Märchenfilme

In der ARD-Mediathek entdecken wir zum Ferienende jede Menge Märchenfilme – eine schöne Auswahl, überwiegend Grimmsche, neuverfilmt in den letzten Jahren.

Also schnell Brote geschmiert und aufs Sofa gekuschelt: an den zwei letzten Ferienwochenenden schauen wir uns jeden Tag ein Märchen an.

Wir freuen uns, wie die kluge Bauerntochter das Rätsel löst, wie sie sich vom Esel zum Schloss ziehen lässt, ins Fischernetz gewickelt, in der Morgendämmerung: nicht bei Tag und nicht bei Nacht, nicht nackend und nicht bekleidet, nicht gefahren und nicht gegangen. Und wie es nur gerecht ist, wenn einer der beiden Bösewichte, die die Bauerntochter umbringen wollen, das zermahlene Glas aus Versehen über sein eigenes Müsli streut und isst! – Und wie mein erwachsenes Herz lacht, dass der König, dem es so unendlich schwer fällt, anzuerkennen, dass seine Frau klüger ist als er, dann doch noch dazulernt!

Wir gruseln uns mit dem tapferen Schneiderlein vor den Riesen; bang wünschen wir dem netten, aber so leichtsinnigen Betrüger, der dem Kaiser die neuen Kleider näht und den die Hofschneiderin schon längst durchschaut hat, dass sein Plan aufgehen soll. Wir sind erschüttert über die Bosheit von Aschenputtels Stiefmutter (ob ich auch so böse aussehe, wenn ich so richtig schimpfe?) Der Neunjährige lacht von Herzen, als Aschenputtel gemeinsam mit dem Prinzen, beide von oben bis unten mit Schlamm verschmiert, die entlaufenen Ferkel einfängt.

Die Bremer Stadtmusikanten sind für meinen Geschmack mit zu vielen leicht faden Untertönen für Erwachsene verfilmt worden (alle Nase lang redet der alte Gockel davon, seine Hennen glücklich machen zu wollen) – die anderen Filme sind gut und kindgerecht gemacht.

Zauberisch und sehnsüchtig kommt am Ende noch das Märchen von den zertanzten Schuhen daher, schön wird erzählt, wie der König ganz langsam seine lebensfeindliche Trauer leid wird, die seine Töchter in die Arme der Zauberprinzen getrieben hat; und anrührend, wie nicht nur seine Töchter, sondern auch ihre Prinzen am Ende erlöst werden.

Meine Jungs, die sich jederzeit lieber ein Sachbuch über Autos oder wilde Tiere vorlesen lassen als aus dem dicken, alten Märchenbuch, bekommen endlich ein bisschen Märchenroutine.

Wird es gut ausgehen? fragt der Fünfjährige am Anfang jedesmal ängstlich – und der Neunjährige versichert es ihm: alle Märchen gehen gut aus! (Nur schade, dass wir ausgerechnet das Making-Off der kleinen Meerjungfrau als Quengelzugabe sehen, da entsteht Erklärungsbedarf) – aber bei den Märchen, die wir uns ganz ansehen, stellen wir gleich in den ersten Minuten fest, wer die Guten und wer die Bösen sind, wen die Prinzessin am Ende heiraten wird und dass es ganz, ganz sicher gut ausgehen wird – wie beruhigend, dass zu wissen! – und können uns entspannt auf das „Wie“ konzentrieren. Und beobachten, wann sich das zukünftige glückliche Paar zum ersten Mal gaaaanz tief in die Augen schaut. Jetzt verlieben sie sich gleich!

Und weil es auch von Aschenputtel ein Making-Off gibt, ein sehr gutes sogar, lernen meine Söhne auch ein bisschen was über das Filmemachen: dass die Schauspieler mit den guten und den bösen Rollen in der Mittagspause fröhlich zusammen lachen, dass in Wirklichkeit die finstere Aschenputtelküche voller Kameras und Kabel war – und dass die Schauspieler verkleidet und geschminkt werden.

Wie schade, dass ein Teil der Filme schon wieder aus der Mediathek verschwunden ist, kaum das wir die Filmliste entdeckt haben! Die kluge Bauerntochter hätte der Neunjährige so gern noch einmal gesehen. Und ich wollte Dornröschen gucken… wenn ich schon nicht selber hundert Jahre schlafen kann!

Aber auch so wirken die Märchen mit den vielen glücklichen Königspaaren offenbar nach, vor allem beim Fünfjährigen. Mama, erzählt er mir am Abend, ich habe mich in L. aus meiner Kita-Gruppe verliebt! Und sie sich auch in mich! Und ich bin kurz davor, mich auch noch in C. zu verlieben! Ach was, gleich in zwei Mädchen? Na das ist ja fein, sage ich. Spielt ihr schön zusammen?

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4 Gedanken zu „Märchenfilme

  1. tikerscherk

    Auch als Erwachsene bin ich noch ein Märchenfan.
    Wird Zeit mich mal wieder mit einem Buch hinzusetzen und ein paar von ihnen zu lesen.
    Ich liebe neben den Grimm´schen, ja auch die von Hauff und natürlich besonders die von H.C. Andersen (die allerdings oft nicht gut ausgehen).
    Dass Deine Jungs so darauf anspringen, finde ich sehr schön. Sie begleiten einen, als Bilder, ja doch ein Leben lang.

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    1. Greta Autor

      Gerade beim Schauen dieser Filme ist mir wieder aufgefallen, wie „weise“ manche Märchen sind, wie sie schwierige Situationen aufgreifen, in die man immernoch geraten kann: die zertanzten Schue – über die Trauer von Eltern, vor der die Kinder flüchten müssen. Oder die Meerjungfrau: mitansehen müssen, wie der Mensch, den man liebt, eine andere heiratet – wie schlimm das ist… Oder Schneewittchen: Hochdramatische Geschichte über das Älterwerden! Schon deshalb sollen meine Jungs die Märchen auch alle irgendwo im Kopf haben.

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