Gesehen, gelesen, gehört… im Dezember

Einmal am Postkartenständer vorbei: „Es muss nicht immer Sinn machen. Es reicht doch, wenn es Spaß macht.“ Und „Herzrasen“ – schön illustriert mit einem Herzen, in dem wunderbar grünes Gras wächst.

2014 erweist sich als das große Lesejahr der britischen Familiengeschichten. Hier ist noch eine: „The Knot“ von Mark Watson – über einen jüngsten, vom großen Bruder nie recht ernst genommenen Sohn – der sein Leben lang heimlich seine Schwester liebt. Ein heikles Thema. Die Gefühle der Hauptperson einfühlsam beschrieben, nachfühlbar, schwer und traurig – und eingebettet in eine große Lebens- und Familienerzählung, die ich gern gelesen habe.

Skandinavische Krimi-Autorinnen kannte ich keine, bevor ich Camilla Läckbergs „Die Eisprinzessin schläft“ im Umsonstregal entdeckte. Ich bin eine kritische Krimileserin, verwöhnt von Fred Vargas und Elizabeth George – aber dieses Buch hat mir gefallen. Ich mag den typischen schwedischen Krimiton darin (ja, ich finde, Bücher, die aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt wurden, haben einen speziellen, vielleicht ein ganz klein wenig umständlich wirkenden Sprachstil – so wie auch das Englische seine freundliche Sprachmelodie in vielen Übersetzungen hinterlässt und das Spanische seine düstere Weitschweifigkeit) und ich mag die Hauptpersonen dieses Krimis, einen Kriminalassistenten, eine Schriftstellerin. Und ihre sich anbahnende Liebesgeschichte mag ich auch. Angenehme Winterlektüre!

Literatur mal wieder anders: Beim Kreuzbergslam. Ja, ich höre mir ab und zu gern die Texte an, die mutige Menschen auf offenen Slam-Veranstaltungen vorlesen. Und bilde mir meine ganz personliche Theorie des Slams: A) Die Szene ist klein, wer häufiger liest, kennt sich B) Frauen wollen in ihren Texten oft tiefsinnige Dinge ausdrücken (sehr sympathisch!), können aber häufig schlecht vortragen C) Männer denken sich oft ziemlich inhaltsleeren Nonsense aus, lesen den aber in der Regel mit viel Selbstbewusstsein und Witz vor D) Dem Publikum gefallen – warum auch immer – oberflächlich-witzige Texte besser als tiefsinnige. Beim Kreuzbergslam im Dezember ist die Vielfalt an Texten und Themen groß. Es geht um die böse Leistungsgesellschaft, einen Oktoberfestbesuch mit Freunden, eine Zombie-Apokalypse, ein armes Huhn, dass es mit dem Tod bezahlt, seinen eigenen Kopf zu haben, einen Soldaten, der seine Kriegserlebnisse nicht verarbeiten kann, um Magersucht, um Erlebnisse in der Herrensauna und um Kaffee. Verdient gewinnt „der Schwabe“ Hanz mit einem Text über Paartheraphie, der im Gegensatz zu den anderen beiden Finaltexten sogar lustig ist. Und als zwischendrin andere Veranstaltungen angekündigt werden, fällt der Name der Slammerin, deren Art zu lesen sich auch für den Paddington Bären so gut eignet (und der ich wirklich, wirklich gerne zuhöre, weil sie einfach verflixt gut liest): Sarah Bosetti.

Weihnachtstage sind Filmtage:

„#Zeitgeist“ im Kino schaue ich mir an, weil ich die Frage spannend finde, was die Veränderung unserer Kommunikationsmöglichkeiten und – wege mit uns macht, all das Gesimse und Gewhatsappe und Geyoutube und dergleichen. Der Film versucht sich weniger als vermutet an einer umfassenden Antwort auf diese Frage. Aber ich sehe jede Minute der sensibel erzählten Geschichte über die alten Probleme des Erwachsenwerdens und die alten Probleme des Erwachsenseins – und die Versuche, sie eben auch mit Hilfe von Internet und Smartfon zu bewältigen – gern.

Und aus der Videothek: „Me too“ ist die Geschichte eines Mannes mit Down-Syndrom, der ein Studium abschließt, eine Arbeitsstelle antritt und sich in eine Kollegin – eine „normale“ – verliebt. Noch eine schön erzählte Geschichte, die nicht alle Fragen beantwortet, aber ein paar wichtige stellt.

Für die Kinder gibt es die Verfilmung von „Gregs Tagebuch 1“. Endlich kriege ich mal richtig mit, was der Neunjährige bändeweise verschlingt (irgendwie werden diese Bücher ja schneller geschrieben, als mein Sohn sie lesen kann, immer, wenn ich denke, er hat jetzt alle Folgen, sind schon wieder zwei neue erschienen). Ja, ich verstehe, dass mein Sohn Spaß an den Schulerlebnissen von Greg hat. Und dass er manches Detail des amerikanischen Middleschoolalltags besser versteht, weil ich beim Filmgucken erklären kann, schadet vielleicht auch nicht. Mehr weihnachtliches Kinderkino, erfreulich frei von Grusel und Action: Die guten alten „Kinder von Bullerbü“.

Ausgelesen: „The Philosophy of Punk“ von Craig O’Hara. Die eine oder andere Bildungslücke geschlossen.

Und ganz nebenher stimme ich mich auf den Jahreswechsel und das Fassen guter Vorsätze mit einer Postkarte von Beck ein, die mein Adventskalender mir beschert hat. Die Yogalehrerin zu ihrem mehr als kräftig gebauten Schüler, der mit hochrotem Kopf auf der Matte liegt: „O.k. Herr Günter, o.k. Wenn es keine Kerze wird, versuchen wir wenigstens ein Teelicht.“

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2 Gedanken zu „Gesehen, gelesen, gehört… im Dezember

  1. Susanne Haun

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins Neue Jahr, Greta! Hast du meine Mail bekommen? Ich hatte dir vor einer Woche auf deine geantwortet. Du fragtest, ob wir uns Treffen, ich hatte dir einen Terminvorschlag gemacht und da mich immer soviele Leute nach einem Treffen fragen und ich so wenig Zeit habe, müsste ich wissen, ob du kannst oder nicht 🙂 🙂 🙂
    Liebe Grüße von Susanne

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    1. Greta

      Liebe Susanne, erstmal wünsche ich Dir ein gutes und erfolgreiches neues Jahr! Bin verreist – kannst Du mir den Terminvorschlag nochmal simsen? Dann kann ich Dir auch schnell antworten. Sorry, dass ich darauf nicht reagiert habe, ich habe ganz wenig aufs Handy und auf die Mails geschaut in der letzten Woche. Liebe Grüße Greta

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