Mach dich vom Acker, Jahr!

2014 neigt sich seinem Ende zu, und ich kann nicht behaupten, dass ich es dem Jahr besonders übelnehme. Geh, mach Platz für ein besseres, denke ich, und: gut, dass ich vor zwölf Monaten noch nicht wusste, was mich so alles erwartet.

Sechs Monate lang dauerte die Plage mit den Dellwarzen, die den Fünfjährigen befallen hatten. Vor ein paar Wochen erst habe ich meinen Söhnen wieder die gemeinsame Badeerlaubnis erteilt, nachdem die letzte Warze aufgegeben hat. Was haben wir nicht alles probiert: Schöllkraut, abkleben, Zinksalben… und das Überhören von guten Ratschlägen wie: „Bei meinem Sohn wurden sie alle auf einmal von der Ärztin weggeschnitten – und dann war gut. Hat nicht so lange gedauert…“

Seit März die Sorge, zukünftig (und rückwirkend) die halben Harz-IV-Leistungen für meine Kinder und ein Drittel der Miete meines Ex-Partners ans Jobcenter rückerstatten zu müssen. Werde ich noch vom Amt verklagt? Oder nicht? Muss mich noch immer jedesmal wappnen, bevor ich den Briefkasten öffne (Notfallplan: Tief atmen – Freundin anrufen – DASLEBENGEHTWEITER sagen – Anwalt kontaktieren).

Zwei Monate lang der Kampf mit der Krankenkasse um einen außervertraglichen – dafür aber logistisch machbaren – Therapieplatz für meinen großen Sohn, dessen emotionale Unsicherheit wohl doch so groß ist, dass Hilfe her musste. Und zwar von jemandem, dem er vertraut, den es hier in beinahe Laufnähe gibt, der aber keine Kassenzulassung hat. Kurz nachdem die Genehmigung endlich erteilt wurde und mein Sohn die ersten Termine hatte, die Mittelung des Therapeuten, dass er Mitte nächsten Jahres umziehen wird. Weit fort von unserem Kiez.

Immer drängender für mich die Frage, was wir unseren Kindern mit unserem Wechselmodell antun, ob es gut für sie sein kann, immer wieder fort zu müssen, zwei Leben zu leben wie andere beim Aufwachsen zwei Sprachen zu sprechen lernen, das kostet, davon bin ich inzwischen überzeugt, Energie, die anderswo fehlt.

Was noch? Eine Mutterschaftsvertretung, viel Arbeit, wenig Urlaub. Ein Pilgerprojekt, dass still und leise den Bach runtergeht, weil auch nächstes Jahr im Büro viel zu tun sein wird. Schlaflose nächtliche Grübelstunden, denen ich mir wünsche, am nächsten Morgen nicht allein aufzuwachen.

Und ein halbvolles – oder halb leeres? – Honigglas, in dem ich glückliche Momente gesammelt habe: Wanderungen im Umland. Sonnenstunden auf dem Balkon. Gebäckstückchengenuss in Lissabon. Herumalbern und großartige Gespräche mit meinen Kindern. Faule Abende mit der Besuchsfreundin. Glückliche kleine Fluchten mit dem liebsten Freund.

Nein, nicht alles war schlecht in 2014.

Und trotzdem: Mach dich vom Acker, Jahr. Mach mal Platz für ein neues.

Advertisements

6 Gedanken zu „Mach dich vom Acker, Jahr!

    1. Greta Autor

      Liebe tikerscherk, danke! Auch für Dich ein buntes, frohes Jahr 2015 mit und bei guten Kräften! Danke Dir noch sehr für den Link auf meinen alten Insel-Artikel!!! Ein lieber Gruß nach Kreuzberg von Greta

      Gefällt 1 Person

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s