Zwieback, WM-Sofa, Dornröschenträume

Ungefähr eine Stunde bevor der Fünfjährige zur Kita-Fahrt aufbrechen soll, fängt es an. Mama, mir ist sooo schlecht! Aufregung, denke ich, und gehe mit meinem Sohn los, obwohl er sich sogar übergeben hat. Aber als ich dann auch auf dem Weg zur Kita – trotz der frischen Luft und so – die Tüte rausholen muss, die ein gnädiger Geistesblitz mich noch hat einstecken lassen, ist es klar: ab nach Hause und ins Bett. Magenvirus. Der Neunjährige – heute ist mal wieder Schulschließtag – kann zum Glück zu seiner Patentante gehen. Ach, er hatte sich so auf die Woche ohne seinen kleinen Bruder gefreut – der jetzt wieder den allergrößten Teil meiner Aufmerksamkeit einfordern wird.

Abends geht es dem Fünfjährigen schon wieder besser.

Die Patentante des Neunjährigen hat keine Furcht vor Viren und netterweise auch Zeit – also decke ich mein blaues Sofa mit einer gelben Decke („Krankheitsseite“) für mich und den Fünfjährigen und mit einer grünen Decke („Gesundheitsseite“) für die Patentante ab – der Neunjährige bildet den Puffer in der Mitte. Stelle mein Laptop vors Sofa, einen Teller mit Broten und ein paar Schälchen mit Zwieback und Kirschen und Erdbeeren auf ein paar Stühle daneben – perfekt. Dass ich nur Fleecedecken in den brasilianischen Farben habe, geht schon ok, auch wenn Deutschland und Portugal spielen. Anderthalb Stunden lang lümmeln wir gemütlich zusammen, jubeln über Tore, piken Erdbeeren auf, erkläre ich meinen Söhnen, dass man nicht „der portugiesische Torwart muss in den Müll“ sagt, weil das unsportlich ist und dass es langweilig wäre, gegen einen Gegner zu spielen, der einem nicht einigermaßen gewachsen ist. Und anderthalb Stunden lang bin ich hin- und hergerissen zwischen meiner gerade entdeckten Sympathie für die Portugiesen und meiner Freude an den deutschen Toren. Ach, können sie nicht wenigstens ein Gegentor schießen? Não!

Tags drauf fällt die endgültige Entscheidung, der Fünfjährige braucht noch zwei Erholungstage und wird seiner Kita-Gruppe nicht mehr hinterherreisen. Wenigstens kann der Arzt mich beruhigen, dass sein Zustand nichts mit dem Sturz auf dem Spielplatz am Sonntag zu tun hat. Der Neunjährige bringt neue Elternbriefe aus der Schule mit, eine Einladung zum Schuljahresausklang mit Schulübernachtung und Wandertag (bitte auf der Wer-bringt-was-mit-Liste für den Grillabend eintragen), und dann haben wir endlich Zeit, uns zum lange fälligen Familienrat zum Thema Schlafenszeiten zusammenzusetzen, die in den letzten Wochen immer öfter für Streit sorgen.

Wer muss wann ins Bett – an Schultagen, am Wochenende, in den Ferien? Die Kinder kämpfen um längere Spielzeiten am Abend, ich sehe zu, dass es wieder einen (für die Beziehung zwischen dem vorpubertären Neunjährigen und mir dringend nötigen) Abstand zwischen der Schlafenszeit des Fünfjährigen und der des Neunjährigen gibt und schreibe – ganz besonders groß und deutlich – auf unsere Vereinbarungs-Liste, dass ich am Wochenende nicht mehr vor halb Acht geweckt werden darf. Hundert Jahre Schlaf kommt mir in letzter Zeit so unendlich viel attraktiver vor als durch einen Kuss geweckt zu werden. Oder gar durch ein fröhliches „Mama, es ist schon halb sechs!“ am Samstagmorgen.

Aber wirklich wasserdicht sind unsere Familienregeln noch nicht – merke ich am nächsten Tag, als der Neunjährige um Viertel nach Fünf zu mir ins Bett kommt und am liebsten gleich die anstehenden WM-Spiele erörtern möchte. Schließlich ist ja kein Wochenende…

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Zwieback, WM-Sofa, Dornröschenträume

  1. guinness44

    Während der Schule gehen unsere Kinder gegen 20.00 bis 20.15 ins Bett. Dann können sie noch lesen oder CD hören. In den Ferien gibt es keine festen Zeiten, aber wenn es nur noch darum geht auf zu sein, um nicht zu schlafen, dann werden sie auch ins Bett geschickt. Dort können sie gerne lesen oder CD hören, aber dann sind sie meist schnell eingeschlafen. Das ist besonders morgens angenehm, da sie den Schlafrhythmus so verschoben haben, dass sie lange schlafen. Am Montag geht die Schule wieder los und dann wird es hart werden.

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