoffentlich ordentlich im Wind und verleidet dem garstigen Tier dadurch – so jedenfalls der Plan -, sich weiterhin auf den Rand des Blumenkastens zu setzen und von da aus am Salbei zu zupfen.

Weitere Abschreckungsmaßnahmen sind in Planung: In Gedanken sammle ich scheppernde Konservendosendeckel, bunte Gebetswimpel und raschelnde Folien und füge alles an einem langen Strick zu einer Vogelschutzgirlande zusammen, die rund um unseren Balkon gespannt werden könnte. Balkondeko mal anders! Oder soll ich lieber ein paar alte Kindersachen raussuchen und eine kleine, böse Vogelscheuche bauen? Mit einem Kopf aus einem Stück ausgestopften Strumpfhosenbein? Einem aufgemalten Gesicht und Wollhaaren? Mit einem drohend hochgehaltenen Besen in der Hand?

Unser Feinschmeckervogel hat sich jedenfalls – so viel steht schon fest – über die Tüte geärgert. Die Kräuter lässt er erst einmal in Ruhe – aber mit einem dicken, weißen Klecks auf einem der schönen großen Blätter unserer Sonnenblume wirft er uns einen neuen Fehdehandschuh hin. Na warte…

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3 Gedanken zu „Das Balkongartentagebuch: Vogelschutzmaßnahmen

    1. Greta Autor

      Liebe Bea,
      bin auch grade eine schlechte Leserin und Wenigschreiberin… zu viel „analoger“ Alltag…
      Aber ganz liebe Grüße in den Süden zurückgeschickt!
      Greta

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