Aus die Maus

Irgendwann muss ich mal an meinem Verhältnis zu Technik arbeiten. Möglichst bevor ich alt werde und neue Technik nicht mehr verstehen kann. Bisher kann ich mir leisten, neue Technik nicht mehr verstehen zu wollen, aber es hat traurige Folgen. Weil ich es immer gerne vermeide, mich mit technischen Geräten auseinanderzusetzen und noch dazu ungern neue kaufe, bin ich umgeben von Dingen, die gerade noch gut genug funktionieren, um irgendwie zu schade zum Wegwerfen zu sein, aber nicht mehr gut genug, um sie komfortabel zu benutzen.

Das Display vom Telefon ist schon lange kaputt. Niemand, der mich anonym anrufen möchte, muss sich die Mühe machen, seine Nummer zu unterdrücken – ein paar verlorene Striche schwimmen dort, wo die eigentlich angezeigt werden müsste. Außerdem ist der Akku hinüber, so dass meine Telefonate immer spätestens nach einer Stunde abrupt enden. Meine Familie und meine Freunde wissen das schon und nehmen es mir nicht mehr übel, wenn ich mitten im Gespräch auflege. Das Telefon, denken sie, mal wieder abgestürzt.

Das Display vom Handy hat einen Sprung. Beim Ladekabel zeigen sich verdächtige Kuperdrähte zwischen Stecker und Schnur; und dass das Handy neuerdings beim Senden von sms oder beim Wählen immer erst ein- oder zweimal abstürzt, beginnt mir nun doch Sorgen zu machen. (Wie, fragt meine Kollegin, Du hast Dein Handy doch nun auch schon ewig! Nee, sage ich, erst zwei Jahre. Aber, meint sie, es war doch schon gebraucht, als du es bekommen hast! Jaja, sage ich, aber mein Handy davor war auch gebraucht und hat sieben Jahre gehalten. Meine Kollegin sagt garnichts mehr, irgendeine ungläubige Bemerkung ist ihr im Hals steckengeblieben.)

Die Computermaus ist schon vor längerer Zeit mal vom Tisch gefallen, irgendwas ist dabei zerbrochen. Trotzdem funktionierte sie noch eine Weile, aber inzwischen muss ich – wenn sie einen schlechten Tag hat – mit der linken Hand ihren USB-Stecker in einer ganz bestimmten Haltung in der USB-Steckbuchse festhalten, damit die Maus Kontakt zum Laptop hat und ich sie mit der rechten Hand bedienen kann. Ich arrangiere mich ja mit vielem, aber das ist lästig. Ich habe sogar schon – obwohl ich das enorm umständlich finde – das Touchpad auf meinem Laptop benutzt, als es mal garnicht mehr anders ging.

Irre stolz bin ich auch nach mehreren Wochen noch, das ich es geschafft habe, mein WLAN nicht nur einzuschalten, sondern auch das Passwort zu ändern. Natürlich habe ich mich damit nur auseinandergesetzt, weil das Internetkabel… äh… leider kaputt ist: der Widerhaken, der das Kabel am Laptop eingesteckt halten soll, ist abgebrochen.

Jetzt hat ein findiger Telefonberater mich überredet, den Internet- und Telefonanbieter zu wechseln, damit ich für das gleiche Geld eine so schnelle Internetverbindung bekomme, dass ich den Tatort in der Mediathek dann zukünftig wahrscheinlich nur noch als Fast-Forward-Version sehen kann. Leider stehe ich allerlei Ängste aus, seit ich dem Wechsel zugestimmt habe. Werde ich eine neue, monströse, vielfarbig blinkende, unverständliche Irgendwas-Box an unpassender Stelle in meiner Wohnung installiert bekommen? Werde ich SCHON WIEDER ein neues WLAN-Passwort für mein dann neues WLAN einrichten und mich an irgendwelche neuen digitalen Spitzfindigkeiten gewöhnen müssen?

Meine Besuchsfreundin hat sich erbarmt und mir zu Weihnachten eine neue Maus versprochen. Wegen der anderen technischen Misstände habe ich inzwischen schon zum zweiten Mal einen Technikladen aufgesucht. Ich stehe vor endlos langen Regalen mit Telefonen. Dutzende Modelle. Keins sieht aus wie das, was ich zu Hause habe. Jedes verfügt über viel zu viele Knöpfe oder über verdächtig wenige. Und sollte ich nicht am besten wieder eins mit Schnur nehmen, wegen der Strahlung? Andererseits ist es ja auch ganz ok, nur eine Stunde lang telefonieren zu können. Ich habe doch immer noch sooo viel vor am Abend. Und vielleicht kann ich ja einfach die Akkus ersetzen und auf ein funktionierendes Display verzichten? Und im Prinzip will ich doch sowieso nicht so viel mit dem Handy machen. Wozu also ein neues? Unverrichteter Dinge flüchte ich auch beim zweiten Anlauf aus dem Laden.

Sogar meine arme, halbtote Computermaus, die heute wieder brav neben mir blinkt und mir warm und vertraut in der Hand liegt, tut mir eigentlich leid. Da gibt sie sich – alt und kaputt, wie sie ist – noch und noch Mühe, und was mache ich? Werde sie einfach ersetzen.

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4 Gedanken zu „Aus die Maus

  1. Susanne Haun

    Ich kaufe bei Festnetztelefonen immer das preiswerteste, was es gibt. Da kann am wenigsten ‚dran kaputt gehen, weswegen es dann auch lange, lange hält. Meines ist von der Telekom, hat 19,90 gekostet und ich kann sogar meine wichtigen Telefonnummern einspeichern. Ich habe es 2002 erworben. Es ist ein analoges Telefon, was sogar mit der Fritzbox als dialoges verwendet werden kann. Lieber ein preiswertes Neues als ein preiswertes gebrauchtes. Du weisst nie, was damit schon veranstaltet wurde. Bei Tschibo bekommst du Handys für unter 20 Euro. Sicher keine Smartphones aber doch Telefone, die neu sind und funktionieren.
    Und du hast Abitur und hast studiert. Wenn du erstmal deine Abneigung gegen Technik überwunden hast, wirst du sehen, dass es mit der Anleitung leicht ist, alles korrekt anzuschliessen und zu benutzen.
    Wichtig ist, die Abneigung zu überwinden. Freue dich einfach auf deine neuen Errungenschaften und benutze sie mit Freude! Du kannst dann immerhin länger als eine Stunde telefonieren 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen 2. Advent von Susanne

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    1. Greta Autor

      Liebe Susanne, danke für die Tipps… Mein Sohn hat schon länger so ein preiswertes Handy und mein Telefon funktioniert wieder – dank neuer Akkus. Ich kriege das schon hin – und wollte mich hier mit diesem Text vor allem über mich selber und meinen Unwillen lustig machen… Liebe Grüße zum Mittwochabend! Greta

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      Antwort
      1. Greta Autor

        Liebe Susanne, nein, nicht verärgert. Ich fand das total lieb, dass Du mir so ausführlich geraten und Mut zugesprochen/zugeschrieben hast. Wahrscheinlich kam das in meinem Text einfach nicht so rüber, wie ich es gemeint hatte… Wünsche Dir auch noch gute Adventstage! Liebe Grüße! Greta

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