Kleine Geschenke

Die dritte – und letzte – Sonnenblume auf dem Balkon ist aufgefblüht. Auch an der Winde sind heute zwei Blüten offen, und eine an der Zucchini, die sich im Kistenbeet breitmacht und keine Früchte, dafür aber umsomehr taube, herrliche, große, leuchtendgelbe Blüten trägt.

Eine Hand voll Blaubeeren haben sich in bester Balkonsüdlage blau gefärbt. Die blassorangen Lilien, an denen sich wie im letzten Jahr ein oder zwei der Prunkbohnenstängel hochgerankt haben, sind gerade noch schön, die roten frisch aufgeblüht.

Meine Söhne, die mich brav bis zur vereinbarten Zeit – es ist ein Wochentag, also um sechs Uhr – haben schlafen lassen. Obwohl der Fünfjährige – krank, mal wieder – schon mindestens eine halbe Stunde eher wach ist und heftig hustet. Dass er sich tapfer seine Augentropfen verabreichen lässt.

Zwei Teebeutel, die mir die Verkäuferin im Reformhaus in die Hand drückt, einfachsoohneGrund.

Die Besuchsfreundin, die heute das Mittagessen kocht.

Die Nachbarinnen, die sich nach ihrem stressigen Tag und vor ihrem nächsten stressigen Tag Zeit nehmen, mit uns im Hinterhof zusammensitzen. Wie wir gemeinsam über unsere Erfahrungen mit der Grundschule lachen, in der wir alle eins unserer Kinder haben.

Wie friedlich unsere Söhne – insgesamt sieben, die Mädchen sind wieder hochgegangen und tun Mädchendinge im Mädchenzimmer – drüben auf dem Rasen Fußball spielen; wie lieb der schwierige Pubertierende den jammernden Zweitkleinsten, der den Ball ins Gesicht bekommen hat, tröstet. Wie der Neunjährige später seelig Sauerkirschen vom Baum isst und dann für die Jüngeren kleine Hanutas im Garten versteckt. Wie der Fünfjährige seinem weinenden Freund, der die Hanutas immer erst als zweiter entdeckt (und deshalb nicht bekommen) hat, das Versteck des letzten zeigt, guck doch noch mal da, in der Gegend –

Mit dem Neunjährigen im Bett – obwohl es schon viel zu spät ist – noch seine Bildermappe aus diesem Schuljahr ansehen: das Spukschloss auf schwarzem Papier mit den weißen, aufgeklebten Geistern; den Pilz, die bunten Seepferdchen zwischen Wasserpflanzen.

Und dann nochmal auf dem Balkon sitzen. Die Winde und die Zucchinipflanze haben ihre Blüten wieder eingerollt und denken schon an die nächsten, die von morgen. Die beiden abgeblühten Sonnenblumen neigen ihre schwerer werdenden Köpfe über das Balkongeländer, als ob sie sehen wollen, ob nicht noch ein vergessener Ball unten im Hinterhof liegt. Schwalben schießen mit lauten Sommerschreien vorbei und später, in der Dämmerung, Fledermäuse auf ihrer Zickzackjagd nach Insekten. Die kugelrunde Lampe im Nachbarhof wie der Vollmond auf Besuch. Und Grillen.

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9 Gedanken zu „Kleine Geschenke

    1. Greta Autor

      …jetzt bin ich doch dabeigeblieben: fotofreier Blog… Noch nicht mal nur wegen der gewünschten Anonymität, sondern weil ich das gut finde, ohne Fotos zu bloggen, weil die Welt schon so voller Bilder ist, denen ich nicht wirklich etwas hinzuzufügen habe… Aber ich sympathisiere sehr mit Euren Hut-und-Helm-Fotos! Liebe Grüße, und: Fehler in Kommentaren machen nix…

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