Gesehen, gelesen, gehört… Im September und Oktober

Neue Postkarte für schlechte Tage: „Lächle und geh weiter. Du kannst sie nicht alle umbringen.“

„The Stone Diaries“ von Carol Shields – wieder so eine lesenswerte Kanadierin, oder jedenfalls Autorin, die lange Zeit in Kanada lebte und schrieb. In diesem Roman erzählt sie ein Frauenleben, ein ziemlich gewöhnliches, etappenweise von der Geburt 1905 bis zum Tod ungefähr Ende der 80er Jahre. Ein ganzes Leben mit seinen großen Themen, mit guten und schlechten Zeiten und mit seinem Ende so vor Augen geführt zu bekommen, stellt viele Fragen in den Raum: Was macht ein Leben aus? Wann ist es ein gutes Leben? Und: Was bleibt? – Es lohnt, nachzudenken. Und dieses Buch zu lesen.

Die Bauanleitung zum Hochbett „Frieda“. Erst Teil Z6 in Teile A, C, F, G, H, I und J stecken. Teil Z18 kommt natürlich zu Teil K. Und dann werden die Kopfteile mit Z1, Z4 und Z5 an den Seitenteilen befestigt. Alles klar? Was als kleines zwei-Stunden-Projekt gedacht war – „Kinder, heute bauen wir das neue Hochbett auf“ – endete als Wochenaufgabe, an der mehrere Freunde mithelfen mussten. Aber jetzt ist es eingeweiht, das schöne neue Möbel.

Eine feine, kleine Ausstellung: „Wedding – Kunst pur 2014!“ im Rathaus Wedding (noch bis 1. November). Eine bunte, spannende Zusammenstellung von Fotos, Bildern und Skulpturen mit „irgendwie wedding-typischen“ und ganz überraschenden Kunstwerken: Susanne hat Glasobjekte zum Thema „Fliegen“ beigesteuert; ein großer Kreis aus Salz mit einem Hocker mittendrin lässt die Besucher zwischen ihrem Wunsch, den Kreis zu betreten und sich auf den Hocker zu setzen und ihrem Respekt für das Kunstwerk schwanken; und zwei riesige Wandbehänge – meine Lieblingsstücke dieser Ausstellung – zeigen ganz unterschiedliche Frauenbilder, die von dem sie umgebenden Patchwork aus textilen Aufschriften kommentiert werden. Ganz sehenswert!

Stefan Moster: „Die Frau des Botschafters“ – eine Besprechung hatte mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht – auf die Fremdheit, die die Frau des fiktiven deutschen Botschafters in Finnland empfindet, und auf ihre abenteuerliche Reise, die sie unternimmt, um ihrem erblindenden Sohn das Licht des Nordens zu zeigen. Ich bin nicht sicher, warum ich so recht nicht in der Geschichte angekommen bin, obwohl der Umgang des Autors mit der Sprache mir sehr gut gefallen hat: Lag es daran, dass mit – so habe ich es empfunden – viel Distanz zu den Figuren und ihren Gefühlen erzählt wird? Dass ich mir ein Botschaftergattinnenleben so garnicht vorstellen kann? Oder daran, dass der Roman viele große Themen berührt, ohne sie breiter auszuführen?

Amélie Nothomb war mir bisher nur dem Namen nach vertraut. Jetzt fiel mir ihre „Biografie des Hungers“ in die Hände. Wie genau sich die Autorin die Gefühlswelt des Kindes und der Jugendlichen vergegenwärtigt, die sie erzählen lässt, hat mich erstaunt. Und ein wenig erschreckt.

Und mehr von meiner aktuellen Lieblingsautorin Scarlett Thomas: „Troposphäre“. Stell Dir ein Computerspiel vor, dessen Programmcode es erlaubt, dass die Figuren sich entwickeln und – zufällig – Bewusstsein entsteht. Woraus wären ihre Gedanken? Aus den gleichen Nullen und Einsen, aus denen auch das Computerprogramm besteht, in dem sie sich bewegen. Und was wäre, wenn einige von Ihnen in der Sprache zu denken fähig wären, in der ihr Spiel programmiert wurde? – Was ist Bewusstsein, woraus besteht es, und: was wäre, wenn wir in das Bewusstsein anderer Menschen hineinsehen könnten? Um diese Fragen geht es in Scarlett Thomas`Roman. Da ich ihre Art, wissenschaftliche Erkenntnisse und philosophische Gedanken, übersinnliche Phänomene und „greifbare“ Figuren zusammenzuspinnen, mag, folge ich ihr gern auch in die Troposphäre. Und schaue hinterher irgendwie anders auf die Welt. Woraus bestehen Bäume, Häuser – und Gedanken? Aus Elektronen und Quarks? Oder?

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2 Gedanken zu „Gesehen, gelesen, gehört… Im September und Oktober

  1. Susanne Haun

    Du hattest eine aufregende Zeit, Greta. Schön, dass dir die Ausstellung im Wedding gut gefallen hat. Heute ist schon wieder Abbau. Die Zeit verfliegt.
    Herzlichen Glückwunsch zum neuen Hochbett!
    Ein schönes WE wünscht dir Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne – danke! Schade, dass die Ausstellung zu Ende ist. Ich finde, dass es die unbedingt nächstes Jahr wieder geben muss – es gibt so viel spannende Kunst, so viele interessante Künstler bei Euch im Wedding! Auch Dir ein schönes Wochenende – liebe Grüße! Greta

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