Lissabon-Tagebuch (3): Quer durch die Botanik

Unser nächster Tag in Lissabon ist ein Montag, und montags bleiben in Lissabon die Museen geschlossen.

Geöffnet hat der Botanische Garten – von dem mein Vater begeistert erzählt hat – und deshalb machen wir uns dorthin auf den Weg. Der berühmte Santa-Justa-Elevador steht gleich um die Ecke, und mit unseren Auflade-Karten für die öffentlichen Verkehrsmittel kostet die Fahrt Richtung Himmel im kunstvoll gewirkten Metallturm viel weniger, als die anderen Touristen um uns herum direkt an den Fahrstuhlführer bezahlen müssen.

Wir schlendern quer durchs Barrio Alto, das hochgelegene Altstadtviertel, trinken unseren ersten Galão – portugiesischen Milchkaffee – in einem prächtigen alten Kaffeehaus in der Rua Garrett und den zweiten, mit einer Auswahl kleiner Küchlein und Pasteten aus der Vitrine, in einem urigen, kleinen, von zwei älteren Frauen betriebenen Eck-Café. Der Botanische Garten ist etwas enttäuschend. Ok – Palmen. Hartlaub- und Kakteengewächse. Zwei – das ist tatsächlich bemerkenswert – Gummibäume mit meterdicken Stämmen, von denen Luftwurzeln hinabtasten. An den Stamm des einen gelehnt, posiert ein Model mit einer Reihe riesiger Lockenwickler im schwarzen Haar einem Modefotografen. Ein Gewächshaus gibt es noch, mit allerlei fleischfressende Pflanzen, denen wir mal lieber nicht zu nahe kommen. Was wir mitnehmen, ist vor allem das portugiesische Wort für „Schmetterling“: Borboleta. Und unser Staunen darüber, dass das eigentlich nach einem eher schweren und schwerfälligen Tier klingt. Aber hört sich „Schmetterling“ für jemanden, der Deutsch lernt, etwa leicht und zart an?

Wir schlendern weiter. Hügelauf, hügelab. Schmale Gassen, breitere Gassen. Kachelhäuser, verfallende Häuser. Balkone mit Wäsche (hier nur schwarze Sachen – da drüben schlichte weiße und gleich daneben feine lebensfrohe Unterwäsche – dort ein buntes Familiensortiment). Kühle Plätze mit großen Bäumen, einem Springbrunnen, Bänken, auf denen die alten Leute ihren täglichen Plausch halten.

Irgendwann sind wir bis bis zu den Gleisen der berühmten Straßenbahn Nummer 28 geschlendert. Einmal bis zur Endstation, hügelauf, hügelab. Und dann – einen obligatorischen Kaffee später – wieder zurück.

Der Verkäufer in „unserem“ klitzekleinen „Supermarkt“ kennt uns schon. Wir kaufen Nesperas (japanische Wollmispeln, schlägt Google mir als Übersetzung vor) und Feigen, Wein und Stockfisch in der Dose. Und lassen einen weiteren schönen Tag an unserem Fenster zur Stadt ausklingen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s