Allerlei Urlaub

Es gibt solchen und solchen und solchen und solchen Urlaub. Dieses Jahr habe ich von jeder Sorte ein bisschen.

Urlaub vom Alleinsein mit meiner Besuchsfreundin, die schon oft und lange genug hier war, um zu wissen, wie die T-Shirts meiner Kinder gefaltet sind, wo die Kompottschälchen wohnen und wo der Witscher hängen muss; in deren Gegenwart ich am Abend erschöpft aufs Sofa fallen kann. Wo ich von meinem Tag erzähle. Und einschlafe, gerade als wir über irgendein wichtiges Thema reden. Und es macht nichts. Weil wir am nächsten Tag – oder am übernächsten – noch Zeit haben, um weiterzureden.

Urlaub vom Alleinerziehen, so lange meine Kinder mit ihrem Vater verreist sind. Keine Schultermine, keine Arzttermine, keine Physiotherapietermine, keine Kita-Vesperdosen, keine verschlumperten Schulsachen, kein Streit ums Schlafengehen. Ich werde ohne Wecker wach, früh genug, um pünktlich im Büro zu sein – und falls nicht, kann ich ja länger bleiben. Am Abend unerwartet viele Stunden, in denen ich die Stopfwäsche aufarbeiten und die Pinnwand entmüllen, endlich ein ordentliches Rollo für das Zimmer des Fünfjährigen bestellen, die Schulmaterialien für das nächste Schuljahr des Neunjährigen besorgen, einer Nachbarin beim Packen für den Umzug helfen kann. Mit dem liebsten Freund zum See rausfahren. Schwimmsüchtig werden. (Wären es vier Wochen statt nur zwei, würde ich Fensterputzen und endlich wieder Briefe schreiben. Wären es sechs Wochen, würde ich die Wohnung entrümpeln und anfangen, zu meditieren. In acht Wochen: ein Zimmer renovieren und wieder mit dem Tangotanzen beginnen. Ach, Träume! Länger als zwei Wochen würde ich ohne meine Kinder garnicht sein wollen…)

Urlaub vom Beruf, vier Tage mit meinen Söhnen zu Hause – und im Tierpark, bei den traurigen Raubtieren in ihren viel zu kleinen Käfigen und bei den fröhlichen Gibbons und bei den gefährlichen Schlangen; auf dem Fußballplatz, wo ich Torwart sein darf; auf dem Wassersspielplatz; im Park zum Tischtennisspielen. Vier Tage ohne Stress, in denen ich Lieblingsessen koche und Picknicks vorbereite und Ausflugstaschen packe und meine Söhne mitentscheiden lasse, wann wir gehen und wohin, an denen ich abends Ausflugstaschen wieder auspacke und riesige Mengen Abwasch herumstehen. Vier Tage, in denen meine Kinder mich ausschlafen lassen und dafür abends lange spielen dürfen, bevor ich mir Zeit nehme, um mich zu ihnen ins Bett zu kuscheln, dem Fünfjährigen ein Sachbuch vorzulesen, obwohl ich Jungssachbücher eigentlich nicht mag; mit dem Neunjährigen zu schwatzen, der sonst viel zu oft zu kurz kommt.

Und Urlaub von Berlin werden wir auch noch haben.

Wie gut das tut, jede Sorte Urlaub auf ihre Weise.

Sommer ist herrlich.

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5 Gedanken zu „Allerlei Urlaub

  1. guinness44

    Es ist schon beeindruckend, wenn man einmal zusammen rechnet wie viel Zeit am Tag für „Standard“-Dinge drauf geht. Damit meine ich Waschen, Kochen, Brote schmieren, Abwasch, Einkaufen, regelmäßige Termine. Klar, kann man Dinge auch schleifen lassen, aber dann sieht es zumindest bei uns schnell nicht mehr sehr wohnlich aus.

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    1. Greta Autor

      Ganz genau. Ich laufe meinen eigenen Vorstellungen von „Wohnlichkeit“ eigentlich die ganze Zeit nur von weitem hinterher. Und zwei Wochen ohne Kinder gehen glatt drauf, um mal das eine oder andere nachzuarbeiten, was sonst immer liegenbleibt.

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  2. Marion Schiffner

    Liebe Frau Gretaunddasleben, einmal muss es gesagt werden: Sie sind mir sowas von grundsympathisch, es ist eine wahre Freude. Schon seltsam dieses web, wo einem Unbekannte ans Herz wachsen! Danke für’s Schreiben und Erzählen und Mit- denken lassen!

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