Gesehen, gelesen, gehört… im August

Mal wieder eine Postkarte – aus einer der Serien, mit denen ich eigentlich nicht so viel anfangen kann. Aber diese ist allemal für ein Lachen gut, mit dem großäugigen Hündchen mit rosa Frisur und dem Spruch: „Alt genug, um es besser zu wissen. Jung genug, um es wieder zu tun.“

Mein Urlaubsbuch (war ja nur eine Woche): „Going Out“, wieder von Scarlett Thomas. Ich liebe diese Schriftstellerin – ihre kluge Art, große Fragen aufzuwerfen; ihre Geschichten, in denen die Protagonisten ständig irgendwo herumsitzen und reden und die trotzdem nicht langweilig werden. In diesem Buch erzählt sie vom Eingesperrtsein im eigenen Leben – von Luke, der, inzwischen über 20 Jahr alt, wegen seiner Allergien gegen Sonnenlicht und alles mögliche mit sechs Jahren zum letzten Mal – kurz – das Haus verlassen hat; von Julie, die ihre Schulabschlussprüfungen geschmissen hat, um in Lukes Nähe zu bleiben, die in einem Fastfood-Restaurant kellnert und inzwischen von ihren Ängsten – vor Hauptstraßen, schädlichen Nahrungsmitteln, Gewittern, Flugzeugabstürzen und dem Tod – in einem Leben festgehalten wird, das nicht sehr viel größer erscheint als das Zimmer, in dem Luke seines führt. Und dann brechen sie doch aus – beide. Ein ziemlich berührendes und ermutigendes Buch für Menschen, die – wie ich – auch gerne mal wieder aus den Bahnen rauskommen würden, in denen das eigene Leben sich festgefahren hat.

„Falsche Papiere“: Eine Besprechung dieses Buches bei Buzzaldrins Büchern hat mich neugierig gemacht. Und die Essays von Valeria Luiselli haben auch mir großes Lesevergnügen bereitet. Zwar reist die Autorin nicht – wie ich vermutete, nachdem ich verschiedene Besprechungen gelesen hatte – um die Welt, sondern ist überwiegend in Mexiko Stadt unterwegs. Ihre Gedanken gehen dabei aber wunderbare Wege überallhin (besonders beeindruckend: ihre Gedanken zur Aneignung der Sprache, die ihrer Meinung nach einhergeht mit einem Verlust an Unmittelbarkeit zur Welt) und schenken den Lesern ihres Büchleins ihren ganz persönlichen Blick auf Mexiko Stadt, den man so leicht auf keiner touristischen Reise bekommen würde. Wunderbar. Mehr Essays! Warum habe ich diese literarische Gattung nicht eher entdeckt?

Und noch ’ne Postkarte, wie für mich gemacht: „atme tief ein… es ist nur ein schlechter tag, nicht ein schlechtes leben“ Jawohl!

Warum wollen gerade so viele Leute Bücher von Mark Haddon loswerden? Ich hatte ja schon „The Curious Incident With the Dog in the Nighttime“ gefunden und „A Spot of Bother“ – und nun noch eins: „The Red House“. Wieder ein „Familien-Buch“ – die Geschichte einer Urlaubswoche, zu der ein Mann (mit neuer Frau und pubertierender Tochter) seine ihm schon lange fremd gewordene Schwester (mit Mann und halbwüchsigem Sohn und Teenage-Tochter und kleinem Sohn) einlädt. Wieder schlüpft der Autor in jede seiner Figuren und erzählt aus ihrer Perspektive von ihren Gefühlen, Sorgen und Kämpfen – und davon, was geschieht, wenn Menschen so – fern vom Alltag – mit all ihren inneren Konflikten aufeinandertreffen. Kein besonders fröhliches Buch. Aber wieder ein richtig, richtig gutes. Wie macht der Autor das bloß, sich in seine so verschiedenen Figuren und ihre so vielfältigen Gefühle derartig einzufühlen? Das kann nicht jeder.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s