Lissabon-Tagebuch (5): Gulbenkian und die Wunschliste

Unser letzter ganzer Tag hier in Lissabon. Heute möchte ich moderne portugiesische Kunst sehen. Aber als wir das Centro de Arte Moderna gefunden haben, gibt es wieder einmal ein „Não!“… denn wegen des Aufbaus mehrer neuer Ausstellungen ist heute, gerade heute, das Zentrum für Moderne Kunst geschlossen. Och menno!

Also gehen wir ins Gulbenkian-Museum, gleich nebenan. Obwohl ich eigentlich gern junge Kunst sehen wollte, sind wir mehr als angenehm überrascht und froh, dass wir diese Sammlung – die der schwerreiche Calouste Gulbenkian zusammen mit jeder Menge Geld in eine nach ihm benannte Stiftung eingebracht hat, die allerlei Kultur in Portugal finanziert – nicht verpasst haben. Großartige Kunstwerke aus vielen Kulturkreisen und Epochen sind hier präsentiert, das Schönste und Beste, auf kleinem Raum zusammengefasst. Die Statuette einer säugenden Katze aus dem alten Ägypten – in lebendiger Bewegung festgehalten und ganz anders als die üblichen Katzenmumien, die man aus anderen Museen kennt – nimmt uns sofort für die Ausstellung ein. Wir betrachten – noch einmal – farbenprächtige maurische Kacheln. Begeistern uns an herrlichen Miniaturen in arabischen Manuskripten und den kunstvoll verzierten und vergoldeten Seiten alter Stundenbücher. Bewundern Tapisserien und Gemälde, durch die Jahrhunderte bis hin zum Impressionismus, mit dem die Sammlung hier endet – wieder mit einem ungewöhnlichen, schönen Werk: dem Bild einer Mutter, die ihrem wegstrebenden Kleinkind ein Söckchen anzuziehen versucht.

Und dann ist unser letzter Tag schon halb um. Wir sitzen im Museumscafé und schreiben eine Wunschliste für die Zeit, die uns noch bleibt: Mit der Metro herumfahren. Den „Park der Nationen“ ansehen. Noch ein „Pasteis de Nata“ essen, eins dieser Blätterteigküchlein, die mit einem leckeren Eier-Sahne-Gemisch gefüllt sind… und eine Bica dazu, einen Espresso. Zum letzten der Miraduros hochsteigen. Noch einen Ginjinha trinken. Durch die Baixa bummeln, die so überschaubar wirkt, in der wir aber von Tag zu Tag immer neue Sträßchen entdeckt haben.

Beinahe alles gelingt uns. Der Miraduro ist der schönste von allen, die kleine Pasteleria, in der wir noch einen letzten Kaffee trinken, die „authentischste“ in all den Tagen – freundliche, alte Wirtsleute nötigen uns zum Sitzen, ein alter Herr versucht, uns in gebrochenem Englisch seine Lebensgeschichte zu erzählen. Und darüber hinaus geraten wir noch in das eine oder andere der vielen, vielen Lissaboner Wäschegeschäfte, deren Sortiment hier – frei nach dem Motto „wer nicht passt, wird passend gemacht“ – ganz selbstverständlich sowohl verschiedenste „Formwäsche“ als auch allerlei erstaunliche Zusatzpolster für Badeanzüge und BHs umfasst.

Ein letztes Mal besuchen wir den kleinen Supermarkt, in dem wir jeden Abend bei demselben stoisch dreinblickenden alten Mann an der Kasse Obst und Wasser und Wein gekauft haben. Trinken ein letztes Glas Wein an unserem Fenster mit Blick in den Nachthimmel, essen die letzten Brote mit salziger Butter.

Ganz früh am nächsten Morgen erwartet uns unten an der Ecke das Taxi, das die nette Vermieterin für uns bestellt hat. Und dann – gleich mal das Einchecken am Eincheckautomaten gelernt, ungeübte Wenigfliegern, die ich bin – fliegen wir ab und lassen Lissabon zurück.  Und wissen, dass es hier noch vieles gibt, was wir nicht gesehen und nicht probiert haben, was wir gern noch entdecken und erkunden würden.

 

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2 Gedanken zu „Lissabon-Tagebuch (5): Gulbenkian und die Wunschliste

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